Nachdem in Rußland jeder vierzehnte Ruße der Spielsucht verfallen ist, beschloß das rußiche Parlament 2005 Spielhöllen und Automaten in vier Randzonen zu verbannen. Wladimir Putin, damals noch Präsident, war fest davon überzeugt die Spielsucht, die mittlerweile gleich viel Schaden anrichte wie Alkohol und Drogen, so zu reduzieren.

Er zeigte, daß es ihm mit diesem Gesetz sehr ernst ist und so herrscht seit Mittwoch, dem 1. Juli, absoluter Stillstand in den rußichen Spielbanken.

Keine Lichtlein brennt in den alleine fast 150 Casinos in Moskau. Ganz zur Zufriedenheit der Anwohner mußten auch die aufdringlichen Leuchtreklamen abgeschaltet werden, die vielen Anwohnern oft schlaflose Nächte bereiteten.

Da das Innenminmisterium befürchtet, das sich die Zockerzunft wie zu Sowjetzeiten in den Untergrund verabschieden könnte und weiterhin das große Rad in Privatwohnungen drehen könnte, wurde für wachsame Bürger eine Hotline freigelegt, damit Verdächtiges mitgeteilt werden kann. Bei einer erfolgreichen Razzia, durch einschlägige Tipps von Anwohnern, sollen diese mit hohen Devisen belohnt werden.

Die Verluste die durch die Schließung der Spielbanken entstehen sind dabei jedoch außchlaggebend hoch, alleine in diesem Jahr kommt es zu Steuerausfällen von umgerechnte 80 Millionen Euro und in den kommenden Jahren werden mit 140 Millionen Euro gerechnet. Auch die Arbeitslosenqoute steigt so natürlich erheblich. Sozialministerin Tatjana Golikowa hat nun schlagartig eine halbe Million Arbeitslose mehr, die sie versorgen soll und wieder in Lohn und Brot bringen muß.

Trotz einer übergangangsfrist von fast 4 Jahren hat die Zockerzunft bisher keinen Finger krumm gemacht um ihre Aktivitäten aus den Metropolen in Sonderzonen zu verlagern. Alleine in der südrußischen Region Krasnodar tut sich was. Dort rattern seit ein paar Wochen die Planierraupen im Auftrag des Staates um für die Infrastruktur zu sorgen. Jedoch sieht man von Bauherren künftiger Spielparadiese keine einzige Spur.

Gewinne wie sie in Moskau oder St. Petersburg, sogar im Krisenjahr 2008 erziehlt wurden, wären in den vom Staat vorgegebenen Sonderzonen, wie im Altai-Gebirge an der Grenze zur Mongolei, in Kaliningrad oder dem Küstenstrich nahe der Pazifik-Metropole Wladiwostok im Fernen Osten selbst dann nicht drin, wenn dort der Rubel so groß wäre wie in der US-Amerikanischen Glückßpielmetropole Las Vegas.

Auch die Besucher der Spielbanken geraten nun in Zorn, denn in den neuen Sonderzonen fehlt das besonder Umfeld, wie es zum Beispiel in Moskau vorhanden war, und durch vornehme Herbergen, Nachtclubs oder Szene-Lokale, gebrägt wurde. Das alles müßten die Casino-Besitzer aus eigener Tasche finanzieren und neue errichten. Da die Ballungzentren bis zu 6000 Kilometer entfernt sind müßten sie auch eine Art Shuttel-Service organisieren, idealerweise zum Nulltraif.

Viele der Moskauer Casinos, wollen nun das Gesetz trickreich umgehen und sich neu als Poker-Clubs erfinden. Das berühmt Kartenspiel wurde schon vor etwa zwei Jahren als offizieller Sport in Rußland anerkannt. Ob das die rettende Idee ist, mit der die ehemaligen Casinobesitzer durchkommen, wird sich noch raus stellen.