Bekämpfung und Prävention von Spielsucht für das Gemeinwohl?

Bekämpfung und Prävention von Spielsucht für das Gemeinwohl?

In Verbindung mit dem Glücksspiel hört man vermehrt die Aussage, dass es hier an oberster Stelle stehe, dass Spieler geschützt werden, Spielsucht bekämpft werden sollte und die Suchtprävention gefördert werden müsste. Fragt man hier ehemals süchtige Spieler, würden diese sicherlich zustimmen, dass dies lebensnotwendig sei.

Fragt man jedoch den Durchschnitt der Bevölkerung, so ist nicht davon auszugehen, dass Spielsuchtbekämpfung und Suchtpräventionen die wichtigsten Themen sein könnten. Es ist eher damit zu rechnen, dass Menschen Schutz von Leib und Leben und Wahrung von Grund- und Menschenrechter als wichtig betrachten würden und damit die Politiker auffordern würden, dies sicherzustellen. Diesen scheint jedoch nur noch eins wichtig zu sein: das Glücksspiel und seine Folgen.

Bundesverwaltungsgerichte und Landesgerichte treffen Entscheidungen, die die Bekämpfung und die Prävention des Glücksspiels an oberste Stelle packen und damit priorisieren. Nichts scheint mehr die Grundrechte zu betreffen, als den Schutz der Spieler und den Schutz vor der krankhaften Spielsucht. Doch in der Realität kann man nicht sagen, dass die Spielsucht aktuell als größte Gefahr für die Menschen angesehen wird.

Die Bundesverwaltungsrichter haben ihre Entscheidung getroffen und damit sieht sich die Branche der legalen Glücksspielanbieter in Gefahr. Durch die Gesetzgebung ist die Existenz vieler Spielhallenbetreiber gefährdet und damit Verbunden gehen viele Arbeitsplätze verloren. Der Schutz der Spieler steht auch in diesem Zusammenhang über allem.

Negative Folgen durch Überregulierung

In der Vergangenheit war bereits öfter von Überregulierung die Rede und dies bestätigen auch die aktuellsten Entscheidungen. Je mehr Verbote, egal in welchem Bereich eingefügt werden, desto kreativer werden die Menschen. Wenn also das legale Glücksspiel eingedämmt oder gar gänzlich bekämpft wird, zum Schutz der Spieler natürlich, dann ist dies die beste Zeit für die illegalen Glücksspielangebote.

Die Verbote führen nämlich dazu, dass die Spieler den einfachen Weg gehen und die illegalen Glücksspielangebote nutzen. Dass dies eine viel größere Gefahr für die Spieler darstellt, sollte allen, so auch den Bundesverwaltungsrichtern, an dieser Stelle bewusst sein. Mit der Bekämpfung der Spielsucht und der Stärkung der Prävention werden also aktuell vor allem folgende Dinge erreicht: Förderung von illegalem Glücksspiel, Verlust legaler Unternehmen, Verlust sicherer Arbeitsplätze und Verlust erheblicher Steuereinnahmen.

Spiel um Geld ist existenzvernichtend

Spiel um Geld ist existenzvernichtend

Während viele Menschen das Glücksspiel als Vergnügen ansehen und nebenher als Entertainment nutzen, gibt es zahlreiche Menschen, für die das Glücksspiel mehr ist, als nur eine Freizeitbeschäftigung.

Bei Spielsüchtigen wird das Leben oftmals von dem Glücksspiel bestimmt. Das schnelle Geld, hohe Jackpots und regelmäßige Gewinne sind anfangs der Antrieb dafür, dem Glücksspiel zu verfallen. Bei einem umfassenden Glücksspielangebot ist die Gefahr der Spielsucht sehr hoch. Für die betroffenen Spieler bedeutet die Spielsucht eine große Gefahr, die am Ende sogar existenzvernichtend sein kann.

Spielsucht in Nordrhein-Westphalen:

  • in NRW gibt es rund 50.000 Glücksspielsüchtige
  • die Dunkelziffer ist weit höher
  • 70 Prozent der Spielsüchtigen sind Männer
  • Hauptgruppe der Spielsüchtigen sind Männer um die 30, 40 Jahre alt, meistens berufstätig und leistungsorientiert
  • Sucht wird in erster Linie an Spielautomaten ausgelebt
  • Abhängigkeit beim Online Glücksspiel steigt weiter an

Geld als Symbol für Erfolg

Der Reiz des Glücksspiels ist sehr hoch, nicht allein wegen dem Spaßfaktor an den Spielgeräten, sondern vor allem auch aufgrund verlockender Gewinnangebote. Geld ist ein Statussymbol und viele Spieler verfallen der Sucht, weil sie die Hoffnung haben, mit Hilfe des Glücksspiels schnell sehr viel Geld zu machen.

