Dieses Ereignis könnte ein großer Schritt in Richtung neuer Glücksspielvertrag gewesen sein. Rund 80 Vertreter von Landesparlamenten, von Anbietern aus dem Lotto- und Wettenbereich, von Sportverbänden, aus Wissenschaft, Medien und Werbewirtschaft fanden sich zu einer Anhörungen in Bezug auf den Entwurf aus dem Bundesland Schleswig Holstein für einen neuen Glücksspielvertrag zusammen.

Dieser hatte im ganzen Land für Debatten gesorgt. Die Oberen der Regierungsfraktion in Kiel gaben sich zuversichtlich, dass nun im Ganzen die ernsthafte Beschäftigung mit ihrer Idee anfangen könne, so der Fraktionschef der CDU und sein Amtskollege von der FDP.

Die Hauptthemen ihres Vorschlags sind die Fortführung des Monopols auf Lotterien und die Chancen der Bewerbung, die Abschaffung des Verbots im Internet und die Genehmigung von Privatsportwetten sowie Poker- und Casinomöglichkeiten im Netz.

Dies ist ein sogenanntes duales System nach dem Beispiel anderer Staaten in Europa, dabei wird das Monopol in Bezug auf das Lottoangebot mit dem relativ großen Fälschungsrisiko begründet.

Die Umsätze der Lottoanbieter gehen zurück, dies zeigt eine aktuelle Studie von Deloitte, einer Wirtschaftsberatung. Sie geht von bis zu 19 Prozent Verlust zwischen den Jahren 2005 und 2008 und von wegfallenden Mitteln zur Finanzierung des Breitensports aus, diese Tatsachen hatten bereits in den vergangenen Monaten immer wieder Kritiker alarmiert.

Der aktuellen Richterspruch des Europäischen Gerichtshofs, nach dem der Glücksspielvertrag in Deutschland dem EU-Recht zuwiderläuft, gab der Anhörung im Landeshaus in Kiel noch mehr Brisanz und Wichtigkeit.

Mit dieser Veranstaltung und dem existierenden Entwurf habe das Bundesland Schleswig-Holstein eine neue Richtung vorgegeben, so der liberale Fraktionschef im Nachbarland Niedersachsen.

Wenn man die Fragen in Bezug auf Detail und praktischer Umsetzung und verschiedener Beurteilungen, was die Besteuerung angeht außen vorlässt, dann befinden die Experten den Entwurf als sehr praxistauglich und voraussehend.

Die zukünftige Regelung müsse, so der Bwin-Direktor auf sämtliche Vertriebskanäle Rücksicht nehmen und auch die momentan nicht regulierten und mit Steuern belegten Bereiche wie beispielsweise Sportwetten und Online Poker berücksichtigen.

Eine Weiterführung der momentan gültigen Regelung gefährdet laut dem Bochumer Lottounternehmer und Präsidenten des Deutschen Lottoverbandes, Herrn Faber unzählige Stellen und viele Unternehmen.

Auch die Repräsentanten der Klassenlotterien sahen den Gesetzesentwurf, der sich das Modell Dänemarks zum Vorbild nimmt als richtigen Schritt. Die steife Position des Deutschen Lotto- und Totoblocks bewerteten sie als gefährlich und altmodisch.

Der 8. September sei ein schöner Tag gewesen, so der Geschäftsführer für Deutschland und Zentraleuropa bei der Wettbörse im Netz, Betfair zum Richterspruch aus Luxemburg. Wie die meisten Fachleute der Branche auch, sieht er die Suchtgefährdung, mit der das staatliche Monopol auf Lotto gerechtfertigt wird, als Ammenmärchen an. Außerdem kann man Angebote im Internet, von denen Millionen Gebrauch machen, nicht verbannen.

Deswegen ist es geraten, sie, wie es der Entwurf aus Kiel plant, zuzulassen, damit Regulierungsmöglichkeiten entstehen und Einnahmen aus Steuern geschaffen werden können. Schließlich stellen die Angebote im Internet einen großen Teil der Wertschöpfung der ganzen Industrie dar, und die Tendenz gehe klar nach oben.

Der Senior Consultant des Beratungsunternehmens Goldmedia hatte dazu genaue Zahlen vorzuweisen, welche das Unternehmen zum Zweck einer Studie zusammengetragen hatte. Ohne den Vertrieb im Internet ist der Glücksspielmarkt heutzutage nicht mehr modern.

Außerdem haben die momentanen Regelungen den Effekt, dass neben dem kontrollierten und legalen Markt der unrechtmäßige Markt größer werde. Dies ist ein Bereich, welcher von Privatanbietern besonders mit Zulassungen außerhalb Deutschlands unterhalten werde.

Dieser stelle 25 Prozent, sprich 1,5 Milliarden Euro, der Bruttospielerträge. Mit dem Schwarzmarkt, der sich in Bezug auf die Sportwetten entwickelt, liegt dieser Betrag bei 1,7 Milliarden Euro. Diese Anteile des Marktes könnten wieder in die Bundesrepublik geholt werden, so die Prognose des Senior Consultant. Auch Herr Stiel von der deutschen Version von PokerStars bewertet den Entwurf als äußerst pragmatisch.

Er betonte die Notwendigkeit einer regulierten öffnung des Marktes und wies auf das große Potential von Online Poker hin, welches die Fachleute ungefähr als so groß wie den Sportwettenmarkt beurteilen und somit knapp bei 8 Milliarden Euro ansetzen. Die Anziehungskraft des Online Pokers und der vielversprechenden Entwicklung begründete er mit dem erfolgreichen Angebot seines Unternehmens.

Erst vor kurzem spielte man hier die 50milliardste Poker Hand aus. Befürchtungen, dass die Anbieter auch nach einer Lockerung von außerhalb Deutschlands arbeiten würden, fegte er entschieden zur Seite. Sämtliche große Anbieter haben sich auch in anderen Staaten Europas wie beispielsweise Frankreich mit Erfolg um eine Zulassung beworben und entrichten entsprechende Steuern, was auch für die Bundesrepublik gelten würde.

Besonders der Blick ins Ausland Europas zeigt für den Rechtsanwalts Dr. Hambach aus München, dass heutzutage auf dem Glücksspielmarkt andere Standard üblich sind, wie sie bisher in der Bundsrepublik angewendet wurden. Die Länder Großbritannien und Italien zeigen, dass gesetzmäßige Märkte besser zu regulieren sind.

Im Großbritannien gibt es schon sei einigen Jahren einen liberalisierten und kontrollierten Markt, welcher die Anforderungen der Spielsuchtvorbeugung und dem Jugendschutz sowie der Prävention von Betrug erfüllt, so der Gaming Law Fachmann. Die Idee eines dualen Systems mit starker Ausrichtung am Beispiel Dänemarks gebe die Möglichkeit aus Misserfolgen und Erfolgerlebnissen der Nachbarn in Europa etwas mitzunehmen.

Der Verband Privater Rundfunk- und Telemedien e.V. betrachtet den Entwurf aus Kiel als etwas, wovon der Staat, die privaten Medienunternehmen sowie die Werbepartner und die Wettanbieter etwas haben.

Ein duales System wäre nach Aussage von Dr. Kirschenhofer perfekt, um dem Beiseiteschieben der Gewinne in dem Grau- und Schwarzmärkte den Garaus zu machen. Zudem kräftige es noch die Wettbewerbsfähigkeit der Medienunternehmen auf dem Markt Europas.