Hier findet man nun Regale mit vielen Servern. Das Datenzentrum, das streng überwacht wird, beinhaltet mehr als die Hälfte der globalen Online Glücksspiele. Der Oberhäuptling des Ortes sagt, dass hier das größte Netzportal weltweit zu finden sei. In dem Reservat leben etwa 7.500 Mohawk, das 30 Kilometer von Montreal entfernt und die Zentrale für das Glücksspiel auf dem nordamerikanischen Kontinent ist.

Strenggenommen sind die Aktivitäten des Reservats vom Gesetz her nicht gestattet. Das Führen von ungesetzmäßigen Internetseiten im Bereich Glücksspiel ist den Vereinigten Staaten streng untersagt. Nur die Regierungen der kanadischen Provinzen dürfen dies tun. Bislang hat noch keine Behörde etwas dagegen unternommen. Der Oberhäuptling beurteilt diejenigen, die die Geschäfte der Mohawk als unrechtmäßig ansehen, als wenig weitblickend.

Das Unternehmen Mohawk Internet Technologies bietet ihrer Klientel schon sei über einem Jahrzehnt die Grundlage für virtuelles Glückspiel an und dies mit großem Erfolg. Hier sind maximal 800 Internetseiten in Betrieb. Als sie begannen, hatten sie auch Glück. Sie dachten darüber nach, das World Wide Web mit ihren Geschäften zu verbinden und just in diesem Moment wurde eine Röhre, die Glasfaserkabel enthielt, an ihrem großen Territorium angebracht und sie sprangen noch auf.

Seit diesem Moment haben sie auch etwas von der rasanten Datenverbindung die zwischen Toronto, Montreal und New York verläuft. In anderen Reservaten in Nordamerika wurden Casinos errichtet und deren Bewohner verdienten sich mit den Einnahmen ihren Lebensunterhalt, die Mohawk tun das nicht, sie haben in zwei Befragungen diese Spielstätten nicht befürwortet.

Manche hatte aufgrund des schlechten Einflusses auf die Jugend Sorgen, deshalb sagte er Chef des Unternehmens, dass seine Firma die Online Glücksspiele nicht eigenhändig feilbietet, sondern lediglich die Internetseiten von seiner Klientel aufbewahrt. Er sagt, dass man nicht vom Glücksspiel profitiere, man stelle ein Datenzentrum dar und man garantiere die Versorgung mit Strom, die Glasfaserleiter und den Datenverkehr.

Der Indianerstamm verkauft ihrer Klientel Zulassungen, aktuell geht man von 55 Betreibern von Webseiten von Online Glücksspiel aus. Der Stammesrat hat aus diesem Grund einen Ausschuss ins Leben gerufen, die so genannte "Kahnawake-Glücksspielkommission". Diese hat mit der Unterstützung von Advokaten Vorgaben ausgearbeitet, die bei der überprüfung der Klienten zum Zuge kommen. Diese müssen eine juristisch weiße Weste vorweisen.

Der Oberhäuptling schildert, dass es Leute gab, mit vollen Geldkoffern kamen und die die Lizenzen forderten, um das übrige wollten sie sich selber kümmern. Die Kommission hat diesen Menschen keine Zulassungen gegeben.

Die Leute, die zugelassen werden, entrichten eine Abgabe von 23.000 Francs für die Zulassungen mit der Identitätskontrolle sämtlicher Besitztümer und wahrscheinlicher Einträge ins Strafregister. Oben drauf gibt es noch eine Taxe in Höhe von etwa 10.000 Francs oder noch mehr, je nach Situation, der Oberhäuptling sagt, dass man mit den Vorgaben dafür Sorge trage, dass die Spieler ihr Geld wirklich in den Händen halten können.

Dieses Geschäft ist sehr rentabel, drei Jahre zuvor ließ er durchblicken, dass man mit einem Ertrag in Höhe von etwa 22 Millionen Euro rechne, heute schweigt er dazu wie ein Grab. Das Geld aus diesem Bereich kommt offiziell Schulen, Sportanlagen und weiteren Infrastrukturen zugute. Der Stamm darf die kompletten Erträge behalten, da sie wie alle Indianer, die in Reservaten zuhause sind, keine Abgaben an die Behörden entrichten müssen.

Den Gegnern ist dies natürlich gar nicht recht. Die Regierung Ottawas fühlt sich unter Druck gesetzt, den Online-Geschäften des Indianerstamms beikommen zu müssen. Deswegen hat das Justizministerium von Kanada zwei Jahre zuvor ein Komitee damit behelligt, Vorschläge einzubringen, bisher hat die öffentlichkeit wenig davon mitbekommen. Die Sprecherin des Ministeriums sagte auf Anfrage, die Ermittlungen und Strafverfolgungen im Bereich Online Glücksspiel sei alles andere als leicht. Hierfür brauche man die Kooperation von Ministerien, Provinzen und Interessengruppen.