In der Realität ist dies allerdings nur selten der Fall, denn der Erfolg ist beim Glücksspiel natürlich vom eigenen Glück abhängig. Statt zahlreicher Millionäre bringt das Glücksspiel vielmehr spielsüchtige Menschen hervor. Für die Betroffenen kann dies schwerwiegende Ausmaße annehmen. Neben finanziellen Verlusten verlieren die krankhaften Spieler den Kontakt zu Freunden und Familie und müssen wenn es hart auf hart kommt um die eigenen Existenzen bangen.

Hilfe erhalten die Spieler, wenn sie sich die Sucht selbst eingestehen, bei sogenannten Suchtberatungsstellen. Hier wird Informationsmaterial bereitgestellt und es gibt direkt vor Ort ausgebildete Mitarbeiter, die den Betroffenen bei ihrem Weg aus der Sucht helfen. Hierbei ist es von besonderem Nutzen, dass entsprechende Beratungsstellen meist in engem Kontakt zu Krankenhäusern, Ärzten, sozialen Einrichtungen, Schuldnerberatungsstellen, Spielerselbsthilfegruppen und überregionalen Fachkliniken stehen. Ist die Sucht bei den Betroffenen sehr weit vorangeschritten, ist ein Rauskommen aus der Spielsucht für die Zocker ohne ärztliche Hilfe fast gar nicht möglich.

Kein Schadensersatzanspruch bei Spielsucht

Kein Schadensersatzanspruch bei Spielsucht

Die Spielsucht ist im Zusammenhang mit dem Glücksspiel schon immer ein großes Thema. Daher ist es für Betreiber von Spielhallen und Casinos auch nicht verwunderlich, dass Klagen gegen die Betreiber eingereicht werden.

Auf diesem Weg versuchen Spielsüchtige oftmals, das verlorene Geld oder zumindest Teile des verspielten Geldes von den Betreibern zurück zu erhalten. Ob die ehemaligen Spieler damit erfolgreich sind, hängt in den meisten Fällen von den Umständen ab. Kommt ein Betreiber seiner Sorgfaltspflicht nach und betreibt eine Spielhalle unter Berücksichtigung aller gesetzlichen Vorgaben, so wird es schwierig für die Zocker, ihr Geld zurückzufordern.

In Tier hat ein Spielsüchtiger nun versucht, vor dem Landesgericht einen Schadenersatz-Anspruch gegenüber einem Spielhallen-Betreiber durchzusetzen:

  • spielsüchtiger Kläger
  • verlangte von Spielhallen-Betreiber seine in den letzten Jahren vor Ort verspielten Einsätze zurück
  • neben der Spielsucht wurde die Forderung mit einem durch die Postbank aufgestellten Geldautomaten begründet

Verstoß gegen das Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetz (ZAG)

Vor Gericht bemängelte der Kläger vor allem die Aufstellung des Geldautomaten in der Spielhalle. Seiner Aussage nach würde dies gegen das Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetz (ZAG) verstoßen. Der Kläger bemängelte, dass eine Aufstellung eines Geldautomaten innerhalb einer Spielhalle nicht rechtens sei und ging daher davon aus, dass er aufgrund dessen sein verspieltes Geld zurückfordern könnte.

Die Behauptung des Klägers wurde durch das Gericht nicht bestätigt. Nach Angabe des Gerichts sei der Geldautomat durch die Postbank ordnungsgemäß betrieben worden. Das ZAG würde keine Regelung beinhalten, die das Aufstellen eines Geldautomaten in einem entsprechenden Etablissement verbietet. Generell würde das ZAG keine Regelung beinhalten, in der festgelegt worden ist, an welchen Orten Geldautomaten aufgestellt werden dürfen und an welchen nicht.

Die Spielsucht allein war vor Gericht kein ausreichender Grund, sodass der Schadenersatz-Anspruch des Klägers nicht erfüllt wurde. Das Angebot von Glücksspielen sei mit entsprechenden Lizenzen normal und die Kontrolle darüber würde im Ermessen der Spieler liegen. Das Gericht entschied, dass der Spielhallen-Betreiber demnach nicht für den finanziellen Schaden des spielsüchtigen Spielers aufkommen müsse.

