Erfolge der Ermittlungsgruppe "Glücksspiel" im Saarland

Erfolge der Ermittlungsgruppe "Glücksspiel" im Saarland

Dabei wurden mehrere illegal aufgestellte Spielautomaten beschlagnahmt. Das Geschäft mit den Spielautomaten floriert, dies haben die Ermittler nicht erst bei den Kontrollaktionen festgestellt. Allein die Tatsache, dass die Branche im Jahr 2015 rund 5,8 Millionen Euro mit den Glücksspielautomaten einnahm lässt die Regierung aufhorchen.

Steuerfahnder hatten nun den Auftrag, einige unangekündigte Kontrollen durchzuführen. Hierbei war vor allem das Gebiet in grenznähe zu Frankreich interessant, denn dort darf eigentlich nur in genehmigten Casinos gespielt werden. Die Ermittlungen gestalteten sich so, dass die Steuerfahnder an der Saar Verdachtsfälle überprüfte und hierbei ihr Augenmerk besonders darauf legten, ob an der Software oder den Maschinen getrickst wurde. Wichtig war hierbei vor allem auch, ob Umsatz-, Körperschafts- und Einkommenssteuern sowie Vergnügungs- und Gewerbesteuern korrekt gezahlt wurden.

Fakten zu Kontrollbesuchen:

– Kontrollen wurden in Zusammenarbeit mit den Ordnungsämtern der Kommunen und dem Landesverwaltungsamt durchgeführt

– Kontrollen in 70 Kneipen und Spielhallen im Regionalverband Saarbrücken, im Saarpfalzkreis sowie in den Kreisen Neunkirchen und St. Wendel

– die Kontrollen wurden unangemeldet durchgeführt

– drei Ermittlungsteams mit jeweils etwa fünf Personen nahmen die Kontrollen vor

– als Einsatzleiter fungierte Wolfram Lang, Vizechef der Steuerfahndung

– keine nennenswerten Widerstände von Seiten der Aufsteller, Betreiber und Wirte

Ergebnisse der Schwerpunktkontrolle

Bei den geplanten Kontrollen, die unangemeldet durchgeführt wurden, entdeckten die Fahnder in mehreren Fällen Spielgeräte, die den Behörden nicht gemeldet waren. Nicht gemeldete Geräte bedeuten in den meisten Fällen, dass für diese von Seiten des Betreibers keine Steuer abgeführt werden und damit sind entsprechende Automaten illegal aufgestellt. Entsprechende Spielautomaten wurden von den Behörden direkt vor Ort beschlagnahmt.

Zwei Jackpots an einem Abend geknackt

Zwei Jackpots an einem Abend geknackt

In einem Fall im Swiss Casino St. Gallen vertraute der Spieler jedoch so sehr in die eigene Glückssträhne, dass dieser am Ende des Abends direkt als doppelter Glückspilz nach Hause gehen konnte.

Der Spieler hatte an einem Freitagabend in dem Casino an einem Glücksspielautomat einen Jackpot in Höhe von 50.000 Franken geknackt. Dieses Glück berauschte den Spieler und er gab an, überzeugt davon gewesen zu sein, dass seine Glückssträhne weiterhin anhalten würde. Dieses Gefühl nahm der Spieler dann auch zum Anlass, um im Casino weiter zu zocken.

Für den Spieler selber und auch für die Mitarbeiter des Casinos war es dann, am Ende des Abends, kaum zu glauben, dass der Spieler tatsächlich erneut enormes Glück bewies und noch einmal einen Jackpot in der gleichen Größenordnung knackte. Bei dem zweiten Jackpot handelte es sich um den Hauptgewinn an einem Super-Cherry-Gerät, wo der Spieler den Gewinn in gleicher Größenordnung wie vorher erwirtschaftet.

