Es stellt sich die Frage ob die Privatisierung der Casinos in Sachsen-Anhalt nicht von Erfolg gekrönt wurde. Die Diskussion kam vor kurzem auf, weil der neue Besitzer der Spielbanken, die Sybil Group, zwei Pachtraten im Hinblick auf den vorgesehenen Vergnügungspark in der Stadt Vockerode nicht beglichen hatte.

Das Unternehmen beruhigte das Land, dass es keine finanziellen Sorgen gebe und gab den Hinweis auf wachsende Gewinne. Die Sybil Group aus Israel und Zypern, die ihre deutsche Filiale in Berlin hat, hatte im März nach vielen Verspätungen die bis dato hauseigenen Casinos mit Standort in Magdeburg, Halle und Wernigerode für rund eine Million Euro erworben.

Besonders reizvoll war die damit verknüpfte Zulassung für eine Spielbank, mit deren Hilfe das Unternehmen noch mehr und lukrativere Casinos aufmachen will. Die Sybil Group veröffentliche Vorhaben, nach denen auf dem alten Kraftwerksgrundstück in Vockerode ein Freizeitpark im Wert von satten 300 Millionen gebaut werden soll.

Das verantwortliche Landratsamt in Wittenberg gab erst eine Pacht, bevor das Grundstück verkauft werden konnte. Die Pachtsumme beträgt 10.000 Euro, die in zwei Raten zu begleichen sind, doch bisher wurde nichts beim Land bezahlt und auch Mahnungen hatten nicht den gewünschten Effekt.

Nun hat man eine Vollstreckung veranlasst. Der Sprecher des Landratsamts sagte, dass man zu Beginn noch ein Gespräch haben wollte, doch in der Zwischenzeit habe man eingesehen, dass dies keinen Sinn ergebe.

In Wittenberg staunt man darüber, wie ein Investor in der Champions League mitmachen will aber nicht mal die Leistungen für die Kreisklasse vorweist. Der Sprecher von Sybil erklärte, dass dies keine finanziellen Hintergründe habe, es seien noch nicht alle Dinge geregelt, die mit der Investition in Verbindung stünden.

In Kürze werde zu diesem Thema ein Gespräch mit dem Innenministerium stattfinden. In der Regierung steigt die Angst, dass die Privatisierung der Spielstätten nicht zu gelingen droht. Der Finanzminister von Sachsen-Anhalt denkt für diesen Fall über eine befristete Casino-Leitung durch das Land nach.

Der Sprecher des Unternehmens sieht hier keinen Handlungsbedarf. Die Gewinne seien um 30 Prozent und die Besucherziffern um ein Viertel gewachsen. Auch der Chef der Spielbank in Madgeburg gab sich gelassen. Die Zahl der Angestellten sei in sämtlichen Casinos von 80 auf 102 geklettert, man zahle die Gehälter und der Verlust konnte um ein Drittel reduziert werden.

Im vergangenen Jahr lag der Verlust bei anderthalb Millionen Euro. Dass man die roten Zahlen nicht so schnell hinter sich lassen könnte, sei offensichtlich gewesen, weil Sachsen-Anhalt ein völlig altmodisches Unternehmen in technischer Hinsicht veräußert habe.

Die Spielbankaufsicht des Innenministeriums, welche auch die Zahlungsfähigkeit der Casinos kontrolliert meldet, dass es momentan keinen Grund zu handeln gebe. Aber die Aufsicht sieht dies nur für einen kurzen Zeitraum, sie hat die Farben Grün für "alles in Ordnung" oder Rot für "Stopp". Die Farbe Gelb gibt es hier nicht.