In Rußland ist das Glücksspielgeschäft seit Juli nur noch in wenigen Regionen erlaubt. Rußische Kunden sollen von einem Spielparadies in Montenegro angelockt werden.

Tausende Touristen drängeln sich während der Sommermonate durch die engen Gassen auf der kleinen Landzunge an der Adria. Die von dicken Festungsmauern umgebene, steinerne Häuser, die Zitadelle aus dem 15. Jahrhundert und die vielen kleinen Boutiquen und Restaurants sind der Anziehungspunkt von vielen tausenden Touristen. Doch das soll sich bald ändern, denn es sollen Spielkasinos errichtet werden die Zocker aus der ganzen Welt anlocken sollen und die alten Steinmauern in den Schatten stellen sollen.

Da die Touristen im Winter ausbleiben, langweilen sich auch viele Einheimische zu dieser Jahreszeite. Ein Spielkasino würde da natürlich für Abwechslung sorgen, doch nicht alle sind davon begeistert. Die Entwicklung des Kasino-Tourismus bringt Riskien mit sich, denn Einheimische könnten im Winter zu viel Zeit im Spielkasino verbringen. Auch der Hotel Direktor eines 4 Sterne Haus in einer kleinen Bucht neben Buvda, Dragan Ivancevic, erkennt die Gefahren für Einheimische.

„Wir glauben nicht, dass es gut wäre, vermehrt Objekte zu eröffnen, die ausschließlich Kasinos sind. Weil sich zu denen auch die einheimische Bevölkerung hingezogen fühlen könnte. Die Menschen hier könnten spielsüchtig werden! “ Er selbst ist vor kurzem in das Geschäft mit einarmigen Banditen und Roulette Tischen eingestiegen.

Ivancevic war früher Besitzer eines 500 Betten Hotels im ehemaligen Fischerort Becicie. Im August wurde das Haus zu 75 Prozent an die für Einkaufszentren und Kasinos bekannte Moskauer Korston Gruppe abgegeben. Die habe bereits für Oktober die ersten Charter-Flüge organisiert, erklärt Direktor Ivancevic. Mehr als 6000 Touristen zeigten Interesse an einem Hotelaufenthalt mit Glücksspielen. In Rußland besteht dafür hohes Potenzial so Ivancevic.

Mit dem Ende der Uralusbzeit bauen viele Hotels in Montenegro ihre Räume zu Spielhallen um. Die Lizenzen für den Spielbetrieb erteilt die Regierung in Podgorica. Im nächsten Jahr werden bis zu einem Dutzend neuer Lizenzen für Spielstätten erwartet. Bisher gibt es in Montenegro nur ein richtiges Spielpradies, das Hotel Maestral. Verkaufsleiterin Marija Martinovic verteidigt das Spielen als eine Art der Unterhaltung. „Manche Menschen haben ihren Spaß in der Disco, trinken etwas, manche gehen gerne Einkaufen, manche mieten eine Yacht. Und es gibt eben die Menschen, die gerne Glücksspiele spielen.“

Maestral spezialisiert sich auf die Gäste aus dem italienischen Süden und gehört einer slowenischen Kette an. Vorallem junge Familien mit spielfreudigen Männern würden anreisen. Die Frauen gönnen sich ein paar Tage Wellness und Shopping, wärend die Männer ein bisschen zocken, behauptet die Montenegrinerin.

Westliche Beobachter warnen, Prostitution, Drogenmißbrauch und Geldwäsche würden mit einem maßenhaften Ausbau des Kasinogeschäfts Hand in Hand gehen. Marija Martinovic versucht, den Ruf der Glücksspielindustrie zu retten: „Das Kasinobusiness und die Kasinohotels haben ja auch Monte Carlo kein schlechtes Image eingebracht“. Schließlich sei die Stadt an der Cote d’Azur auch als hochklassiger Urlaubsort bekannt.