Mit WM Sportwetten zum Sieg

Mit WM Sportwetten zum Sieg

Die Sportfans wollen ihre Mannschaften mit entsprechend platzierten Wetten natürlich unterstützen, doch in Deutschland gibt es keine deutschen legalen Anbieter, obwohl dies seit der änderung des Glücksspielstaatvertrages eigentlich längst der Fall sein sollte.

Die Stimmung ist ausgelassen bei den Fußballfans, denn die WM 2014 ist bereits gestartet, ein guter Zeitpunkt für viele Spieler um ihre Tipps abzugeben. Millionen Deutsche Sportfans sind nicht nur Fußballbegeistert sondern nutzen gleichzeitig auch gerne die Gelegenheit ihre Sportwetten passend zu dem Fußballereignis zu platzieren, in Deutschland allerdings noch immer in einer Grauzone.

Vor zwei Jahren wurde die änderung des Glücksspielstaatsvertrages beschlossen, doch seither ist auf dem Markt nicht viel platziert. Um die illegalen Angebote zu umgehen, sollten bereits 20 Lizenzen ausgegeben werden, für Sportwettenanbieter, die ihr Angebot für die Deutschen Wettfans präsentieren sollten. Die Lizenzvergabe hat allerdings bis heute nicht stattgefunden, so kommt es, dass nun bei der Fußballweltmeisterschaft Wetten bei ausländischen Anbietern gesetzt werden.

Für die Marktteilnehmer gilt der neue Glücksspielstaatsvertrag bereits als gescheitert. Eine Allianz digitaler Wett-, Poker- und Lotterieanbieter macht in einem Brief an die Ministerpräsidenten deutlich, dass der Staatsvertrag gescheitert sei. Beim jahrestreffen der Bundeskanzlerin und der Regierungschefinnen und Regierungschefs waren der Glücksspielstaatsvertrag und die nicht umgesetzten Regelungen ein Thema.

Von den Anbietern wird nun eine öffentliche Diskussion gefordert, um die Möglichkeit zu bekommen, etwas zu den aktuellen Zuständen auf dem deutschen Glücksspielmarkt zu sagen. Gefordert wird eine gute Regulierung des deutschen Marktes, damit Ereignisse wie die WM 2014 nicht nur für die Fußballfans in Deutschland, sondern auch für die Sportwettfans positiv sind und legale Wetten ins Glück gesetzt werden können.

Geld regiert die Welt

Eine Wette bietet so manche Spannung bei einem Fußballspiel, wenn man hier wettet, kommt auch noch ein wenig Geld dabei heraus, doch dann kommt man in die roten Zahlen. Dann ist man spielsuchgefährdet, so sagt es ein Fachmann für Spielsucht von der Universität in Bremen.

Er ist der Meinung, dass die Chance mithilfe der Wette seine finanziellen Einbußen wieder wettzumachen, ein nicht geringes Suchtrisiko berge. Sollte er damit recht haben, dass wird der Spaß beim Fußballspiel schnell zum bitteren Ernst.

Erst vor Kurzem haben sich die Chefs der Bundesländer in der deutschen Hauptstadt zusammengefunden, um über einen neuen Glücksspielvertrag zu sprechen. Dies basiert auf einem Richterspruch des EuGH, der den Alleinspruch des Staates auf Wetten nur dann billigt, wenn das Risiko der Spielsucht besser angegangen würde. Hier kann Deutschland nicht einlenken, denn man macht Werbung für die staatliche Lotterie Oddset, da kann man keine Warnung für die Spielsucht herausgeben.

Als Lösung für dieses Problem will man nun sieben Zulassungen an Privatanbieter geben, die vom Staat überwacht werden und die Zulassungsabgaben zu leisten haben. Hier stellt sich die Frage, ob so die Spielsucht effektiv reduziert werden kann. Den Schätzungen der BzgA zufolge sind in der Bundesrepublik etwa 100.000 Menschen Opfer ihrer Leidenschaft geworden.

Hier ist besonders beunruhigend, dass die Anzahl der Teenager, die dieser Sucht anheimgefallen sind und die Internetwetten tätigen, hochgeschnellt ist. Die Regierung bekommt aus dem Markt für Glücksspiel jedes Jahr 3,3 Milliarden Euro, auf die man ungern verzichten möchte. Die Erträge aus den Sportwetten gehen zu 95 Prozent aus der Bundesrepublik.

Hier ist von einem Schwarzmarkt die Rede und man sähe den Markt des Landes lieber liberalisiert. Die Politik befände sich aufgrund der These, dass der Schwarzmarkt, dem man wegen des Netzes nicht den Garaus machen kann, unter großen Druck, so der Fachmann für Suchtfragen.

Die Branche wolle so die gesetzlichen Vorgaben nach ihren Interessen ordnen, unter die auch die Steuern fallen. Mit dem Glücksspiel zu tun zu haben, ist ein schmaler Steg über einem Abgrund. Auf der einen Seite befindet sich die Sicherheit der Verbraucher auf der anderen Seite ist ein lockendes Angebot, dass dafür sorgen soll, dass die Spieler nicht auf die schiefe Bahn geraten.

