Eine der spannendsten Sequenzen findet an einem Spieltisch für Poker statt. Ungezählte Millionen befinden sich auf dem Tisch, mit denen der Bösewicht des Films die Welt regieren kann. Dies funktioniert aber nicht, da James Bond einen atemberaubenden Zug macht und das wichtige Spiel für sich entscheidet.

Sein "Straight Flush" siegt über das "Full House" des Schurken. Bond gewinnt das Geld und hat auf kurze Sicht die Welt gerettet. Der Film lief vor sechs Jahren in den Kinos an; zu dieser Zeit erlebte das Pokerspiel einen rasanten Aufschwung. Man hielt es für unwahrscheinlich, dass nicht viele Spieler in einem Wettkampf so große Beträge gewinnen wollten. Doch Realität und Erfindung liegen nah beieinander, dies wird in Vegas klar; im "Rio All Suite Hotel", um genau zu sein.

Dies ist das Heiligtum der Pokerer; dieses fungiert in Kürze nun als Bond-Film. Zur Mittagszeit treten 48 Spieler für drei Tage beim kostspieligsten Pokerturnier überhaupt in Erscheinung. Die Spielversion ist das "No Limit Holdem", dies ist die populärste Pokerversion, die mit zwei Karten je Spieler und fünf gemeinschaftlichen Karten gespielt wird. Bei dem Turnier "Dollar 1 Million WSOP Big One for One Drop? können nur Personen mitmachen, welche eine Million Dollar Teilnahmegebühr bezahlen. Dies ist alles andere als harmlos, denn etwa 80 Prozent der Spieler bekommen gar nichts.

Das Geld, das man investiert hat, erhält man erst beim 9. Rang wieder, ab Rang 5 bekommt man fast das Doppelte. Der 3. Platz bekommt etwa 4 Millionen und 2. Rang staubt mehr als neun Millionen ab. Der Sieger bekommt mehr als 18 Millionen Dollar; dies ist der größte Betrag, der bisher bei einem Pokerwettkampf zu holen war. Diese Beträge bringen auch von Erfolg gekrönte Spieler, wie den amtierenden Pokerweltmeister Heinz, in Schwitzen. Er nahm im letzten Jahr rund neun Millionen Dollar mit nach Hause. Die Teilnahmegebühr belief sich 2011 auf 10.000 Dollar.

Er nimmt an diesem Turnier nicht teil, denn er ist der Meinung, dass eine Million sehr viel Geld ist. Kein Geldgeber mit Verstand würde über 10 Prozent seiner Finanzmittel hergeben, denn die Wahrscheinlichkeit, alles zu verlieren, liegt bei 80 Prozent. Heinz beurteilt diesen Wettkampf als leichter zu handhaben als das Endspiel bei der WM. Beim aktuellen Turnier gilt es, 48 Mitspieler hinter sich zu lassen, beim Endspiel der WM sind es mehr als 6.000. Beim erstgenannten Event sind nur zwei Arten von Spielern dabei.

Zum Einen sind dies überwiegend ältere und sehr wohlhabende Geschäftsleute, welche ihr Vermögen an der Börse oder mithilfe von gigantischen Unternehmen angehäuft haben. Sie entrichten die Teilnahmegebühr aus der Portokasse und wollten hier eine einzigartige Pokererfahrung machen. Zum Anderen findet man jüngere professionelle Pokerspieler, die in vielen Turnieren im Live- und im Netzformat Erfahrungen gesammelt haben. Für sie ist die Teilnahmegebühr eine Kapitalinvestition, denn keiner von ihnen legt die Million allein auf den Tisch.

Sie veräußern Anteile der potentiellen Gewinnsumme und senken die Gefahren. Der jüngste Aspirant ist ein finnischer, 22 Jahre alter Pokerspieler und der älteste Teilnehmer ist Inhaber des "Treasure Island Hotel & Casino" in Vegas, er zählt 76 Lenze und verfügt über etwa 2,5 Milliarden Dollar. Hier spielen keine Frauen mit. Der leitende Redakteur von "Poker Blatt" erklärt, dass sich professionelle Spieler einen deutlichen Vorteil hinsichtlich der nicht so starken Spieler ausrechnen. Der Redakteur nahm bei einem Wettkampf in Vegas persönlich einige 100.000 Dollar mit nach Hause.

Er sagt, dass es die Einsätze, die nicht rasch nach oben gehen, den Spieler gestatten, ihr Können gut zu nutzen. Bei den professionellen Spielern kommen auch zwei aus dem deutschsprachigen Raum; der Redakteur erklärt, dass sie noch besser sind als der amtierende Pokerweltmeister; denn sie haben mehr Erfahrungen in Turnieren sammeln können. Nicht nur er teilt diese Ansicht, sondern auch die spendablen Sponsoren, die die beiden Spieler unterstützen.

