Durch ein Angebot des Glücksspielanbieters tipp24.com soll ein Tipper 31,7 Millionen Euro gewonnen haben. So ein Millionengewinn löst natürlich die kühnsten Träume von einem Leben in Luxus und ohne Geldsorgen aus.

Allerdigns kann der Gewinner nicht ganz so sorgenfrei sein, denn rein rechtlich betrachtet hat er, wenn er sein Kreuzchen an einem Rechner gemacht hat, der sich auf deutschem Boden befindet, verbotenerweise an einem Glücksspiel teilgenommen und so den Gewinn illegal eingesteckt. Seitens des Gesetztes kann dem Gewinner kaum etwas passieren, vorallem dann nicht, wenn er sein Geld im Ausland deponiert.

Ein Thema wurde durch den neben den legal gecknackten Millionengewinn in Bayern wieder ins Rampenlicht gerrückt. Juristen bekriegen sich schon seit langem über das Thema, ob in Deutschland neben den staatlichen Lotterien auch private Glücksspielveranstalter von dem Wettfieber profitieren dürfen. Dabei geht es um einen Milliardenmarkt. Alleine von den legallen Lotterien wude im vergangenen Jahr ein Umsatz in Höhe von 13 Milliarden Euro erziehlt. Auf einen weiteren zweistelligen Milliardenbetrag wird der graue Markt mit Sportwetten, Pokerspielen und anderen Lotterien geschätzt.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im März 2006 die bis dahin übliche Praxis des Verbots privater Glücksspiele angekreidte. Die Devise aus Karlsruhe lautete: entweder den Markt öffnen oder strikter gegen die Spielsucht vorgehen. Worauf sich die Finanzminister der Bundesländer für die Bekämpfung der Spielsucht und gegen die private Konkurrenz entschieden. Jedes Jahr fließen schließlich Milliardensummen aus staatlichen Lotterieeinnahmen in die Länderhaushalte.

Mit dem Glücksspielstaatsvertrag von 2008 wurde das Privatverbot durchgesetzt und seit Anfang 2009 gilt das totale Verbot von Internet Glücksspielen. Private Glücksspielanbieter wie Tipp24 zogen aufgrund der neuen Gesetzgebung und dem Argument, dass das europäische Wettbewerbsrecht verletzt sei, vor Gericht, doch die Aussichten schwinden.

Der Europäische Gerichtsohof hat vor wenigen Tagen das Staatsmonopol in Portugal erlaubt und ist zusätzlich noch einen Schritt weiter gegangen, denn künftig dürfen die staatlichen Anbieter in Portugal wieder im Internet tippen, Private jedoch nicht.

Als Alternative zur Schließung, blieb Tipp24 nach Inkrafttreten des Staatsvertrags nur noch die Flucht ins Ausland. Von der Londoner City aus baute die Aktiengesellschaft ein Geschäftsmodell auf, das die deutsche Gesetzgebung weitgehend ins Leere laufen lässt. Ein Indiz für die Tragfähigkeit des Modells sind die in den vergangenden Monaten gestiegen Aktienkurse.

Das Angebot ist eine Wette auf den Ausgang deutscher Lotterien und keine Lotterie an sich. Recht unverhohlen richtet sie sich an das deutsche Puplikum. Doch wird in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen darauf hingewiesen, dass nicht von deutschen Boden aus gespielt werden darf.

Aussenstehende Fragen sich zurecht, wer das wie kontrollieren soll. Ein Experter vom Deutschen Lottoblock mein zurecht „Es gibt kein Vollzugsdefizit“. Mit anderen Worten schert sich niemand darum, das deutschem Puplikum das illegale Internet Glücksspiel von Lotto bis zum Pokerturnier im überfluss angeboten wird und auch noch tausende dabei mitmachen. Voller Frust sagen Glücksspielaufseher „Jeder kann spielen, so oft er will“.

Aufsichtsbehörden stehen kurz vo der Resignation. Im Ausland ansässige Anbieter öffnen natürlich keine Ihrer Kundenkarteien und so ist eine Strafverfolgung schlicht unmöglich.

„Die Staatsanwaltschaften haben nicht einmal einen vernünftigen Ermittlungsansatz“, so Margret von Schmeling, zuständig für das Internet Glücksspiel bei der Bezirksregierung Düsseldorf für das Land Nordrhein-Westfalen.

Allerdings muss Tipp24, die unter britische Glücksspielaufsicht stehen, die Kasse aufmachen. Die Auszahlung des Millionengewinns treibt den Buchhaltern durchaus die Sorgenfalten auf die Stirn, denn schon kurz nach der freudigen Pressemitteilung über den Großgewinn kam eine Gewinnwarnung an die Aktionäre. Um zwei Millionen Euro werde das Ergebnis vor Steuern und Zinsen diesem Jahr einbrechen. Das dürfte der Anteil der nicht von der Versicherung abgedeckten 31,7 Millionen Euro sein.