Herr Ertle hat sein individuelles Pokerspiel geschaffen. Bei dem Spiel "Draw Holdem" ist es möglich, die Karten häufiger zu tauschen, was ein höheres Preisgeld und mehr Spannung zur Folge hat.

Doch dies in den Casinos an den Mann zu bringen dürfte nicht so leicht sein. Er war zuerst Verkäufer für Tierzubehör, dann entwarf er russische Reklame für Handyklingeltöne und jetzt hat er ein neues Pokerspiel geschaffen.

Der 29 Jahre alte Mann mit BWL-Diplom hat sich die Frage gestellt, wer beim Pokern am meisten Geld mit nach Hause nehme und ist zu dem Schluss gekommen, dass es die Casinos und die Entwickler sind. Herr Ertle hat rund ein halbes Jahr experimentiert, bis sein Spiel da war.

Es ist eine Kombination aus Draw Poker und Texas Hold em. Der Betriebswirt spielt seit rund 5 Jahren Poker doch an den herkömmlichen Versionen stieß er sich. Man musste hier lange auf brauchbare Karten warten und die schlechten Karten sind eindeutig in der überzahl.

In seiner Variante spielt man mit zwei Karten Poker und diese kann man, wenn man eine Gebühr bezahlt alle zwei, drei Runden austauschen, wobei die Gebühr gleich des Potbetrags ist. Die Konsequenz ist hier, dass dieser infolge des Tauschs ziemlich rasch in die Höhe schnellt und man häufiger spielt.

Zudem haben die Spieler hier mehr Gelegenheiten, den Verlauf des Spiels zu beeinflussen. Der Kneipenbesitzer Schmitz nutzt dieses Spiel schon seit einem Vierteljahr und findet es besser und rentabler als das normale Texas Hold em. Nach seiner Meinung müsse man nicht mehr so lange auf die Rückgewinnung seines Geldes hoffen, zudem habe "Draw Hold em" einen größeren Spannungseffekt.

Das alles ist sehr gut, doch Herr Ertle möchte sein Spiel auch in den Casinos etablieren und dies sei die Crux. Er sagt, dass die aktuellen Angebote der Casinos viel Anklang fänden, da stelle sich schon die Frage, warum man etwas ganz Neues anbieten solle. Seine Erfindung habe zwar schon Fans, aber sei nun mal nicht für jeden etwas.

Der Vize-Geschäftsführer der Spielbank in Saarbrücken hat sich diese Erfindung mit Fachleuten einmal näher betrachtet und kam zu dem Schluss, dass es eine interessante Version sei, doch der Geschäftsmann findet, dass der Pot sehr schnell sehr hoch werde und somit auch das Geld der Spieler schnell flöten gehe.

Das Spiel sei für die Kundschaft der Spielbank nicht passend, befand der Geschäftsführer. In der Spielbank in Neunkirchen möchte man Ertles Erfindung aber ausprobieren und man wollte laut dem Zuständigen für die Pokeraufsicht den Spieler die Entscheidung überlassen, ob das Spiel Anklang findet oder nicht.

Wann dies getestet wird, ist noch nicht klar. Ertle, der als Projektmanager bei einer Eventagentur arbeitet, hat bereits Verhandlungen mit österreichischen und schweizerischen Casinos begonnen. Er möchte seine Erfindung vorerst fest in einer Spielbank unterbringen. Wenn dies Geld bringe sei es gut, und wenn nicht, dann auch, so Herr Ertle.