Spielsüchtig ist nicht gleich geisteskrank

Spielsüchtig ist nicht gleich geisteskrank

Die Spielsucht ist generell ein brisantes Thema im Zusammenhang mit dem Glücksspiel. Spielsüchtige verlieren oftmals alles und vor allem auch jeglichen Bezug zur Realität. Dies führte in der Vergangenheit bei vielen Betroffenen dazu, dass die Spielsüchtigen viel Geld in Casinos und Spielhallen verlieren. Weltweit versuchen diese betroffenen Spielsüchtigen im Nachhinein dann auch gerne einmal, die verlorenen Gelder zurückzufordern. Je nachdem wo, kann dies erfolgreich sein oder auch abgewiesen werden, wie in dem aktuellen Fall in Wien.

Ein Wiener Spieler war der Spielsucht verfallen und versuchte Jahre später, die verlorenen Gelder aus seiner jahrelangen Spielsucht zurückzufordern. Zweimal war der Spieler erfolgreich und bekam von Novomatic eine Summe in Höhe von 400.000 Euro zurückgezahlt und von den Casinos Austria eine Summe in Höhe von 250.000 Euro. Bei seiner letzten Forderung war der Wiener allerdings nicht so erfolgreich. Hier forderte der ehemalige Spieler vor Gericht von einer früheren „Wettpunkt“-Betreiberfirma einen Betrag in Höhe von mehr als 1,2 Millionen Euro.

Warum der Kläger bei der letzten Klage keinen Erfolg hatte:

  • der Mann war zwar jahrelang spielsüchtig, aber nicht geisteskrank
  • Gericht musste klären, ob Kläger wirklich spielsüchtig und in der Folge teilweise geschäftsunfähig war
  • Sachverständige helfen bei der Entscheidung darüber
  • oftmals gilt vor Gericht die Einstellung „pro Kläger“, aber manche Sachverständige sind kritisch
  • der Kläger bekommt weder die 1,2 Millionen Dollar
  • ein neuer Sachverständiger wurde auch nicht bestellt

Doch nicht nur die Spielsucht des Wieners wurde vor Gericht thematisiert, auch galt es die Frage zu klären, ob die von Novomatic aufgestellten Spielgeräte genehmigt waren. Genau aus diesem Grund war Novomatic als sogenannte Nebenintervenientin bei der Verhandlung anwesend. Novomatic hatte jedoch nichts zu befürchten, denn das kleine Glücksspiel wurde erst später in Wien verboten. Zu der beanstandeten Zeit verfügte Novomatic somit noch über eine Genehmigung für die aufgestellten Automaten.

Kläger konnte Spielsucht nachweisen

Vor Gericht konnte der Kläger zwar beweisen, dass er zu besprochenem Zeitraum der Spielsucht unterlag, jedoch konnte er nicht beweisen, dass er durch diese Spielsucht geschäftsunfähig gewesen ist. Dies wäre die Voraussetzung dafür gewesen, dass der Spieler das Geld zurückerstattet bekommen hätte. Während des Verfahrens hatte der ehemalige Spieler aus Wien deutlich gemacht, dass er mit dem Sachverständigen nicht einverstanden war. Das Gericht ließ diese Anmerkung jedoch stehen, ohne einen weiteren Sachverständigen hinzuzuziehen.

Der steinige Weg aus der Spielsucht

Der steinige Weg aus der Spielsucht

Im Zusammenhang mit dem Glücksspiel ist die Spielsucht immer ein brisantes Thema. Die Spielsucht betrifft jeden: dem Spieler, der dem Glücksspiel verfallen ist, die Angehörigen, die sich aufgrund der Sucht sorgen müssen, die Betreiber, aufgrund der Verantwortung im Zusammenhang mit dem Spielerschutz und auch die Behörden, die oftmals darüber entscheiden müssen, ob ein Spieler aufgrund der eigenen Sucht entscheidungsunfähig ist oder war. Selbsthilfegruppen für Betroffene sind oft eine gute Methode, um mit der Sucht selber und den Konsequenzen umzugehen.

Plastikchips als Motivation

Während Menschen, die an der Spielsucht litten, mit großer Wahrscheinlichkeit mit Spielchips zu tun hatten, haben sie auch bei der Selbsthilfegruppe immer noch ganz ähnliche Chips in der Tasche. Während die Spieljetons, die Spieler zum Spielen genutzt haben, diese in die Sucht getrieben haben könnten, dienen die in der Selbsthilfegruppe dazu aufzuzeigen, wie lange die Süchtigen es schon geschafft haben, sich von dem Glücksspiel fernzuhalten. In diesem Zusammenhang sind die Chips also eine Motivation, um die Spieler weiterhin vom Zocken abzuhalten.

