Die goldenen Jahre von Las Vegas sind vorbei

Die goldenen Jahre von Las Vegas sind vorbei

Er hatte für jeden etwas übrig, nur nicht für den amtierenden US-Präsidenten, weil dieser sich oft nicht gut über die Stadt geäußert hatte.

Im letzten Jahr legte der 70jährige seinen Posten nach drei Amtsphasen nieder und überließ seiner Frau das Ruder, die als Mutter von vier Kindern etwas ruhigere Töne anschlägt und die nun von ihrem Mann eine Menge Probleme mit auf den Weg bekam.

Die Blütezeit der Spielstadt mit mehr als einer halben Million Einwohnern ist nun zu Ende. Sie diente Berühmtheiten wie Elvis Presley, Johnny Cash und auch Elton John als Bühne für ihr Tun, hier standen die Kugeln und das Geld niemals still.

Doch die Stadt kommt von der Rezession, die seit vier Jahren herrscht, nicht weg. Der Großteil der Hotels mit Casinos musste ihr Personal kürzen und die Zahl der Arbeitslosen kletterte hier auf über 15 Prozent. Die Urlauber kehren langsam aber sicher wieder zurück, doch dies erfolgte mit Schleuderpreisen.

Die belegten Zimmer der Hotels sind nicht sehr hoch und die Erträge aus dem Bereich des Glücksspiels gingen sehr in den Keller und für abendliche Veranstaltungen gibt es Teilnehmerkarten zum halben Preis, dennoch geht die Zahl der Gäste zurück und es wird lange nicht mehr soviel Geld dagelassen wie früher. Die große Krise, welche die Casinostadt hart ins Gesicht geschlagen hat, ist für die glamourösen Casinos ebenso eine große Aufgabe wie für die Bürgermeisterin.

Sie will die Filmbranche mit steuerlichen Vorteilen in die Stadt locken und verlässt sich auf Sehenswürdigkeiten, wie das neue Museum mit dem Schwerpunkt Mafia, die Schmuckbörse, eine Klinik für Demenz und möchte den schlechten Ruf der Stadt besser machen. Sin City heißt deshalb so, weil hier die Spielautomaten, viele Nacktbars und die unerlaubte Prostitution heimisch sind. Statistiken im Bereich der Gewaltverbrechen zeigen, dass Vegas ganz oben mit dabei ist, zudem herrscht hier Selbstmord vor, wie nirgendwo sonst im Land.

Das Glück hatte die Flaniermeile der Stadt den Rücken gekehrt, dies wird besonders durch die vielen Kräne, die einst den nicht endenden Aufwind symbolisieren und die nun nach und nach nicht mehr da sind, gezeigt. Es gab damals 300 Vorhaben zum Bau und für Wohnungen, die liefen, für die Baubranche, die hier die relevanteste Wirtschaftsgruppe mit 40.000 Angestellten ist, bedeutet dies nun das Ende.

Die Preise für Immobilien sind alles andere als gut und große Hotels sind nur halb vollendet und die Vorhaben für prachtvolle, Milliarden teure Gebäude, wurden aufgegeben. Der Rückblick ist nur noch von Nostalgie geprägt, denn seit Beginn der 1990er wurden die bekannten und alten Casinos dem Erdboden gleichgemacht, um neue Großprojekte wirklich zu machen.

Das Gebäude "Sands", in dem Sinatra, Martin und Sammy Davis Jr., besser bekannt als "Rat Pack" auftraten und Bogart einen über den Durst trank und das vier Nächte lang, musste dem sehr modernen "Venetian Ressort" und dem "Palazzo" Platz machen, welches 200 Meter hoch ist und bei seiner Einweihung das größte Hotel weltweit war. Das "Bellagio" nahm den Platz der Einrichtung "Dunes" ein "Aladdin", welches ebenfalls mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte, musste dem riesigen "Planet Hollywood" weichen.

Prunkvolle Zeugnisse der Architektur wurden für Unsummen gebaut, wozu auch das "MGM Grand" gehörte, welches 1993 mit sechseinhalbtausend Zimmern weltweit unschlagbar war. Die Branche im Bereich des Glückspiels feierte im Zocker-Eldorado Nummer Eins einen scheinbar unendlichen Aufschwung, machte damit viele Jahre lang eine Menge Geld und machte einen Rekord nach dem anderem.

Es kam daher nicht oft zum Vorschein, dass sich manche Einrichtungen mit einem großen Namen finanziell schwer taten, doch dann trat die Krise auf dem Plan und nichts war mehr so, wie es mal war. Die Vermögenden kamen nicht mehr und zahlreiche Hotel waren nicht mehr voll und mussten als Konsequenz ihre Mitarbeiter entlassen und dann gingen die ersten Gebäude zu Fall, wie das "Tropicana Resort", dem nichts anders übrigblieb, als Schutz in Bezug auf Gläubiger zu fordern und seinen großen Erweiterungsvorhaben auf Eis zu legen

Dann folgten eine Menge weiterer Pleiten, die Wertpapierkurse der namhaften Unternehmen sanken vor vier Jahren in einem nie gekannten Ausmaß, bei manchen fiel der Wert von 70 auf 5 Dollar. Kleinere Unternehmen, zu denen auch die "Stations Casinos" gehörten, waren kurz darauf insolvent.

Dieses Trauma ist bis heute nicht vorbei, denn vor drei Jahren verzeichnete die rund 40 Casinos an der Flaniermeile einen Ertragsrückgang von 8 Prozent bei 18,2 Milliarden Dollar, von denen rund ein Fünftel in den Sand gesetzt wurde, im Jahr zuvor betrug der Verlust noch etwas über 2 Milliarden.

Insgesamt verloren die etwa 260 Casinos in Vegas der Glücksspielbehörde des Bundeslandes zufolge ungeachtet der gekletterten Erträge in Höhe von 22 Milliarden Dollar insgesamt rund ein Fünftel.