Pokerräuber haben Angst auszusagen

Der Pokerraub-Prozess nimmt seinen Anfang. Die Beschuldigten gestehen die Tat, aber mehr auch nicht. Eine Reihe von Persönlichkeiten vom Kiez saß mit im Gerichtssaal. Die Aussagen sind nach den Ermittlungen unzweifelhaft.

Ein Vierteljahr nach dem Überfall auf ein Pokerturnier im Berliner Luxushotel Hyatt am Potsdamer Platz räumten die Angeklagten vor einer Jugendkammer des Berliner Landgerichts die Tat ein. Zwei Beschuldigte, unter ihnen der mutmaßliche Kronzeuge Vedat S. ließen ihre Anwälte zu diesem Punkt eine knappe Erklärung mit dem Inhalt vorlesen, dass die Anklage korrekt sei und man nichts über die Hintermänner aussagen und auch sonst keine Fragen beantworten werde.

Nur der 20jährige Mustafa U. wurde etwas deutlicher. Er machte ebenfalls einen eingeschüchterten Eindruck und wollte bei seiner Aussage augenscheinlich nicht zu viel sagen. Das hat seine Gründe, denn auf den Zuschauerbänken befanden sich eine Reihe bekannter Persönlichkeiten aus seinem Kiez in Neukölln, die gute Ohren hatten. Bei allen Aussagen stellte sich heraus, dass die 19 und 21 Jahre alten Männer nur die Handlanger waren. Ausgedacht und ausgeführt haben diese Tat ganz andere.

Mustafa U. sagte aus, dass er am Morgen des 6.3. von seinem Komplizen Vedat S. per Telefon geweckt worden sei. Er solle mal eben herunterkommen und sich beeilen. Vedat S. habe ihn und einen weiteren Komplizen mit dessen Mercedes zu einem McDonalds Restaurant am Potsdamer Platz gefahren. Auf dem Weg mussten sie die SIM- Karten aus ihren Handys nehmen. Wenig später wurden sie in davon Kenntnis gesetzt, was eigentlich geplant war. Der Überfall auf das gelegene Luxushotel. Er wollte eigentlich gar nicht mitmachen, denn er sei ja erst vor zwei Monaten aus dem Gefängnis entlassen worden.

Er habe Muffensausen bekommen und wollte sich irgendwie aus der Sache herauswinden, dies sei ihm aber nicht geglückt. Ein älterer, der im McDonalds auf sie wartete, redete auf ihn ein, dass sie zum Gespött des ganzen Kiezes würden, wenn sie nicht mitmachten. Der Tippgeber hätte ihnen eine große Chance gegeben. Mustafa U. war auch der einzige der Angeklagten, der diesen Mann näher beschrieb. Es sei ein Onkel eines der Angeklagten, den 28 Jahre alten Libanesen Ibrahim El-M., auch Ibu genannt. Derselbige soll die vier jungen Männer gedroht haben, wenn sie festgenommen würden, in keinem Fall seinen Namen preiszugeben.

Egal wie viele Jahre Gefängnis man ihnen zu geben droht. Die Welt sei ein Dorf und man würde sich irgendwann einmal wieder begegnen. Vermutlich war diese Drohung, neben den böse dreinblickenden Zuschauern im Saal für ihn, sich nicht allzu genau zu äußern. Er habe keine Ahnung welches Alter Ibrahim habe, er würde ihn ja nicht kennen, sagte er, als er Richter um genauere Auskünfte bat. Noch verunsicherter und verschlossener wurde Mustafa U. als sich der Richter nach einem sechsten Mann erkundigte, nach einem Drahtzieher, der sich an einem der Spieltische befand und von dort aus per Mobiltelefon die Anweisungen und den Startschuss für den Überfall gab.

Davon wisse er nichts, murmelte der Angeklagte und zuckte mit den Schultern. Aber fast jedem im Saal war klar, dass die Staatsanwaltschaft mit diesem sechsten Mann den 31-jährigen Mohamed Abou-C. vermutet. Er stammt aus demselben Kiez und soll laut Information eines Ermittlers in der Rangordnung noch über Ibrahim El-M. stehen. Auch gegen ihn wurde Anklage erhoben, er und Ibrahim El-M. werden sich separat wegen des Überfalls auf das Turnier vor Gericht verantworten müssen.

Die Organisation, das wurde am ersten Tag des Prozesses ebenfalls klar, war nicht konkret und auch wenig überlegt. Laut Mustafa U. sollte die Tat vor dem Hotel abgewickelt werden, wenn die Wachleute, die Einnahmen des Tages in die gegenüberliegende Spielbank bringen, doch dieser Plan wurde geändert. Die vier Täter sollen direkt in dien Spielraum zu dem ungeschützten Tresor gestürmt sein. Ibrahim El-M. habe die Anweisung gegeben, laut zu schreien, reinrennen und soviel mitnehmen wie möglich, so Mustafa U. Dieser Plan ging, denn der Überfall brachte viele Teilnehmer in Panik. D

ie Täter konnten nach einem Scharmützel, bei dem Wachleute verletzt wurden, mit über 240.000 Euro flüchten. Jeder Angeklagte soll davon 40.000 Euro bekommen haben. Bisher hat nur Mustafa U. 4.000 Euro zurückgezahlt. Der Richter sagte zu den Angeklagten, dass es ihm am besten gefiele, wenn deren Verteidiger mit dicken Tüten mit dem Geld aufwarten könnten. Doch dies sei wohl ein Wunschtraum.