Natalie, seit wann spielst Du Poker und wie kamst Du dazu?

2006 kam ich in Kontakt mit dem Poker-Spiel. Und zwar durch meinen besten Freund, der schon einige Zeit gespielt hat und mit uns eines Abends spaßeshalber um Salzstangen Poker gespielt hat. Es diente uns mehr als Gesellschaftsspiel und Zeitvertrieb. Allerdings war mein Interesse dadurch mehr als geweckt. Ich genoss die mentale Auseinandersetzung mit meinem Gegenüber und hatte das Bedürfnis mich mehr mit dem komplexen Spiel zu beschäftigen.

Mein Kumpel nahm mich dann an meinem Geburtstag mit ins Casino Bad Zwischenahn und spendierte mir das Buy-in eines kleinen Turniers, bei dem ich auf Rang 3 landete. Ich fühlte mich großartig, obwohl ich eigentlich noch keinen blassen Schimmer von Strategie und so gut wie kein Spielverständnis hatte. Allerdings war ich von dem Zeitpunkt Feuer und Flamme und wollte mich verbessern und das Spiel ernst nehmen.

Poker ist eine Männerdomäne. Als Frau wird man erstmal nicht ernst genommen und es erfordert Mut sich bei einem Pokerspiel zu behaupten. Wie schwer war es für Dich, Dich als Frau zu behaupten? Musstest Du den ein oder anderen Spruch über Dich ergehen lassen?

Da ich schon immer mehr auf männliche Aktivitäten wie Billard und Skateboard fahren stand und viele männliche Freunde hatte, fällt es mir logischerweise gar nicht schwer mich in einer Männerdomäne aufzuhalten und mich dort zu behaupten. Ich finde auch das Poker keine Geschlechter-Unterschiede kennen sollte. Schließlich ist es ein Mind-Game und erfordert kein körperliches Kräfte messen, wo Frauen halt anatomisch unterlegen wären. Und wenn mal ein blöder Spruch kommt, dann geht das hier rein und da wieder raus. Und das passiert so gut wie nie, jedenfalls nicht bei so renommierten Poker Events wie z.B. der European Poker Tour.

Du bist nicht nur erfolgreich am Pokertisch sondern siehst zudem auch noch sehr gut aus, was manchem Mann am Pokertisch sicher den Kopf verdreht. Hat es einen gewissen Reiz für Dich gerade Deinen männlichen Mitspielern das Geld aus der Tasche zu ziehen?

Danke für das nette Kompliment. Aber Nein, ich setze meine Weiblichkeit nicht bewusst ein um Profit daraus zu schlagen.

Was ist Poker für Dich? Glücksspiel, Strategiespiel, Sport oder lediglich ein Hobby?

Ein Strategiespiel und eines meiner Hobbies.

Wie würdest du das Pokerspiel erklären?

Man braucht fünf Minuten um es zu lernen, aber ein Leben lang, um es zu beherrschen.

Du hast sehr erfolgreich Pädagogik und Theologie studiert, denkst Du, dass Dein Pädagogik-Studium einen positiven Einfluss auf Dein Pokerspiel hat, gerade im Bezug auf das Pokerface Deiner Mitspieler? Denkst Du, Du erkennst leichter, wenn ein Pokerspieler blufft?

Ich denke schon, dass eine gute Menschenkenntnis von Vorteil beim Pokern ist. Allerdings muss man dafür nicht Pädagogik und Theologie studiert haben.

Was war Dein bisher größter Pokergewinn und was hast Du damit gemacht?

Mein größter Gewinn war beim EPT Berlin Main Event, bei dem ich damals den 39. Platz für knapp 19.000 Euro gemacht habe. Gekauft habe ich mir davon nichts besonders außer Bücher und Sneakers, so weit ich mich erinnern kann.

Wie stehst Du zur Emanzipation und der Geschlechtertrennung am Pokertisch?

Wie schon gesagt. Diese Frage dürfte eigentlich gar nicht im Raum stehen. Ich glaube der Pokersport ist einfach nicht so attraktiv für Frauen, weil es keinen Gruppenwettkampf gibt, der von Frauen bevorzugt wird und man stundenlang auf dem Allerwertesten sitzt.

