Im Normalfall erhoffen die Spieler sich von einem erfolgreichen Pokerabend, dass sie mit einem bestimmten Einsatz ins Casino kommen, am Pokertisch Platz nehmen, ein paar gute Hände spielen und damit am Ender des Abends eine stolze Gewinnsumme abzuräumen. über diesen Gewinn können die Spieler dann normalerweise frei verfügen, da das Pokerspiel unter das Glücksspiel fällt und aus diesem Grund nicht versteuert werden muss.

Der erste Fall, bei dem dieses Prinzip nun geändert werden sollte, trat im Jahr 2009 auf. Der Pokerspieler Eduard Scharf wurde vom Finanzamt dazu aufgefordert, auf seine Gewinne, die bei einem Betrag in Millionenhöhe lagen, Steuern zu bezahlen. Das Finanzamt rechtfertigte diese Forderung damit, dass sie Scharf nachsagten, dass er für das Erzielen dieser Gewinne in jedem Fall Können benötigte. Der Fall ging vor Gericht, denn Scharf reichte Klage ein und noch in diesem Jahr wird in diesem Fall eine Entscheidung fallen.

Neben Scharf bekamen auch unzählige weitere Pokerspieler eine Aufforderung dieser Art von Seiten des Finanzamts. Der Fall von Scharf wird bereits als Musterfall behandelt, denn die Entscheidung in diesem Fall, könnte Auswirkungen auf den gesamten Staat bekommen. Sollte dem Finanzamt in diesem Fall nämlich Recht zugesprochen werden und müssten Scharf und die anderen Pokerspieler dann ihre Gewinne tatsächlich besteuern, so würde Poker nicht mehr unter das Glücksspiel fallen und würde damit gleichzeitig zu einem gewöhnlichen, versteuerbaren Gewerbe werden. Weitreichender gedacht könnten dann die Verluste außerdem in der Steuererklärung am Ende des Jahres geltend gemacht werden.

Mit diesem Fall und einigen weiteren Fällen wird automatisch die Frage erneut aufgeworfen, ob das Pokerspiel ein Glücksspiel ist oder unter die Geschicklichkeitsspiele fällt. Diese Frage wird schon seit jeher diskutiert. Anhand von Studien wurde bereits nachgewiesen, dass zum Pokern auch eine Strategie gehört und dieser Strategieanteil soll laut der Studien etwa 25 ? 40 Prozent betragen. Die Befürworter von dem Pokerspiel als Geschicklichkeitsspiel sagen, dass dieser hohe Anteil reicht, um das Spiel im Bereich des Geschicklichkeitsspiels einzuordnen. Andere geben jedoch an, dass dieser Anteil deutlich zu gering ist.

Während die Verfechter des Pokerspiels als Geschicklichkeitsspiel in ihren Statements deutlich machen, dass sie sich durchaus bewusst seien, dass Glück beim Poker nicht unwichtig ist, sagen diese gleichzeitig, dass Können beim Poker dennoch das A und O ist.

Suchtexperten warnen jedoch davor, das Pokerspiel als Geschicklichkeitsspiel anzuerkennen, da dieses dann unter das ganz normale Gewerbe fallen würde. Die Suchgefahr würde dadurch laut Experten stetig ansteigen, da Pokerspieler davon ausgehen würden das Pokerspiel zum Beruf machen zu können. Hierbei können sich aber gerade Anfänger ganz leicht verzocken.

Im Falle der derzeitigen Klagewelle geht es den Spielern jedoch nicht darum, ob Poker Glücksspiel oder Geschicklichkeitsspiel ist, sondern vielmehr um Gerechtigkeit. Den Spielern geht es in erster Linie um die Rechtssicherheit, denn es herrschen Richtlinien, die nicht nach dem Bemessen des Finanzamtes nach Bedarf umgeschmissen werden sollten, so die Spieler. In Deutschland sollten einheitliche Regelungen gelten, bei denen die Forderungen des Finanzamts keinen Sinn machen, solange der Staat das Pokerspiel behindert und kriminalisiert.