Das Reden hilft bei vielen Suchtkrankheiten, so ist es auch bei Drogen- und Alkoholabhängigen. In einem Stuhlkreis sitzen die Teilnehmer und erzählen ihre Geschichten. Manchen hilft das Reden, anderen das Zuhören. Die Teilnehmer tauschen sich aus, sowohl was die Erfahrungen im Zusammenhang mit der Sucht betrifft, als auch die Folgen. Auch Angehörige haben die Möglichkeit, an den anonymen Runden teilzunehmen. Neben der Spielsucht werden in vielen solcher Runden neben dem Suchtthema auch andere Themen aus dem Alltag besprochen. Die Teilnehmer fühlen sich wohl, erleben Verständnis und Hilfe von ebenfalls Betroffenen.

Der Weg aus der Spielsucht ist schwierig, dies wissen auch die Teilnehmer in den anonymen Gruppen. Auch gibt es oftmals Spieler, die noch nicht ganz von der Sucht losgekommen sind und sich trotzdem einer dieser Gruppen anschließen. Methoden wie Ablenkung, ein Sparschwein zum Sparen des Geldes, welches sonst zum Spielen genutzt wird und die Abnahme der Bankkarte durch die Betreuer sind gern genutzt, um die Spielsüchtigen auch im Alltag zu unterstützen.

Spielgewohnheiten und Spielsucht der Südtiroler Bevölkerung

Spielgewohnheiten und Spielsucht der Südtiroler Bevölkerung

Mit Hilfe einer Astat-Studie in Südtirol soll herausgefunden werden, welche Personen in Südtirol dem Glücksspiel nachgehen, warum sie zocken und inwieweit die Spielsuchtgefahr in der Region eine Rolle spielt. Als Grundlage ist es interessant zu wissen, dass insgesamt 350.000 Südtiroler in ihrem Leben bereits einmal ein Glücksspiel mit Geldgewinn ausprobiert haben. Bei dieser Anzahl an Spielern handelt es sich um 82,4 Prozent der gesamten Südtiroler Bevölkerung.

Die Spielgewohnheiten der Südtiroler in Zahlen:

  • pro Woche spielen ungefähr 1500 Südtiroler an einem Geldautomaten
  • fast jeder zweite Südtiroler spielt mindestens einmal im Jahr
  • am häufigsten haben dieses Jahr Südtiroler zwischen 21 und 30 Jahren ein Glücksspiel ausprobiert – circa 60 Prozent
  • 17 bis 20 Jahre: 39,8 Prozent
  • 31 bis 40 Jahre: 52,4 Prozent
  • 41 bis 50 Jahre: 48,3 Prozent
  • 51 bis 60 Jahre: 46,7 Prozent
  • 61 und mehr Jahre: 37,3 Prozent

Die Zahlen, die durch die Studie erhoben werden konnten zeigen bereits deutlich auf, dass vor allem junge Menschen dem Glücksspiel nachgehen und daher auch die gefährdete Spielergruppe in Verbindung mit der Spielsucht sind. Auch der Unterschied nach Geschlecht ist auffällig, denn insgesamt 54 Prozent der Männer haben im letzten Jahr an Glücksspielen teilgenommen, während es nur 39 Prozent bei den Frauen sind.

Spielsuchtgefahr in Südtirol

Auch wenn anhand der Zahlen die Spielsucht in Südtirol gar nicht so weit verbreitet ist, so stellt diese dennoch auch in der Region eine Gefahr dar. Nach Angaben der Studie sind 1,3 der Südtiroler pathologische Spieler. Die Spielsucht stellt im Zusammenhang mit dem Glücksspiel immer eine Gefahr für die Spieler dar. In Südtirol werden folgende Glücksspielarten mit der Spielsucht in Verbindung gebracht:

  • Rubellose
  • Lotto
  • Sportwetten
  • Online-Geldspielautomaten

Während die pathologischen Spieler in Südtirol noch überschaubar sind, so gibt es dennoch rund 12.000 problematische Spieler in Südtirol. Dies zeigt deutlich auf, dass die Spielsucht auch in der Region verstärkt thematisiert werden muss. Die Spielsucht kann in finanziellen und sozialen Problemen enden, bis hin zu krimineller Aktivität aufgrund von Verzweiflung. Daher sollen auch in Zukunft in Südtirol weiterhin Maßnahmen ergriffen werden, die sich gegen das Glücksspiel richten, um so die Spielsuchtgefahr einzudämmen.