Mit welchem Geschlecht sitzt Du lieber am Pokertisch? Fällt es Dir leichter bei Frauen oder bei Männern zu bluffen?

Ich mag die Abwechslung. Von daher gemischte Tische. Ich spiele sehr gerne Ladies Events. Die Gespräche sind dort einfach vielseitiger.

Du moderierst seit 2013 die TV Total PokerStars.de Nacht. Mit welchen Promi(s) würdest Du gerne ein Mal am Pokertisch sitzen?

Ja, ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich das wirklich mache. Hmm, am liebsten würde ich gern mal gegen Raab spielen.

Du bist mit Pius Heinz liiert, der 2011 die WSOP gewonnen hat. Lässt er in Eurer Beziehung auch gerne mal den Poker Coach raushängen? Welche Rolle spielt Poker in Eurem Beziehungsaltag?

Keine. Und das ist auch gut so.

Wie stehen Deine Eltern zu Deiner Karriere als Pokerspielerin?

Naja. Ich bin ja nicht hauptberuflich Pokerspielerin. Ich verdiene mein Geld durchs Moderieren, habe ein abgeschlossenes Studium und will jetzt ab Oktober meinen Master machen. Ich finde man sollte schon Alternativpläne haben. Die Welt hat so viel zu bieten, warum nur auf eine Sache beschränken?

Meine Mama und auch mein Papa sind sehr stolz auf mich und gucken sich alles von mir an, selbst wenn ich nur Sekunden zu sehen bin. Sie standen schon immer hinter allem, was ich mache und dafür bin ich sehr dankbar. Man sollte immer das machen, was einen gerade glücklich macht.

Was macht ein perfektes Pokerspiel für Dich aus?

Ich glaube perfekt gibt es nicht. Wir sind keine Maschinen und machen Fehler. Deswegen gibt es ja auch Gewinner und Verlierer. Perfekt wäre es jede Hand profitabel und mathematisch richtig zu spielen.

Bevorzugst Du Online Poker oder spielst Du lieber live an den Tischen?

Poker kann ein sehr soziales und kommunikatives Spiel sein. Und ich liebe einfach die direkte Auseinandersetzung mit den Gedanken meines Gegners. Von daher definitiv LIVE. Aber wenn ich mal keine Lust habe meinen Jogger gegen eine Jeans einzutauschen, auch gerne online.

Welche Ziele hast Du in der Zukunft?

Nicht stehen zu bleiben. Ich mag gern Abwechslung und ich probiere mich gerne aus. Ich habe kein bestimmtes Ziel im Leben, das ich unbedingt erreichen muss, sonst bin ich totunglücklich oder so. Aber ich habe eine gewisse Vorstellung meiner Zukunft und die beinhaltet ganz klassisch Haus, Mann, Kind und Hund.

Poker hat auch heute leider immer noch an vielen Ecken einen schweren Stand, weil es immer wieder mit Glücksspiel assoziiert wird. Denkst Du das Poker unterschätzt wird und wie hoch ist für Dich der Glücksfaktor bei einem Pokerspiel?

Poker hat einen Glücksfaktor, das lässt sich gar nicht abstreiten. Aber es ist und bleibt ein komplexes Strategiespiel. Auf Dauer wird immer der bessere Spieler gewinnen. Wie kann es dann ein Glücksspiel sein?

Welche Strategie hast Du?

Es gibt nicht die perfekte Strategie. Jede Situation ist aufgrund von Stack Sizes, Gegnern und Turnierphase anders. Es gibt mittlerweile so viele Foren und Literatur, die einem helfen stetig an seinem Spiel zu arbeiten, so dass man nie auslernt.

Welchen Tipp hast Du für weibliche Pokerspieler?

Für Neulinge: Traut euch und probiert es aus. Vielleicht gefällt es euch ja. Für Frauen, die schon spielen: Arbeitet stetig an eurem Game und vernetzt euch mit vielen Pokerspielern.

Was ist Dein Lebensmotto?

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe auf über . . . nächstes Jahr.

Interview geführt von Franziska Steiner

(Bildquelle:facebook.com/NatalieHof)