Wie kann man sich bei Spielsucht helfen lassen?

Wie kann man sich bei Spielsucht helfen lassen?

Fachleute, die in einer Fachambulanz in Bonn tätig sind, helfen den Spielern zum Glück ohne Glücksspiel. Ein Spieler namens Stefan starrt wie gebannt auf den Automaten und dann macht er einen Gewinn. Nun macht sich in ihm ein großes Glücksgefühl breit. Er erklärt, dass er in diesem Moment sehr wichtig ist und er Selbstwertgefühl bekommt. Aber diese Ekstase dauert nicht lange, denn ihn verlangt es nach mehr.

Der Herr ist Mitte 40 und zockt seit 30 Jahren am Automaten. Er sagt, dass er suchtkrank ist und dass er das inzwischen selbst sagen kann; er ahnte es wohl, doch eingestehen vor anderen Leuten und seiner Person wollte er es nicht. Er lebt in Bonn und ist Schreiner. Von seiner Frau bekam er nun einen Zeitrahmen gesetzt. Sie sagt, dass sie gehen wird, wenn er mit dem Spielen nicht aufhört. Aus diesem Grund möchte er sich bei der Fachambulanz mit dem passenden Namen "Game Over" helfen lassen.

Er gehört zu den 40.000 Suchtkranken im Bundesland. Viele sind noch unter 18 Jahre alt, wenn sie zu erstem Mal an einem Automaten sitzen. Der Schreiner war gerade mal 15 Jahre alt. Man traf sich oft in der Imbissbude, wo auch ein Automat zu finden war. Dort hatte er sein erstes Spielerlebnis; es war auch nicht interessant, dass alle noch nicht volljährig waren. Er begann zu spielen und machte einen Gewinn, der sich nur aus niedrigen Beträgen zusammensetzte.

Er sagt, dass die Crux dabei ist, dass man zu Beginn immer einen Gewinn macht, das tut jeder, der neu anfängt. Er hat den Eindruck, dass der Automat genau weiß, dass ihn jemand nutzt, der das zum ersten Mal macht. Er ist immer öfter am Automaten zu finden, irgendwann genügt sein Taschengeld nicht mehr und er geht an sein Konto. Sein Vater sagt, als ihm dies mitgeteilt wird, dass sein Sohn eine Macke hat. Der Schreiner fühlt sich nicht gut, er möchte eigentlich gar nicht spielen und sein ganzes Geld verlieren, aber zur Besserung kommt ihm nur der Automat in den Sinn.

Somit geht er zur Imbissbude und zockt; er ist in einem Teufelskreis gefangen. Die Bundesdrogenbeauftragte schreibt in ihrem neusten Bericht, dass der Schreiner mit seinem Problem nicht alleine dasteht. Beinahe 50 Prozent der Erwachsenen haben in den letzten 12 Monaten bei öffentlich bereitgestellten Glücksspielen zugegriffen. Die Summe der involvierten Jugendlichen und jungen Leute klettert rasant nach oben.

Abhängig von der Form des Spiels gibt es unterschiedliche Suchtpotentiale. Hierbei ist die Gefahr bei den Automaten besonders hoch. Die Summe der Automaten ging um 60.000 auf 240.000 nach oben, nachdem die Regierung vor sechs Jahren die Spielverordnung weniger streng gestaltete. Der Gewinn stieg um rund 50 Prozent auf mehr als 4 Milliarden Euro. Die Betreiber der Spielhallen können sich darüber freuen, doch der Fachambulanz beschert es eine Menge Arbeit, denn mehr und Suchtkranke wollen sich dort helfen lassen.

Hier wird auch offensichtlich, dass jeder Fünfte, der Hilfe sucht, noch keine 20 Jahre alt ist, erklärt ein Sozialarbeiter und Suchttherapeut. Dieser kooperiert mit einer Dame in der Ambulanz, die von der "Caritas" und dem "Diakonischen Werk" unterstützt wird. Momentan stehen sie 40 Kranken und ihren Familien mit Rat und Tat zur Seite. Der Schreiner ist noch nicht lange in der Ambulanz, die seine Frau im Netz ausfindig gemacht hatte.

Vor einiger Zeit gab er sich einen Ruck und besuchte die Sprechstunde. Er erklärt, dass dies seine letzte Möglichkeit ist. Er ist Mitte 40 und hat sein Leben ruiniert. Er weiß nicht, wie viel Geld beim Zocken draufging, doch ein Einfamilienhaus könnte es nach seinen Schätzungen schon gewesen sein. Geld spielt bei ihm beim Spiel keine große Rolle, es dient nur als Zweckmittel. Im Netz erspielte er einen Gewinn von 150.000 Euro. Binnen 72 Stunden hat er das Geld verloren. Er hat jeden Bekannten um Geld gefragt und er log seine Angehörigen an und wurde Freunde los.