Aus einem neuen VW Golf wird ein Audi Q5

Diese enorme Glückssträhne des Spielers in St. Gallen war nicht nur für den Spieler und die Casinoangestellten ein besonderes Highlight, sondern führte auch dazu, dass der Spieler seine Pläne mit dem Gewinn noch an diesem Abend etwas anpasste. Während der Spieler angab, den ersten Gewinn in einen Neuwagen, genauer einen VW Golf investieren wolle, änderten sich die Pläne mit dem zweiten Jackpot gewinn. Nun war bei dem Spieler die Rede davon, dass es Zeit sei das Geld i8n einen neuen Audi Q5 zu investieren.

Glück beim Spiel ist nicht berechenbar

Der Glücksspielautomat hat seinen Motor durch den Zufallsgenerator, der in der englischen Sprache "Random Number Generator" genannt wird. Zahlreiche Spieler verfügen über die Kenntnis, dass ein Chip für den Computer eine solche Nummer schafft, aber ihnen ist nicht zu hundert Prozent klar, welche Modalitäten dahinterstecken.

Aufgrund dieser Unwissenheit entstanden viele Legenden und Missverständnisse in Bezug auf die Automaten. Ein weit verbreiteter Irrtum ist auch, dass das Gerät einer zeitlichen Abfolge unterliegt und ein Spieler aufgrund dessen auch ermitteln kann, wann ein Gewinn wahrscheinlich wird, Institutionen gibt es viele, die solche Lösungen verkaufen wollen.

Um nicht darauf hineinzufallen sollte man sich im Klaren darüber sein, dass eine solche Abfolge nicht existent ist. In den Automaten befindet sich ein Mikroprozessor, die denen in einem Computer gleichen. Dieser sorgt nicht nur für das Abrufen von Office-Programmen sondern auch für die Zufallsgeneratoren.

Es schafft Zahlen, welche zu den Symbolen auf den Walzen in übereinstimmung hinzukommen. Der Generator läuft unablässig, jedenfalls wenn er mit einem Stromkreis verbunden ist. Er schafft in jeder Millisekunde zufällige Zahlen, dies ist schätzungsweise zwischen 0 und 4 Milliarden.

Die zufällig ermittelte Zahl integriert der Prozessor zu einer bestimmten Zeit in eine weitere Zahlenfolge, welche unmittelbar die Zeichen auf den Walzen in Gang hält. Dies passiert dann, wenn ein Spieler einen Knopf tippt oder den Automaten mit einer Münze füttert.

Dieser Generator basiert auf einer Formel und einem Algorithmus. Dieser beinhaltet klare Vorgaben, wie eine solche Zahl zustande kommt. Diese Prozesse gehen über den normalen mathematischen Horizont hinaus, doch die Modalitäten des Generators bieten stets die Chance, in Bezug auf Exaktheit geprüft und instand gehalten zu werden.

Die überprüfungsmechanismen des Casinos und außerhalb befindliche Einheiten im Labor sichern diesen Standard. So kann man sicher sein, dass die Spieler nicht hereingelegt werden. Dies scheint plausibel, doch der Laie versteht die Vorgänge des Programms damit nicht. Einfache Erläuterungen sollen etwas Licht ins Dunkel bringen und ein Grundwissen etablieren.

Spielautomaten die Walzen haben, verfügen über Flächen zur Auflage, hier befindet sich ein Bild oder eine leere Stelle, die auch "physikalischer Stopp" genannt wird. Maschinen älteren Baujahrs verfügten über 20 Stopps je Rad, die neueren bis zu 22. Die Technik im Bereich der Mikroprozessoren bietet Gelegenheit noch mehr solcher Stopps einzubauen.

Als Beispiel nimmt man an, dass 10 dieser Flächen auf jedem Rad vorhanden sind. Sind drei Räder da, dann kommt man auf 10 (1.000) Anzeigemöglichkeiten. Diese Rechenart wird oft als Zyklus verkauft, das Missverständnis liegt darin, dass die Spieler dem Irrtum erliegen, dass die Geräte einen solchen Rhythmus von kleineren und größeren Gewinnchancen nutzen.

