Die Erträge der drei Spielbanken im Bundesland Baden Württemberg sind in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Dies kann auf das World Wide Web zurückgeführt werden, in dem es einen großen Markt für illegales Glücksspiel gibt. Der Direktor des Casinos Baden-Baden informiert sich regelmäßig darüber, was bei den Online Glücksspielen vor sich geht.

An einem Tag, so stellte er fest, sind mehr als 80.000 Spieler bei einer Online Poker Webseite im Netz und das bei nur einem der zahlreichen Betreiber. Der Direktor findet dies gar nicht gut. In den Online Casinos finden sich viele Millionen von Spielern und im besten Casino des Bundeslandes und auch an den beiden anderen Standorten Konstanz und Stuttgart sinken die Ertragzahlen und die Anzahl der Gäste sehr stark ab.

Der Geschäftsführer der drei Casinos sagt, dass Erträge der baden-württembergischen Spielbanken in den letzten vier bis fünf um circa 50 Prozent gesunken seien und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Dies ist auch auf den aktuellen Glücksspielvertrag und den großen Schwarzmarkt im Internet zurückzuführen, der auch eine Konsequenz des Vertrages ist.

In diesem Vertrag haben sich die Bundesländer in Deutschland darauf geeinigt, Glücksspiel lediglich mit Zulassung und Kontrolle bereitzustellen und nicht im Internet zur Verfügung zu stellen. Es ist nicht möglich, dass ein Hobbyspieler einen simplen Lottoschein im Internet abgeben kann.

Er muss nach wie vor die Annahmestelle aufsuchen. Der Zweck dieses Vertrages ist es, der Bildung von Glücksspiel- und Wettsucht vorzubeugen und Kriterien für eine effektive Bekämpfung der Sucht zu entwickeln. Zudem will man das Angebot einschränken und der Vertrag hat die Aufgabe, die Spielleidenschaft der Bürger in kontrollierte und sichere Wege zu leiten.

Zudem soll der Wechsel zu illegalen Glücksspielen vermieden werden. Doch genau dieser Fall tritt nun ein. Die Spielfans lassen sich ungern Vorschriften machen und werden im Netz fündig. Dass diese Angebote nicht rechtens sind, interessiert sie wenig. Die Betreiber unterlaufen das Verbot, indem sie vom Ausland aus arbeiten.

Die Spieler sind mit ein paar Klicks am Ziel ihrer Suche. Die Glücksspielangebote im Netz sind schier unbegrenzt.

Das Beratungsunternehmen "Goldmedia" veröffentlichte in seiner Studie zum Glückspielmarkt in der Bundesrepublik 2015 viele Informationen. Der Bruttospielertrag, Einsätze minus Gewinnauszahlungen plus Trinkgelder in den Spielstätten- schrumpfte von mehr als eine Milliarde Euro in 2005 auf 800 Millionen in 2009.

Die nicht in der Bundesrepublik befindlichen und nicht kontrollierten Unternehmen im Bereich Wetten hatten laut Goldmedia die Branche den höchsten Marktanteil. Zum Ende des Jahres 2009 betrug der Spieleinsatz im Internet knapp 8 Milliarden Euro. Im Gegensatz dazu können die in der Bundesrepublik bereitstehende Pferdewetten sowie Oddset und Fußballtoto lediglich Spieleinsätze von einer halben Milliarde Euro vorweisen.

So machten die unkontrollierten Betreiber einen Marktanteil von 94 Prozent aus. Während es im kontrollierten Glücksspielmarkt schlecht aussieht, florieren die Online Glücksspielmärkte. Der Geschäftsführer ist der Ansicht, dass dies massive Konsequenzen für die Spielbanken haben wird.

Die regulierten Betreiber würden vom Markt vertrieben, obwohl sie den Bürger Spiele bereitstellen wollten. Man habe eine öffentliche Aufgabe und es werde verwehrt, diese auszuführen. Man habe nicht die Möglichkeit, auf dem Markt das anzubieten, was die Online-Betreiber bereithielten. Goldmedia zufolge arbeiten diese in einer rechtlichen Grauzone und können nicht sanktioniert werden.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart bekräftigte, dass bislang kein Prozess gegen Betreiber von Online Glücksspiel oder dessen Nutzern existiere. Wenn die Betreiber von Ausland aus arbeiteten, könne man nichts unternehmen. Hier findet sich ein erhebliches Risiko, um den Gewinn gebracht zu werden und kein Spieler wird diesen von den Behörden verlangen.

Deshalb sind diese Vorgehensweisen undurchschaubar. Das unregulierte Spielangebot habe auch Konsequenzen auf das Suchtverhalten. In den Casinos haben die Spieler, die ihr Verhalten und ihr Geld nicht mehr unter Kontrolle haben, die Möglichkeit, sich freiwillig sperren zu lassen oder gesperrt zu werden. In Netz und den Spielhallen werden sie vor ihrer Sucht nicht geschützt.

Spielhallen werden nicht als Glücksspiel angesehen, sondern als Unterhaltungsorte und unterliegen so nicht dem Staatsvertrag. Auch der EuGH in Luxemburg ist sich darüber im Klaren geworden. Er befindet das Monopol auf Glücksspiel, welches im Vertrag festgesetzt ist, für nicht kompatibel mit dem Recht in der EU, da der Zweck, die Spielsucht zu bekämpfen, nicht einheitlich und mit System erfüllt wird.

Reguliertes Spiel im Casino und bei Sportwetten sei zwar machbar, doch in den Spielhallen und im Netz kann dies nicht durchgesetzt werden. Der Gerichtshof nahm auch die Werbeaktionen im Bereich Lottospiel in die Kritik. Diese passe nicht zum Zweck der Spielsuchtbekämpfung. Der Vertrag verliert Ende dieses Jahres seine Gültigkeit und deshalb diskutieren die Bundesländer über eine neue Fassung.

Bei der Konferenz der Ministerpräsidenten Mitte Dezember 2010 in der deutschen Hauptstadt wurde klar, dass der Großteil das Monopol fortführen möchte und die anderen eine Liberalisierung anstreben. Forscher von der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim haben auf Grundlage des Urteils aus Luxemburg das so genannte "Hohenheimer Konzept" ausgetüftelt.

Sie unterbreiten den Vorschlag, Glücksspiele aufgrund ihrer Suchtgefährdung zu unterscheiden und eine breite Regelung in Bezug auf risikoreiche und harmlose Spiel zu entwickeln. Die Professoren Alber, Dittmann und Becker stufen das Lottospiel als harmlos ein, doch die Automaten hätten ein hohes Suchtrisiko. Laut Becker sei es für die Entwicklung einer Sucht in diesem Bereich ausschlaggebend, wie diese verfügbar und schnell seien.

Je schneller diese Spiele sind umso risikoreicher sind sie. Zudem machen sie den Vorschlag, eine Sperrdatei für diejenigen Spieler einzurichten, welche ihr Hobby nicht mehr unter Kontrollen haben. Diese Datei soll auch für Automatenspiele greifen. Harmlose Spiele wie Lotto sollen im World Wide Web verfügbar sein.

Ihre Schlussfolgerung ist, dass heutzutage ein Verbot nicht mehr angemessen sei und die Realität außer Acht lasse. Das Internet soll auch für rechtmäßige Casinospiele und Sportwetten verfügbar sein. Lediglich bei staatlich kontrollierten Angeboten im Netz sei es denkbar, Schritte zur Suchtvorbeugung, wie beispielsweise eine Sperrdatei zu realisieren, so die Wissenschaftler.