Die Mafia in Nordamerika hat noch nie einen solchen Schlag ins Gesicht bekommen. Mehr als 800 Beamten des FBI und der Polizei wurden vor kurzem eingesetzt, um in den drei Bundesstaaten New York, New Jersey und New England Angehörige der Cosa Nostra festzunehmen.

Als die Aktion beendet war, sagte die Vizedirektorin des FBI auf einer Pressekonferenz, dass etwa 130 Personen verhaftet worden seien. Das Fundament der Mafia gerät somit ins Wanken.

Man ging gegen die Cosa Nostra in New England, die Familie DeCavalcante im Staat New Jersey und die fünf Mafia-Clans Bonanno, Colombo, Gambino, Genovese und Luchese in New York vor. Die Familie Gambino hatte im April des letzten Jahres schon einen schweren Schlag bekommen, als hohe Mafiamitglieder festgenommen wurden und sich vor Gericht verantworten mussten.

Sie veranstalteten auch unrechtmäßige Pokerrunden und die letzten Beschuldigten bekannten sich im Januar 2011 schuldig. Sie müssen mit Freiheitsstrafen von bis zu 30 Jahren rechnen. Bei der aktuellen Aktion von Polizei und FBI nahm man wiederum hohe Mitglieder der Mafia fest, den 83 alten Luigi Manocchio, der lange der Chef der Mafia in New England gewesen war und die Herren Corrozo und Vernace, die als Berater bei der Familie Gambino arbeiteten, wurden ebenfalls verhaftet.

Die Colombos erlitten den härtesten Schlag, denn vermutlich wurden mit den Herren Russo und Castellazzo die Köpfe der Mafia-Familie gefasst. Der oberste Berater des Clans wurde auch verhaftet. Sie werden wegen unrechtmäßigen Besitzes von Waffen, Erpressung, Drogenhandels, unrechtmäßigem Glücksspiel bis zum Mord beschuldigt.

Der Bereich des Glücksspiels war neben dem Handel mit Drogen eine gut laufende Geldquelle der New Yorker Clans. Die Herren Scarpaci und Orefice arbeiteten für die Familie Gambino beim ungesetzmäßigen Poker in den Hotelzimmern des Stadtteils Manhattan, auch sie wurden verhaftet. Die Herren Difiore, Manzella, Scotto und andere Familienangehörige lieferten den unrechtmäßigen Pokerclubs Prostituierte und Rauschgift, auch sie wurden geschnappt.

Als weitere Angehörige festgenommen wurden, hatte die Geschäfte im Poker nun ein Ende für die Familie Gambino. Auch die unrechtmäßigen Wettbüros brachten der Mafia eine Menge Geld ein und der Zugriff der Polizei dürfte vermieden haben, dass die Mafia bei Super Bowl am 5. Februar wieder eine Menge Geld mit den Wetten macht.

Der Justizminister der USA sagt, dass dies eine der großangelegtesten Aktionen gegen die Mafia beim FBI war und zwar im Hinblick auf die Verhafteten und die Anklagepunkte. Der Erfolg war nur deshalb so durchschlagend, weil das Schweigeverbot der Mafia, die Omerta nun nicht mehr ist. Viele Verbrecher sind für einen Deal mit der Staatsanwaltschaft bereit, wenn man ihnen die drohenden 40 Jahre Knast vor Augen führt.

Um eine mildere Strafe oder einen Freispruch zu bekommen, verraten sich viele gegenseitig. Herr DiDonato, der aus der Mafia ausgestiegen ist, ist ein gutes Beispiel für diesen Prozess, vor kurzem hat er mit einem ehemaligen Polizisten ein Buch über seine Zeit bei der Gambino-Familie veröffentlicht.

Er arbeitete 15 Jahre für sie, bis er dann zum Ende der 1990er Jahre ausstieg. Die Cosa Nostra entstand zu Beginn der 30er Jahre und wurde von Lucky Luciano ins Leben gerufen. Er war sich im Klaren darüber, dass es nur mit genauen Strukturen und vielen Geldquellen auf lange Sicht zu Erfolgen kommt. Seine Vorgaben geben seit knapp 100 Jahren den Clans ihren Einfluss.

Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 widmet sich das FBI den Terroristen und die Mafia konnte ihren Einflussbereich fast unbehelligt ausdehnen. Hierzu zählen nicht nur illegale Geschäfte sondern auch die Besetzung von Gewerkschaften und Baubehörden. Die aktuellsten Festnahmen machen aber klar, dass es in New York nun anders zugeht. Die Bekämpfung der Mafia in den Vereinigten Staaten wird gnadenlos fortgesetzt.