Um die Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zu unterstützen stellt das Unternehmen WestLotto seine Mitarbeiter zwei Stunden pro Woche frei. Sie haben sich als Mitarbeiter für die Hilfe entschieden. Wie sieht die Hilfe vor Ort aus? Und welche Aufgaben warten auf Sie?

Ich habe mich für den Bereich "Kinderbetreuung" entschieden. Regelmäßig fahre ich für zwei Stunden zur Flüchtlingsunterkunft in Münster und beschäftige mich mit den Kindern. Einen festen Ablauf gibt es dort nicht, da wir uns sehr individuell auf die Kinder einlassen. Manchmal sind wir durchgehend mit Kreidemalen und Seilspringen beschäftigt, an anderen Tagen spielen wir Fußball oder Basketball.

Unter Team-Westfalen.de kann sich jeder mit seinen individuellen Kompetenzen, Interessen und Ideen zur Bereitschaft melden. Welche Hilfe bieten Sie persönlich an?

Nach der Infoveranstaltung vom "Team Westfalen" war mir klar, dass ich mich gerne mit den Kindern beschäftigen möchte. Ich glaube, dass ich ein sehr umgänglicher Mensch bin, der mit Kindern immer sehr gut klar kommt.

Was hat Sie dazu bewegt sich aktiv an der Flüchtlingshilfe zu beteiligen?

Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, meiner Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft nachzugehen. Nachdem ich in den Nachrichten viele bedrückende Eindrücke bekommen habe, wie es in den Kriegsgebieten zugeht, habe ich mich entschlossen, den Flüchtlingen zu zeigen, dass sie hier herzlich willkommen sind.

Wie würden Sie die Situation vor Ort beschreiben?

Die Situation ist natürlich angespannt. Das Flüchtlingslager war ehemals eine Schule. 10-15 Personen schlafen in einem ehemaligen Klassenraum, was nicht viel Privatsphäre zulässt. Trotz dessen bin ich jedes Mal aufs Neue überrascht, mit was für einer Gastfreundschaft man empfangen wird. Natürlich sind die ersten Minuten ungewohnt, aber wenn die Bewohner der Unterkunft merken, dass wir sie herzlich willkommen heißen und den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern, sind alle sehr nett zu uns und freuen sich, wenn wir wieder zu Besuch sind.

Ihr Unternehmen stellt Sie frei damit Sie anderen Menschen unentgeltlich helfen können. Was halten Sie persönlich davon? Sollten mehr Unternehmen in Deutschland dem Beispiel von WestLotto folgen?

Ich persönlich finde es großartig, sagen zu können, dass ich bei einem Unternehmen arbeite, welches solch ein Engagement zeigt. Persönlich hoffe ich, dass viele Unternehmen dem WestLotto-Beispiel folgen.

Wie wirkt sich die Hilfe auf die Familie und das eigene soziale Umfeld aus?

Das Engagement für die Flüchtlinge war in meiner Familie und in meinem Freundeskreis oft Thema. Es gab ausnahmslos positives Feedback. Es macht mich natürlich auch stolz, wenn mir Freunde, ohne dass ich sie darum gebeten habe, beispielsweise Sachspenden mitgeben. Mein Engagement wird geschätzt. Im Gegenzug berichte ich dann, wie toll die Spenden angenommen wurden. Ein Freund hat sich sogar entschieden, sich auch bei der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe anzumelden!

Wir groß ist die Bereitschaft generell und vor allem innerhalb der Mitarbeiter von WestLotto?

Wenn ich mir die Nachrichten anschaue und sehe, wie positiv die Flüchtlinge in München oder Dortmund empfangen werden, freue ich mich schon sehr. Genauso ist es, wenn ich mich mit den Kollegen bei WestLotto unterhalte. Im August fand eine Infoveranstaltung zum "Team Westfalen" statt. Ich war sehr erfreut, dass am Ende rund 25 Prozent der Infoteilnehmer von WestLotto kamen, die sich unabhängig voneinander angemeldet hatten.

Wie wirkt sich das soziale Engagement auf das Arbeitsklima bei Westlotto aus?

Ich finde, dass diese Situation und der Impuls vom Unternehmen das Arbeitsklima verbessert hat. Ich glaube, dass das Unternehmen sehr davon profitiert.

Wie sind die Bedingungen vor Ort? Woran mangelt es?

Die Bedingungen vor Ort sind im Vergleich zu Zeltlagern grundsätzlich gut. Natürlich fehlt Privatsphäre, aber diesem kann man nur sehr schwer gegenwirken. Mein Eindruck ist, dass die Hilfsbereitschaft im Münsterland sehr hoch ist. Was mir auffällt ist, dass es an Schuhen mangelt.

Die Flüchtlinge haben in den Unterkünften kaum Lebensqualität. Würden Sie die Flucht nach Deutschland mit einem Glücksspiel vergleichen?

Ich würde eine Flucht nicht als Glücksspiel bezeichnen. Ich zolle den Flüchtlingen Respekt und finde es sehr mutig, einen solchen Schritt zu wagen, um sich selbst und der Familie eine bessere Zukunftsperspektive zu ermöglichen.

Was bedeutet Glück für Sie? Würden Sie Ihre ehrenamtlichen Aufgaben als Glück bezeichnen?

Ich empfinde meine ehrenamtliche Aufgabe nicht als Glück, sondern als selbstverständlich!

Interview geführt von Franziska Steiner

(Bildquelle:westlotto.de)