Die Anzahl der Personen, die sich selbst als potentiell spielsüchtig einstufen ist seit dem Jahr 2008 enorm angestiegen. Allein im Jahr 2011 haben sich insgesamt 40 Personen bei einer Suchtberatungsstelle im Landkreis gemeldet und um Hilfe gebeten, im Jahr 2008 waren es deutlich weniger.

Eine Mitarbeiterin der Fachberatung Glücksspielsucht, Eva Bohr, sieht genau wie viele andere Personen der Region Handlungsbedarf und gibt an, dass das neu verabschiedete Spielhallengesetz der erste Schritt in die richtige Richtung sei.

Das Spielhallengesetz wurde im Juli in Kraft gesetzt und laut Bohr sei dies der erste Schritt, da zumindest die Spielhallen von nun an unter das Glücksspiel fallen. Seit dem Jahr 2010 ist die Anzahl der Spielautomaten in den Etablissements extrem angestiegen. Von Seiten Bohrs wird vermutet, dass die Betreiber von Spielhallen die Gelegenheit nutzten und noch vor der Verabschiedung des Spielhallengesetzes ihren Bestand aufstockten, um nun nach dem in Kraft treten des Gesetzes unter den Bestandsschutz zu fallen.

Neben den positiven Bewertungen für das Spielhallengesetzt, wurden gleichzeitig auch negative Stimmen laut. So gibt der Geschäftsführer der Harlekin GmbH, Michael Mühleck, an, dass das neue Gesetz die Anzahl der Spielsüchtigen nicht verringern können wird. Der Vorsitzende des Automaten-Verbandes Baden-Württemberg, der auch als Betreiber des Magic Casinos in Eschwege bekannt ist, befürchtet, dass durch das neue Gesetz in Zukunft einige Etablissements geschlossen werden müssen und dann auch die Entlassung einiger Mitarbeiter als Folge eintreten wird. Diese Voraussage könnte Wirklichkeit werden, wenn im Jahr 2017 das Verbot der Mehrfachkonzessionen tatsächlich durchgesetzt wird. Mühleck vermutet in der Verabschiedung des Gesetzes das Ziel, das Glücksspielmonopol der Länder zu festigen.

Michael Mühleck gibt an, dass andere Maßnahmen durchgesetzt werden müssten, um tatsächlich gegen die Spielsucht vorgehen zu können. In den eigenen Etablissements wurden von dem Unternehmer bereits Maßnahmen ergriffen. So finden vor Ort Schulungen für die Mitarbeiter von der Caritas statt, aufklärende Flyer mit Adressen der Beratungsstellen werden ausgelegt und die Mitarbeiter haben während des Spielbetriebs ein Auge darauf, ob Spieler besonders auffällig sind und haben auch die Anweisung diese dann darauf anzusprechen.

Laut Mühleck spiele die Regierung ein zweiseitiges Spiel, denn auf der einen Seite sollen Spielhallen verschwinden und auf der anderen Seite erhält er von der Politik selbst ständig neue Grundstücks- und Konzessionsangebote.