Seine Frau steht immer noch hinter ihm, was er sehr gut findet. Er möchte nicht, dass sie geht, aus diesem Grund ist er in der Ambulanz. Als er die erste Maßnahme ergriffen hat und die offene Sprechstunde der Ambulanz besucht hat, ist er nun in einer Motivationsgruppe. Hier finden sich die Berater einmal wöchentlich mit den Betroffenen zusammen, bereden die aktuelle Situation und finden zusammen Wege, wie das Leben weitergehen kann.

An der Gruppe können auch Leute teilnehmen, die spielen, doch sie müssen Zuverlässigkeit beweisen. Kommt man ein paar Wochen in regelmäßigen Abständen in die Gruppe und beweist seine Motivation, dann gibt es Einzelgespräche. Hier wird beredet, wie es weiterläuft. Wenn man sich zu einer Behandlung auf ambulanter Basis entschließt, dann stellen die Berater gemeinsam mit dem Betroffenen einen Antrag auf Kostenzusage seitens der Krankenkasse oder der Rentenversicherung. Wenn dem Antrag stattgegeben wird, dann wird man sich maximal 18 Monate intensiv mit dem Problem befassen.

Die Kranken nehmen dann wöchentlich Gespräche wahr, entweder einzeln oder in der Gruppe. Es gibt auch Paargespräche. Grund: Der änderungsvorgang ist auch für den Partner des Betroffenen nicht gerade einfach. Der Betroffene und die Ambulanz schließen vor dem Beginn der Behandlung einen entsprechenden Vertrag ab, was laut einer Beraterin von großer Bedeutung ist, da Kriterien erfüllt werden müssen.

Der Schreiner war schon zweimal in der Gruppe und sollte er weiterhin regelmäßig teilnehmen, dann besteht für ihn die Option eines Antrags auf eine Behandlung stationärer oder ambulanter Natur. Er sagt, dass er einen Neuanfang wagt und er wird Durchhaltevermögen und positives Denken in den nächsten Monaten sehr nötig haben. Rund jeder Dritte erleidet wieder einen Rückfall und es sind mehrere Anläufe nötig und sie haben einen steinigen Weg vor sich.

Damit es einen besseren Schutz von Minderjährigen vor Automaten gibt, will das Bundesministerium für Wirtschaft eine Spielerkarte etablieren. Dies ist eine Karte, die der Spieler dem Automat zuführen muss, damit ein Automat, sei es in einer Kneipe oder in einer Spielhalle, verwendet werden kann. Das Ministerium erklärt, dass der Spieler die Karte von der Aufsicht oder dem Wirt bekommt. Somit kann eine Alterskontrolle durchgeführt werden und dies macht das gleichzeitige Spiel an mehreren Automaten schwerer, was auch dem Schutz von Spielern und der Jugend zugute kommt.

Die Automatenwirtschaft unterstützt das Ministerium bei diesem Vorhaben. Fachleute bemängeln die Gesetzesvorlage der Regierung. Diese Karte ist der Vorbeugung von Sucht nicht dienlich und ist auch für den Schutz der Jugend wenig effektiv. Die Chefin der "Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht" in Nordrhein-Westfalen bezeichnet diese Karte als symbolische Politik. Man braucht eine wohlüberlegte Lösung mit einer Karte auf der Basis von Personalisierung.

Sinnvoller wäre es, die Automatensystematik zu lockern und die Verluste einzugrenzen. Sie ist der Meinung, dass dies wegen der einflussreichen Geräteherstellerlobby nicht möglich ist. Der Schreiner hat für die Karte ebenfalls nicht viel übrig. Er sagt, dass sie wenig Effekt hat, da sie den Spielern noch mehr Antrieb gibt.

Seiner Meinung nach, versucht man dann, mehrere Karten zu bekommen und nutzt wieder mehr als ein Gerät und auch der Jugendschutz hat davon nicht viel. Er ist der Ansicht, dass wenn man spielen will, auch dem Spiel nachgeht, denn ein Automatenzugriff besteht immer.

Stefan muss nun eine Beschäftigung für sich ausfindig machen, die ihm auch ein Glücksgefühl verschafft. Und er hat schon etwas gefunden. Er sagt, dass wenn er sich beim Walken verausgabt, genauso glücklich ist, wie beim Spiel. Besonders schön für ihn ist es, wenn er dies gemeinsam mit seiner Frau tut.