Die Bundesländer haben vor, Konzessionen für eine Phase von fünf Jahren zu gestatten, dies trifft auf Sportwetten und auf Online Casinos zu. Live-Wetten sind nicht erlaubt und der Zugriff zum Online Glücksspiel will man nur dann zulassen, wenn ein Konto mit Bargeld vorliegt.

Den Privatbetreibern wird wieder gestattet, Reklame auf Trikots und Bändern im Sport durchzuführen, während die TV-Spots im Rahmen einer Sportveranstaltung untersagt bleiben. Der Spitzensport hatte die Reklame stark unterstützt, diese soll aber bescheiden werden. Diese Übereinkunft beachtet auch die Sicherheit in Bezug auf die Spielsucht.

Der Chef von Bwin in der Bundesrepublik erläuterte neulich zu diesem Thema den Standpunkt der Betreiber. Er gab an, dass sein Unternehmen aus der Not der Menschen keinen Profit schlagen wolle, doch man soll auch nicht übertreiben. Besonders bei den Sportwetten sei die Anzahl der Suchtkranken gegenüber denen bei den Automaten recht klein.

Im Großen und Ganzen sei eine krankhafte Spielweise Gott sei Dank nicht so häufig. Der Fachmann für Suchtfragen steht diesen Bekenntnissen skeptisch gegenüber. Bei Privatanbietern spiele die Sicherheit der Spieler zwangsläufig eine untergeordnete Rolle. Diese Institutionen seien an der Börse zu finden und müssten sich nur ihren Anlegern gegenüber rechtfertigen.

Hier nennt er die Macht der Automatenbranche, die immer wieder neue Wege entwickelt, um die juristischen Vorgaben geschickt zu umschiffen. Er befürwortet eher das Prinzip des staatlichen Alleinanspruchs. Dieser sei aber nur mit der Werbeabschaffung für Oddset zu bewerkstelligen.

Doch die Politik will dies nicht tun, denn sie haushaltet mit den Gewinnen aus diesem Bereich.

Ärgernis Glücksspielvertrag

Fußball und Glücksspiel sind schon lange dicke Freunde. Der ohnehin ungeliebte Glücksspielvertrag hätte diese Freundschaft beinahe zerstört. Das Fußballspiel zum Abschied vom Kaiser Franz Beckenbauer hätte nach 33 Jahren fast nicht stattgefunden und das wegen eins Trikots.

Das Kreisverwaltungsreferat in München untersagte dem Rekordmeister aus Spanien im Trikot seines Sponsors bwin aufs Feld zu kommen und drohte mit einem satten Bußgeld, doch dies ist kein Einzelschicksal. Auch der TSV 1860 München war genötigt, seine bwin- Trikotwerbung abzuschaffen.

Der Grund hierfür ist leicht erklärt. Privatanbietern von Sportwetten ist es in der Bundesrepublik nicht erlaubt, Werbung zu machen, so will es der Vertrag. Nur den Anbietern Oddset und TOTO, die staatlich sind, ist es gestattet, in Deutschland noch Tipps auf Sportevents entgegenzunehmen und Werbung zu schalten. Seit längerem befasst sich der EuGH mit der Monopollage in der Bundesrepublik, die für viele unzumutbar ist.

Der Präsident der Staatlichen Lotterieverwaltung Bayern und Zugpferd des Verbots des Trikots ist fest davon überzeugt, dass die Gerichte das Monopol auf Glücksspiel in Deutschland bestätigen werden. Schon zweimal fielen die Urteile des Gerichts in diese Richtung aus. Bereits im Juni wies der Gerichtshof die Klagen zweier britischer Firmen ab, die mittels Internet Sportwetten in Holland anbieten wollten.

Erst vor kurzem hatte bwin selbst in einer Klage gegen die Regierung Portugals keinen Erfolg. Dem Deutschen Lotterieverband nach zu urteilen, besteht nun aufgrund des Vertrages ein richtiges Rechtswirrwarr. Man spricht hier von über tausend Gerichtsprozessen, die gegen den Vertrag angestrengt wurden.

Anbieter von Online Glücksspiel, Betreiber von Lotterien und Spieler treten hier für ihr Recht ein, ihre Tipps frei abgeben zu können. In Bälde soll der EuGH dann entscheiden, inwieweit das Monopol von Oddset rechtens ist. Die Hauptthese für die Etablierung des Monopols auf Glücksspiel und Sportwetten ist bereits gescheitert.

Die Suchtprävention und die der folgenden Kriminalität ließen sich nicht umsetzen, denn Spieler wechselten einfach zu Angeboten des Online Glücksspiels oder zu den Spielautomaten in den Spielhallen. Hier geht es also um viel mehr als nur um ein Fußballspiel oder ein Trikot.