Fest steht aber, dass ihre Chancen auf Erfolg viel höher sind, als die des Herrn, der das Turnier überhaupt möglich gemacht hat, nämlich Herr Lalibert?. Er ist 52 Jahre alt, kommt aus Kanada und wurde nicht durch Pokern reich, sondern durch den bekannten "Cirque du Soleil". Vor 28 Jahren rief er den Zirkus ins Leben und erweiterte ihn im Laufe der Jahre immer mehr. Inzwischen ist der Zirkus auf der ganzen Welt bekannt. Es wird geschätzt, dass er über 2,5 Milliarden Dollar Vermögen verfügt.

In den letzten Jahren trat er ab und an im Fernsehen in Erscheinung; hier spielte er mit den professionellen Pokerspielern und astronomische Spieleinsätze. Hier sollen ihm etwa 17 Millionen Dollar abhanden gekommen sein, doch das scheint ihm nicht viel auszumachen, da er Geld als etwas ansieht, das ausgegeben werden kann. Vor drei Jahren legte er rund 25 Millionen auf den Tisch, um als Weltraumtourist in einem russischen Raumschiff dabei zu sein.

Dabei stillte er nicht nur seinen Abenteuerhunger, sondern warb auch für seine Stiftung "One Drop Foundation". Diese hat den Zweck, den Menschen auf der Welt Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Sie profitiert am meisten von diesem Turnier, denn die Summe von 111.111 Dollar von jeder Teilnahmegebühr fließt direkt in die Stiftung. So kann er seinen Abenteuerhunger stillen und etwas zum Wohle der Menschheit tun. Fest steht, dass es Schlechteres gibt, um die Freizeit auszufüllen.

Seine wohlfahrtsorientierten Bestrebungen wurden von der Pokerbranche in den USA freudig begrüßt, da man nach einigen Jahren, in denen der Anstieg endlos schien, herbe Enttäuschungen verkraften musste. Ein besonderer Schlag ins Gesicht war der April des letzten Jahres. Das FBI legte die virtuellen Pokerseiten in den Vereinigten Staaten auf Eis. Im Gespräch waren Geldwäsche, unerlaubtes Glücksspiel und Betrug von Banken.

Die millionenschweren Konten des Betreibers "Full Tilt Poker" sind seit dieser Zeit nicht mehr zugänglich. Es ist noch unklar, ob diese überhaupt ausgezahlt werden können. In den Vereinigten Staaten ist die Transferierung von Geldern zu Internetseiten im Bereich des virtuellen Glücksspiels prinzipiell untersagt. Das macht es den professionellen Pokerspielen in den Staaten nicht gerade leichter und einige von ihnen kehrten den USA den Rücken.

Ein einstiger Pokerprofi von "Full Tilt" sagte vor Kurzem, dass die goldenen Zeiten vorbei sind. Die Poker-WM, die jedes Jahr in Vegas stattfindet, ist zwar immer noch der Gipfel der Pokerbranche, doch hinsichtlich der Einsätze haben die Gegner aus übersee die Nase nun vorn. Rund eine Viertelmillion muss man bei der "Aussie Millions" in der australischen Stadt Melbourne auf den Tisch legen.

Von Macao, der asiatische Form von Vegas heißt es, dass an einigen Spieltischen binnen einiger Minuten etliche 100.000 Dollar andere Besitzer bekommen. Die normalen Spieleinsätze bei der Weltmeisterschaft, die zwischen 1.000 und 10.000 Dollar liegen, sind hier Peanuts. Die Geschichte, dass ein unbekannter Pokerspieler zum Millionär wird, können viele Menschen nicht mehr hören.

Die Weltmeisterschaft bringt zwar Gewinner hervor, doch keine Persönlichkeiten mehr. Ein neuer Phil Hellmuth wäre hier sehr willkommen. In den letzten Dekaden war der heute 47jährige Mann nicht nur bei zahlreichen Wettkämpfen dabei, sondern er bezeichnete seine Gegenspieler auch unfein als "Esel" oder "schlechteste Spieler überhaupt."

Doch das hat sich altersbedingt gelegt. Die Stadt der Sünde hat nicht viel Raum für negative Gedanken über die Zukunft. Es ist von Bedeutung, dass es Glitzer gibt, auch wenn es wirtschaftlich schwierig ist. So Mancher wundert sich darüber, dass eine Handvoll Leute ohne Skrupel um ein paar Millionen spielen. Die Welt hat die Stadt wieder fest im Blick. Was will Vegas mehr?