Nach Angaben der Anwälte des Beklagten sei die dubiose Geschäftspolitik der Bank Schuld daran, dass der Spieler Jens L. der Spielsucht unterlag. Dies sei auch der Grund für die veruntreuten Gelder. Der Fall wird vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts Stade verhandelt.

Die Kriminalität des Bankangestellten wird von Seiten der Anwälte damit begründet, dass er Arbeitgeber überzogene Zielvorgaben aufgestellt hätte und den Angestellten unter Zwang gesetzt hätte seinen vermögenden Kunden fragwürdige Produkte zu verkaufen. Nach den Angaben von Jens L. wollte der Spieler mit seinen Taten die hohen Verluste seiner Kunden ausgleichen. Um dies zu tun sei er ins Spielcasino nach Hamburg gegangen und habe vor Ort die Kundengelder, die er sich nur geliehen habe, als Einsätze genutzt. An die Gelder gelangt sei er ganz einfach, denn der Tresor in dem die Gelder liegen würden, seien in der Bankfiliale, in der der Spieler angestellt war, nicht geschützt genug.

Bevor der Spieler auf die Gelder der Kunden zugriff, hatte dieser nach eigenen Angaben bereits sein eigenes Geld komplett verspielt. In der Spielbank in Bad Hersfeld war Jens L. ein gerne gesehener Gast, da er zu den Highrollern gehörte, die gerne mal einen Einsatz in Höhe von 50.000 Euro tätigten.

Auch in der Bank habe niemand hingeschaut, als er sich an den Konten der Kunden bedient hatte. Auf diese Art und Weise konnte der Gamer ganze drei Jahre lang quasi seine eigene Spielsucht finanzieren. Vor Gericht wird ausgeschlossen, dass der Spieler sich selbst an den Kundengeldern bereichern wollte. Von Seiten der Anwälte wird auch Schuldunfähigkeit von Jan L. gepocht.