Boomende Glücksspielindustie: Freund und Feind

Boomende Glücksspielindustie: Freund und Feind

Für andere jedoch ist genau diese Industrie der schlimmste Feind und zwar wenn aus dem reinen Vergnügen die Spielsucht wird. In Euskirchen zum Beispiel kommen auf jedes Spielgerät insgesamt 260 Einwohner. Die Verluste an den beliebten Spielautomaten sind innerhalb der letzten Jahre um über 4 Millionen Euro gestiegen.

Von den unterschiedlichen Glücksspielangeboten geht für manche Personen ein starker Reiz aus. Das Angebot ist umfassend, sowohl in realen Casinos, in Spielhallen, in Restaurants und Gaststätten, im Internet und sogar auf dem Handy. Es werden Spielautomaten, Kartenspiele, Tischspiele und Sportwetten angeboten.

Während für die Betreiber und Länder die Einnahmen aus dem Glücksspiel immer weiter ansteigen, steigt gleichzeitig auch die Anzahl der spielsüchtigen Menschen. Ein großes Problem in der Gesellschaft, welches an vielen Stellen noch nicht ausreichend berücksichtigt wird. Die Politiker versuchen zum Teil nun mit intensiver Sucht- und Drogenpolitik gegen Probleme dieser Art vorzugehen, so wurde in Nordrhein-Westphalen entschieden, mehr Wert auf die Suchtbekämpfung zu legen.

Um diese Pläne zu realisieren, werden bereits seit einigen Jahren Studien im Bereich des Glücksspiels durchgeführt. Diese beinhalten die Anzahl der Spielgeräte und die Gewohnheiten potentiell spielsüchtiger Spieler. In Euskirchen zum Beispiel ist die Vergrößerung des Glücksspielmarkts deutlich einsehbar.

Prognosen besagen, dass in diesen Bereichen in den kommenden Jahren noch weiteres Wachstum erwartet wird. Bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wurden Zahlen veröffentlicht, die die Anzahl der Spielsüchtigen in Deutschland aufzeigen.

Schätzungen zu Folge sind es 500.000 bis 600.000 Personen, die ein problematisches oder ein süchtiges Glücksspielverhalten aufweisen.

Bei der Betrachtung der einzelnen Glücksspielbereiche wird festgestellt, dass in jeder Branche ein Anstieg zu verbuchen ist. Dies ist oft ein zweiseitiges Schwert, denn während die Betreiber und der Staat durch hohe Steuereinnahmen punkten können, fällt dies oft zum Leid der Spieler selber aus.

Studien zeigen auf, dass vermehrt sowohl an Spielautomaten gespielt wird als auch Lottoscheine ausgefüllt werden. Ein besonderer Anstieg wurde bei der Altersgruppe von 18 bis 20 Jahren in Euskirchen verzeichnet. Diese Studien vor Ort spiegeln den Gesamteindruck aus Deutschland wieder.

Auch die Regelungen tragen zu der ansteigenden Sucht bei. Spielhallen, die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, sind bei den Spielern immer beliebter. Auch das Glücksspiel im Internet, welches in den meisten Gebieten noch illegal ist, erfuhr in der Vergangenheit ein bedeutendes Wachstum.

Während die Regierung grundsätzlich versucht die Glücksspielangebote einzudämmen, so wird dennoch kritisiert, dass es nicht gänzlich verboten wird. Das Angebot ist umfassend und die Nutzer wissen um diese Tatsache. So lange Angebote vorhanden sind, kann Experten zu Folge die Glücksspielsucht nie langfristig eingedämmt werden.

Steigende Spielsucht und Wirkung des Spielhallengesetzes

Steigende Spielsucht und Wirkung des Spielhallengesetzes

Die Anzahl der Personen, die sich selbst als potentiell spielsüchtig einstufen ist seit dem Jahr 2008 enorm angestiegen. Allein im Jahr 2011 haben sich insgesamt 40 Personen bei einer Suchtberatungsstelle im Landkreis gemeldet und um Hilfe gebeten, im Jahr 2008 waren es deutlich weniger.

Eine Mitarbeiterin der Fachberatung Glücksspielsucht, Eva Bohr, sieht genau wie viele andere Personen der Region Handlungsbedarf und gibt an, dass das neu verabschiedete Spielhallengesetz der erste Schritt in die richtige Richtung sei.

Das Spielhallengesetz wurde im Juli in Kraft gesetzt und laut Bohr sei dies der erste Schritt, da zumindest die Spielhallen von nun an unter das Glücksspiel fallen. Seit dem Jahr 2010 ist die Anzahl der Spielautomaten in den Etablissements extrem angestiegen. Von Seiten Bohrs wird vermutet, dass die Betreiber von Spielhallen die Gelegenheit nutzten und noch vor der Verabschiedung des Spielhallengesetzes ihren Bestand aufstockten, um nun nach dem in Kraft treten des Gesetzes unter den Bestandsschutz zu fallen.

Neben den positiven Bewertungen für das Spielhallengesetzt, wurden gleichzeitig auch negative Stimmen laut. So gibt der Geschäftsführer der Harlekin GmbH, Michael Mühleck, an, dass das neue Gesetz die Anzahl der Spielsüchtigen nicht verringern können wird. Der Vorsitzende des Automaten-Verbandes Baden-Württemberg, der auch als Betreiber des Magic Casinos in Eschwege bekannt ist, befürchtet, dass durch das neue Gesetz in Zukunft einige Etablissements geschlossen werden müssen und dann auch die Entlassung einiger Mitarbeiter als Folge eintreten wird. Diese Voraussage könnte Wirklichkeit werden, wenn im Jahr 2017 das Verbot der Mehrfachkonzessionen tatsächlich durchgesetzt wird. Mühleck vermutet in der Verabschiedung des Gesetzes das Ziel, das Glücksspielmonopol der Länder zu festigen.

Michael Mühleck gibt an, dass andere Maßnahmen durchgesetzt werden müssten, um tatsächlich gegen die Spielsucht vorgehen zu können. In den eigenen Etablissements wurden von dem Unternehmer bereits Maßnahmen ergriffen. So finden vor Ort Schulungen für die Mitarbeiter von der Caritas statt, aufklärende Flyer mit Adressen der Beratungsstellen werden ausgelegt und die Mitarbeiter haben während des Spielbetriebs ein Auge darauf, ob Spieler besonders auffällig sind und haben auch die Anweisung diese dann darauf anzusprechen.

Laut Mühleck spiele die Regierung ein zweiseitiges Spiel, denn auf der einen Seite sollen Spielhallen verschwinden und auf der anderen Seite erhält er von der Politik selbst ständig neue Grundstücks- und Konzessionsangebote.