Die Bewohner der Vereinigten Staaten waren schneller. Seit vier Jahren existiert im Land ein Gesetz, welches finanzielle überweisungen seitens Banken und Kreditkartenunternehmen mit unrechtmäßigen Betreibern der Webseiten im Bereich Glücksspiel untersagt. Ungeachtet dieser rechtlichen Vorgabe glaubt sich der Indianerstamm im Recht, der Rat vertritt die Meinung, dass ihr Reservat nicht vom Gesetz in Kanada betroffen sei und ihr Stamm eine unabhängige Nation ist.

Zudem sind die Seiten nicht im kanadischen Hoheitsgebiet sondern im Reservat zu finden. Man fühle sich als nicht zu den Kanadiern zugehörig. Der Stamm macht sich selbst Pässe und verfügt über eine separate Polizei in ihrem Reservat.

Die Mohawk waren schon damals als wilde Krieger bekannt und ihr Name heißt übersetzt "Menschenfresser". Sie gehören zu den Irokesen und ließen sich damals im heutigen Staat New York nieder. Die Männer fungierten als Jäger und Kaufleute und die Frauen betrieben Landwirtschaft. Ihre Clans waren relativ umzugsunwillig und lebten in Landhäusern und waren von der Mutterfolge geprägt.

Der Stamm focht heftige Kriege mit Indianerstämmen in ihrer Nachbarschaft aus. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts schlossen sie sich mit anderen Irokesenstämmen zusammen und im 18. Jahrhundert zogen die meisten von ihnen ins heute bekannte Kanada, wo sie seit diesem Zeitpunkt in Quebec und Ontario wohnen. Heute sind viele beim Bau der Wolkenkratzer in New York zu finden.

Heute liegen sie mit der Regierung von Kanada im Clinch, dabei dreht sich alles um die Rückgabe ihres traditionellen Gebietes und einen Schadenersatz für das Land, dass sie verloren haben. Dass die Behörden hier so zaghaft sind, hängt nach der Meinung vieler Beobachter mit einem Ereignis vor 21 Jahren zusammen, als man 78 Tage mit den kriegerischen Mohawk zu tun hatte und dabei ein Polizist sein Leben lassen musste.

Niemand will dieses Thema ansprechen oder einen möglichen Konflikt herbeirufen. In der Zwischenzeit hat der Stamm auch eine internationale Expansion und hat Verträge mit der Isle of Man, Singapur und Malta. Klienten, die ihre Seiten auf dem oben genannten Servern haben kommen aus den Vereinigten Staaten, Asien und Europa. Für die amerikanische Bevölkerung sind keine Einschränkungen zu finden, so einer der Direktoren des Unternehmens.

Wenn er darauf angesprochen wird, dass die Behörden in den Staaten nicht besonders froh über das Reservat seien, wischt er das elegant beiseite, er sagt, dass die amerikanische Bevölkerung das virtuelle Glücksspiel wolle, sonst könnte diese Industrie schwerlich existieren. In Kanada haben nun manche Provinzen vor, selbst etwas vom Kuchen abzubekommen, weil es reichliche Erträge verheißt.

Deshalb hat die Regierung der Provinz British Columbia Mitte des letzten Jahres die erste rechtmäßige Internetseite im Bereich Online Glücksspiel auf dem nordamerikanischen Kontinent angeleiert und Ontario will es ihr gleichtun. In Quebec soll im Herbst dieses Jahres eine Seite für Online Poker starten. Die Regierungsseite von British Columbia musste nach nur kurzer Zeit auf Eis gelegt werden, da die privaten Informationen und das Geld einiger Spieler keinen ausreichenden Schutz hatte.

Der Geschäftsführer kann dies nicht verstehen, jeder sei der Meinung, dass dies einfach sei, doch es sei Schwerstarbeit. Im Reservat sei es noch nie wegen eines Stromausfalls oder Hackern zu Problemen zu Pannen gekommen und diese seien an der Tagesordnung. Der berühmteste Sohn von Kahnawake, Morris, der zwei Olympiamedaillen gewonnen hat, ist auch beim Online-Glücksspiel dabei.

Er ist 53 Jahre alt und hat die höchste Auszeichnung "Order of Canada" und er ist auch Mitbegründer des Unternehmens Mohawk Gaming Group, diese ist im Besitz der Marketingrechte an Bodog. Dieses ist ein namhaftes Unternehmen im Bereich Internet-Glücksspiel und ist im Besitz den kanadischen Staatsbürgers und Milliardärs Ayre.

Dieser wohnt in Antigua und hatte bald darauf Schwierigkeiten mit den amerikanischen Behörden und kommt nicht mehr in die Vereinigten Staaten. Bodog und ihre Tätigkeiten in Nordamerika sind bei dem Reservat gut untergebracht. Einem kanadischen Magazin sagte der Milliardär, dass man denke, dass sich die Reservatsbewohner nur mit Trommeln, Federn und Perlenstickerei befassen sollten, doch die ersten beiden sind längst passe.

Der Indianerstamm zählt sich nicht zu den Kanadiern, sie machen ihre Pässe selbst und den Kunden eigenhändig Zulassungen für das Glücksspiel.