Auf der einen Seite ist das Glücksspiel vielerorts verpönt und steht im Zusammenhang mit Kriminalität und Spielsucht. Auf der anderen Seite steht das Glücksspiel jedoch gleichermaßen für Steuereinnahmen und für Geld, welches die Regierung für verschiedene Projekte verwenden kann. Hier besteht seit jeher eine Diskrepanz und dennoch ist beispielsweise in Italien aktuell im Gespräch die Spielsteuer zu erhöhen, um so Gelder einzunehmen, die der Regierung aktuell fehlen.

Was ist der Status Quo?

  • aktuell machen Einnahmen aus dem Glücksspiel etwa 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus
  • anhaltendes Budgetdefizit in Höhe von aktuell 2,4 Prozent
  • geplant ist die Senkung des Defizits durch Spielsteuer
  • Androhung eines Strafverfahrens durch die EU-Kommission
  • das angekündigte Defizit soll in 2017 von 2,4 Prozent auf 2,2 gesenkt werden
  • für die Regierung bedeutet dies zusätzliche 3,4 Milliarden Euro an Ausgabenkürzungen oder Einnahmenerhöhungen
  • der Expremier und Sekretär der Regierungspartei PD, Matteo Renzi, besteht auf die Vermeidung von Steuererhöhungen
  • zusätzliche Besteuerung von Spielhöllen als Plan des Finanzministeriums

Die Lage ist prekär. Auf der einen Seite sollen Steuerhöhungen vermieden werden, auf der anderen Seite ist die Rede davon, die Spielsteuer für Spielhöllen zu erhöhen, um so das Budgetdefizit des Landes zu verringern. Problematisch ist die Androhung der EU-Kommission für das Land in jedem Fall, denn ein solches Strafverfahren könnte man sich in dieser Zeit nicht leisten.

Was der Plan des Finanzministeriums vorsieht:

  • zusätzliche Besteuerung der 96.000 italienischen Spielhöllen, von denen in rund 36.000 Etablissement ausschließlich dem Glücksspiel nachgegangen wird
  • Einnahmen in 2016 in Höhe von 96 Milliarden Euro, acht Prozent mehr als Im Vorjahr, wovon 9,2 Milliarden Euro durch den Staat kassiert wurden
  • Einführung der Sondersteuer soll zusätzliche Einnahmen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro einbringen
  • zusätzlich geplante Ausgabenkürzungen in Höhe von 850 Milliarden Euro
  • Einnahmen in Höhe von einer Milliarde Euro durch den Kampf gegen Steuerhinterziehung

Spielsuchtbekämpfung als Nebeneffekt?

Die Spielautomaten sind in Italien in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Nicht nur die Einnahmen aus diesem Bereich steigen an, auch die Teilnehmerzahl steigt stetig. Neben Gelegenheitsspielern und Zockern, die nur hin und wieder Vergnügen suchen, gibt es auch Spieler, für die das Angebot problematisch werden kann. Mit einer Erhöhung der Steuer könnte eventuell also auch ein Schritt in Richtung Spielsuchtbekämpfung und Prävention getan werden. Sollte dies aber effektiv funktionieren und sollte die Steuererhöhung die Spieler vom Zocken abhalten, so sieht es nicht so rosig aus für den Fiskus, der ja durch die Spieler Mehreinnahmen generieren muss.