Las Vegas des Ostens in Vockerode

Es sprühen wieder Funken der Hoffnung in Vockerode. Der Stellvertretende Bürgermeister Rüdiger Schmidt betont "das ist ein schönes Weihnachtsgeschenk." Das auch die nächsten Schritte bedacht werden sei sehr vernünftig.

Das Lob gehe an die Adresse von Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD), der bei den Verhandlungen mit der zypriotischen Sybil-Group um die Spielbankenlizenz das Vorhaben in Vockerode einbeziehe. Nach eigenen Angaben will die Sybil Group die drei Spielbankenstandorte in Halle, Magedburg und Werningerode aufrecht erhalten und zusätzlich in Vockeroder ein Las Vegas des Ostens bauen.

Es geht um die Nachnutzung des früheren Kraftwerksgeländes. Neben einem Kasino sind unter anderem 1 500 Zimmer in Vier-oder Fünf Sterne Hotels vorgesehen.300 bis 500 Millionen Euro sollen dafür investiert werden. Durch den Betrieb des Enterteinment Centers sollen rund 3 400 direkte und weitere 3 600 indirekte Jobs entstehen. Die Einwohner warten seit Jahren auf ein solches Jobwunder. Vor allem mit Blick auf den benachbarten Würlitzer Park seien Kompromisse durchaus machbar.

Den Weltkulturerbestatus sieht Thomas Weiss, Direktor der Kulrustiftung nicht gefährdet. "Die Menschen in der Region passen schon auf, dass ihrem Gartenreich nichts passiert." über die Gestaltungsmöglichkeiten seien die Investoren bereits informiert und die Flächen des früheren Kraftwers seien bereits Eigentum der Sybil Group.

Helgs Elschner, Landeschefin des Steuerzahlerbundes, erklärte das mögliche Subventionen sehr fraglich seien und eigentlich auch nicht machbar. Es könne nicht sein, dass das Land mit dem Verkauf der Spielbanken durch die Hintertür öffentliche Fördermittel zusage. Hintergrund ist eine Ankündigung des Finanzministeriums, die Forderungen nach staatlicher Hilfe im Landtag diskutieren zu wollen. Das Land soll so die Spielbanken Abgabe von 50 Prozent auf 40 Prozent senken.

Das der traditionelle Kasino Markt stirbt und von Entertainment Parks abgelöst wird, davon sind die Zyprioten bereits überzeugt. "Mit diesem Konzept konnten bereits einige Investoren aus Israel und den USA überzeugt werden", so Stefan Sadeh, Geschäftsführer der Sybil Management GmbH. Die Idee für ein Spielerparadie in Vockerode ist auch in Vockerode nicht neu. Bereits vor vier Jahren hatte der Energiekonzern Vattenfall einen Wettbewerb für die Nachnutzung des alten Kraftwerks augelobt.

Der "Kasino Kohlebunker" der Universität Weimar erhielt einen der ersten Preise. Damals saß Bürgermeister Schmidt in der Jury, nun könnte sich ein Traum für ihn erfüllen.

Zyprioten sind die letzte Hoffnung

Der Status der zypriotischen Sybil­Group lautet bei den Verkaufsverhandlungen der Spielbankengesellschaft Sachsen Anhalt derzeit­von der ungeliebten Nummer drei, zur letzten Hoffnung. Eine Art Las Vegas des Ostens soll am ehemaligen Kraftwerk Vockerode errichtet werden, das plant die Investorengruppe, doch dazu benötigt sie die Spielbankenlizenz des Landes.

Die Gruppe gelangt auf diese Weise in den Bieterkreis für die Privatisierung der defizitären Kasinos in Magdeburg, Halle und Werningerode. Das Land versucht seit längerem, den Zuschussbetrieb ­ drei Millionen Euro in den vergangenen zwei Jahren ­ loszuwerden und hatte dazu zunächst mit vier und später drei Interessenten verhandelt. Die Spielbank Berlin war ganz klar die Nummer eins, hatte bereits den Zuschlag vom Lande, sprang jedoch im selben Monat ohne Angaben von Gründen ab.

Somit blieben nur noch die Spielbanken Mecklenburg­Vorpommern und die Zyproten im Rennen. Allerdings stand das Vorhaben der Sybil­Group in Vockerode wegen seiner Größe ­ 300 Millionen Euro sollen in Kasinos, Hotel, Gastronomie und Erlebnisshopping investiert werden ­ stark in der Kritik. In der Landesregierung und auch im Landtag war man sich nicht sicher, ob das Unterfangen seriös sei. Die Zyprioten legten auf Druck des Finanzministeriums ein erfolgreiches Angebot vor, dass den Erwerb der Spielbanken auch unabhängig vom Projekt Vockerode beschreibt. Daraufhin hatte sich die Steuergruppe Spielbanken der Landesregierung daruf verständigt, nur noch mit der Sybil­Group zu verhandeln. Somit sind die Spielbanken Mecklenburg­Vorpommern aus dem Rennen. Für die Übernahme der drei Kainos hatten sie noch einen Bonus des Landes verlangt. "Es gibt ein negatives Kaufpreis­Angebot", so Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD). Über die Höhe wurde nichts bekannt gegeben. Während die Sybil­Group dem Land in allen wesentlichen Forderungen Entgegenkommen signalisiert haben soll, haben die Mecklenburger offenbar bei nachfolgenden Sondierungsgesprächen keine substanzielle Änderungen an ihrem Angebot unterbreitet. Darunter verbindliche Investitionszusagen und die Bereitstellung von finanziellen Sicherheiten.

Bis Ende November sollen die Verhandlungen nun zum Abschluß gebracht werden. Auch ein Scheitern der Verhandlungen wird in der Steuergruppe allerdings nicht ausgeschloßen.Somit ist eine Liquidation der Gesellschaft noch nicht vom Tisch. Unter Führung des Landes ist auch die Restrukturierung der Gesellschaft noch eine theoretische Option.