Bei diesem Beispiel beträgt die Gewinnchance in einer Dreierkombi 1:1.000. Nach reinem theoretischen Denken sollte jemand, der 1.000 mal am Automat sitzt, exakt 1.000 unterschiedliche dieser Kombinationen haben aber weit gefehlt: auch wenn man eine Million Mal sein Glück versucht, dann kommt ein solcher statistischer Wert immer neu dazu, der sich aber nicht bewahrheiten muss.

Es ist mit dem Wurf einer Münze zu vergleichen. Die Chance, Kopf oder Zahl zu werfen, liegt exakt bei Fifty-Fifty. Niemand der die Münze hundertmal wirft, erhält je Hälfte Kopf und Zahl. Ein weiteres Beispiel ist die Ziehung einer Lotterie.

Hier gibt es drei Kästen mit je 10 Kugeln von 0 bis 9. Diese werden nun gemischt und man zieht eine Kugel pro Kasten, so kommt man auf eine Kombination von drei Ziffern. Bei einem Automaten fungieren diese Ziffern als bekannte Bilder. In jedem Kasten gibt es eine Kugel mit jeweils einem Jackpot-Zeichen und zwei Kugeln, die jede einen Riegel vorweisen, drei Kugeln mit Kirschen und vier Kugeln, die nichts abbilden.

Man kann sich nun denken, dass der Zufallsgenerator einer Person entspricht, welche diese Ziehungen durchführt. Wenn man dann sämtliche Kugeln gezogen hat, dann kommen unterschiedliche Gewinnchancen zustande, wie bei den Rädern auch. Man findet je einen Hauptgewinn in allen Kästen, die Chance, dass man alle zieht, liegt also bei 1 zu 1.000.

Dann gibt es noch je zwei Kugeln, die Riegel aufweisen, in jedem Kasten, die Wahrscheinlichkeit liegt bei 8 zu 1.000. Dann finden sich noch je 3 Kirschen in jedem Behälter, dies entspricht einer Chance von 27 zu 1.000. Hieraus kann man 37 mögliche Gewinnchancen ermitteln.

Aber in den restlichen Fällen gibt es die folgenden Verlust- oder besser gesagt Nicht-Gewinn-Chancen. Entweder man zieht drei weiße Kugeln, zwei weiße Kugeln und eine mit einem Bild, eine weiße Kugeln und zwei mit Bildern oder drei mit verschiedenen Abbildungen.

Ein solcher Generator schafft nun einen zufälligen Wert, der dem Beispiel zufolge 37 Gewinnmöglichen oder 963 andere aktiveren kann, und dies tausendmal je Sekunde. Man kann sich dazu eine Menge Blinklichter denken, hier ist nur eine aktiv, denn es hängt von der Stromzufuhr ab, welche Glühbirne Saft bekommt.

Nutzt man einen Schalter, dann geht eins der Lichter an. Wenn eine geringe Verzögerung vorgelegen hätte, dann wäre eine andere Birne zum Zug gekommen. Genauso ist es mit dem Glücksspiel.

Spielt man an einem Automaten und das Gegenüber sackt den Jackpot ein, dann wäre die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass man den Knopf ganz genau in diesem Augenblick genutzt hätte.

Glücksspiel setzt sich durch

Innerhalb der letzten 10 Jahre hat sich die Zahl der Spielhallen alleine in Stuttgart mehr als verdoppelt. Ohne die Kneipen mitzurechnen, ist derzeit in etwa 75 Etablissements das Automatenspiel möglich. Damit wird immer mehr Menschen die Möglichkeiten geboten, am Glüksspiel teil zu nehmen und somit fällt es der Stadtverwaltung immer schwerer, die Glücksspielflut einzudämmen.

Im Stadtteil Wangen sollten ausgerechnet im ehemaligen Polizeirevier, das wegen der Revierreform erst zum Anfang des Jahres 2009 geräumt wurde, Glücksspielautomaten einziehen. Für viele Bürger ist die Welt mit diesem Vorschlag nicht mehr in Ordnung, wo schon drei Etablissements existieren, in denen man sein Glück am einarmigen Banditen strapazieren kann. „Wir wollen keine weitere Spielhalle“, sagt Bezirksvorsteherin Beate Dietrich.

