Während vor ein paar Jahren Schleswig-Holstein das Bundesland war, welches einen Sonderweg einschlug und sich nicht dem Glücksspieländerungsstaatsvertrag anschließen wollte, sind es nun die Bundesländer Hessen und Baden-Württemberg, die sich in Bezug auf die Gesetzgebung scheinbar nicht einig werden wollen. Während Baden-Württemberg an dem Glücksspielstaatsvertrag festhalten will, plant Hessen eine vollkommene Liberalisierung des Glücksspiels in Deutschland.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich Hessen und Baden-Württemberg vor ein paar Jahren noch einig gewesen zu sein scheinen. Im Jahr 2012 hatten die Bundesländer, mit Ausnahme von Schleswig-Holstein, sich darauf geeinigt, eine teilweise Liberalisierung des Glücksspiels mit Hilfe des Glücksspieländerungsstaatsvertrags durchzusetzen. Hier wurde beschlossen, dass 20 Lizenzen an private Sportwettenanbieter ausgegeben werden sollten, was allerdings bis heute nicht passiert ist. Gleichzeitig war man sich einig darüber, das Staatsmonopol beim Lotto aufrecht zu erhalten.

Hessen fordert eine radikale Reform

Nachdem der Glücksspielstaatsvertrag als gescheitert erklärt wurde, ist Hessen sich nun sicher, dass nur eine radikale Reform im Bereich des Glücksspiels sinnvoll sei. Hier sehen die Politiker folgende Regelungen vor:

• Aufhebung der Begrenzung privater Anbieter

• keine Beschränkung von Online-Casinospielen und Online-Poker

• keine Beschränkung des Höchsteinsatzes für Spiele im Internet von 1000 Euro im Monat

Nach Meinung Hessens habe der gescheiterte Regulierungsversuch gezeigt, dass radikalere Maßnahmen von Nöten seien. Das illegale Online Glücksspiel in Deutschland floriert. Hiergegen könne man nur vorgehen, indem man das Online Glücksspiel ganzheitlich gestatten würde, um so auch Kontrollen von Seiten der Regierung möglich zu machen.

Aus Baden-Württemberg kommt unterdessen eine Anklage, denn hier unterstellt man dem Bundesland Hessen, dass dieses mit der radikalen Gesetzgebung lediglich versuchen würde, eigene Versäumnisse zu überspielen. In Baden-Württemberg scheint man sich sicher, dass auch in Zukunft weiterhin an dem Lottomonopol festgehalten werden sollte.