Das Glücksspielmonopol, welches vom Europäischen Gerichtshof in die Wüste geschickt wurde, ist für die Staatliche Lotterieverwaltung ein Schlag ins Gesicht. Auch private Anbieter von Wetten müssen sich nun anpassen.

Eigentlich war der Chef der bayrischen Lotterieverwaltung fest davon überzeugt, dass der Europäische Gerichtshof das Monopol eher bestätigen als ablehnen würde. Vor kurzem spekulierte er noch über mögliche Geschäftsfelder für die Lotterieverwaltung. Die Erlaubnis eines streng überwachten Angebots im Netz ist eine Sache, die er gerne weiter verfolgen würde.

Doch das liegt nun erst einmal auf Eis. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion der Grünen wirft dem Chef gravierende Versäumnisse vor. Er und seine Kollegen von anderen Bundsländern hätten sich diesen Richterspruch selbst zuzuschreiben. Bereits seit Jahren übt der Sprecher Kritik an der vermeintlichen Scheinheiligkeit der Regelung in Bayern.

Die hiesige Lotterieverwaltung habe alles daran gesetzt, um möglichst viele Leute dazu zu bewegen, soviel Geld wie möglich ins Glücksspiel zu investieren. Sie verfüge über zu viele Annahmestelle, sprich fast 4.000 und mache eine zu starke Werbung. Die Entscheidung, die in zahlreichen Einzelurteilen konzentriert war, kam für die Lotteriezentrale sehr überraschend, man strebt nun erst einmal eine neue Positionierung an.

Zwei gegensätzliche Wege kann man beschreiten. Die Bundesländer müssen entweder den zum Jahresende außer Kraft tretenden Glücksspielvertrag schnellstens neu strukturieren und die Vorgaben auf dem bundesdeutschen Glücksspielmarkt verschärfen.

Wenn sie dies tun, dann müssten sie beispielsweise auch die vom Europäischen Gerichtshof erwähnten Casinospiele sowie die Automaten in den Spielhallen mehr bekämpfen. Dies kann beispielsweise durch verstärkte Kontrollen, eine Abgabe oder ein prinzipielles Werbeverbot geschehen.

Ein erster Kommentar von der Bayrischen Staatskanzlei, die sich eher zurückhaltend gab, hatte diese Tendenz. Der Gerichtshof bewerte das Glücksspielmonopol immer noch als rechtmäßig, wenn es die Spielsucht effektiv bekämpfe, so ein Sprecher. Dieser Vorgabe müsste aber in geordneter und klarer Weise nachgekommen werden.

Der Nachteil dieser Lösung sei aber, dass dem Staat Steuergewinne entgehen würden. Die andere Alternative stellt eine Lockerung des Glücksspielmarktes dar, darauf hoffen die Hersteller von Automaten und auch Sportverbände. Der Präsident des DFB warnt schon lange vor einer Kriminalisierung von Vereinen in der Amateurliga.

Diese wollten mit dem Schriftzug von Bwin, das seinen Sitz in Gibraltar hat, auf das Feld, ihnen wurde es nicht gestattet. Der Kaiser Beckenbauer gab den Hinweis auf mehr Einnahmen aus Werbung.

Erst neulich kam der Topverein Real Madrid in die Bredouille, der in München nicht im vom bwin gesponserten Trikot auf den Platz durfte, was die Vereinsbosse wie zum Beispiel Rummenigge als einen Fauxpas gegen die bayrischen Gastfreundschaft werteten.

Die FDP machte vor kurzem Reklame für einen neuen Glücksspielvertrag, der kommerzielle Anbieter erlaubt, aber zu Suchtvorbeugung und Schutz der Spieler zwingend sei.

Die Grünen warben in ähnlicher Weise für ein reguliertes Nebeneinander von Privatanbietern und öffentlichen Anbietern. Die staatliche Lotterieverwaltung müsse ihr Angebot reduzieren, so der Sprecher. Lotto sei nicht das eigentliche Problem, denn die Suchtgefahr sei hier nicht besonders hoch.

Andere Produkte würden jedoch zu einem schnellen Geldeinsatz verführen, auch ein Astrolos und Auto- und Traumjoker gehören zum Produktangebot von Lotto Bayern. Dies sei mit dem staatlichen Ziel einer Beschränkung der Spielsucht nicht zu vereinbaren, so der Sprecher.