Doch auch in der Innenstadt ist gewerbliches Glücksspiel trotz Krise, wie in den Außenbezirken, auf dem Vormarsch. 618 Geräte standen Ende 2008 in den insgesamt 62 Spielhallen ? das lässt bei Suchtexperten die Alarmglocken leuten. An anderen Aufstellorten wie Gaststätten oder Bistros wurden zusätzlich 1119 Automaten betrieben.Volker Schaible von der Stadtkämmerei bestätigt „aktuell lässt es sich in 75 Spielhallen in Stuttgart daddeln“. Der Stadt Stuttgart schadet das jedoch nicht wirklich, denn im Vorjahr verdiente die Stadt ganze 3,1 Millionen Euro durch das Glücksspiel am Automaten.

Gerüchte über neue Zockertreffs verunsichern die Menschen. „Wir werden von einer Antragsflut überschwemmt“, sagt Stefan Braun vom Ordnungsamt. Die beteiligten ämter für Baurecht, Ordnung und Stadtplanung bearbeiten seit Januar 42 Anträge für Spielhallen. Alleine im ersten Quartal musste die Stadt 16 Einrichtungen genehmigen. „Zum Jahresende könnte die Schallmauer von 50 Neukonzessionen geknackt sein“, so Braun.

Günter Zeltner, Leiter der Suchtberatung der Evangelischen Gesellschaft, warnt jedoch vor den Entwicklungen „Spielhallen sind die Keimzellen neuer Zockerszenen.“ Das Angebot beeinflusst eindeutig die Nachfrage und je einfacher Geldspielgeräte erreichbar sind, umso mehr Leute fangen an zu spielen. Außerdem habe das Automatenspiel unter den Glücksspielen das höchste Suchtpotentiel, noch vor Wetten, Pokertunieren oder Lotto. Von 226 Spielsüchtigen die die Beratungsstelle in Stuttgart 2008 aufsuchten, waren 80 Prozent Automatenspieler.

Der relativ kurze Spielzyklus bei dem nach wenigen Sekunden neue Einsätze möglich sind, seie der größte Suchtauslöser.

Das so genannte Daddeln gefährdet bei vielen Betroffenen die Existenz, selbst wenn die Technik das Spiel bei einem Gewinn von 500 Euro oder einem Verlust von 80 Euro automatisch stoppt. Laut Zeltner ist die Beschaffungskriminalität der nächste Schritt in eine ausweglose Situation.

Für Fachleute hat das ausufernde gewerbliche Glücksspiel in Baden Württemberg mehrere Gründe, nicht zuletz gilt der Südwesten für Automatenaufsteller als Entwicklungssland. Statistiken zufolge kamen im Jahr 2008 669 Einwohner auf ein Gerät. Bundesweit lautet das Verhältnis eins zu 571. Am Aufschwung ist auch der Gesetzgeber nicht unschuldig, denn seit der Reform der Spielverordnung Anfang 2006 dürfen statt bisher zehn Automaten zwölf Automaten stehen und auch in Gaststätten sind statt früher zwei nun drei Automaten erlaubt. Auch die Einlasskontrollen in den staatlichen Spielbanken treiben die Spieler in die Spielhallen.

In den Spielbanken hat dies „zu Besucherrückgängen von 30 Prozent am Automatenspiel geführt“, so Innenminister Heribert Rech (CDU). Die Umsätze in den Spielbanken sinken dramatisch. Der Minister rechnet in diesem Jahr mit einem Bruttospielbetrag von 71 Millionen Euro, dieser Wert lag 2005 noch bei 106,2 Millionen Euro. Experten wie Günther Zeltner fordern Zugangskontrollen auch in Spielhallen, um die Suchtgefahr einzudämmen, und wenig attraktive Geräte mit geringem Gewinn und Verlust, denn ein Bebauungsplan dürfte das Problem nicht beheben sondern lediglich verlagern.