Mit der Spielsucht in den Ruin

Mit der Spielsucht in den Ruin

An einem Spielautomaten im Schweizer Kasino St. Gallen gewann der Spieler umgerechnet rund drei Millionen Euro, auch als der Direktor mit einer Flasche Champagner neben ihm stand, hatte er noch nicht realisiert, dass der Gewinn ihm gebührte. Doch wie ein deutsches Sprichwort so schön sagt: wie gewonnen, so zerronnen.

Im Nachhinein gibt der Österreicher an, dass er sich nach diesem Millionengewinn wohl erst einmal hätte besinnen sollen, aber neben dem Ausgeben des Geldes mit vollen Händen investierte der Spieler dieses auch zu großen Teilen in das Glücksspiel. Doch nicht nur der Gewinn war am Ende fort, auch ein riesen Berg an Schulden hatte sich bei Netzer in den vergangenen Jahren nach dem Gewinn angesammelt.

Wenn Netzer auf die Zeit des Gewinns zurückblickt, dann kriegt er heute ein bitteres Gefühl. Er hätte von dem Geld leben können, so der Spieler in einem Interview. Heute leben er und seine Familie von Sozialleistungen. Die Spielsucht habe den Mann in den Ruin getrieben, so reflektiert der österreicher selber. In der nächsten Zeit soll nun vor Gericht entschieden werden, ob das Casino in St. Gallen Mitverantwortung an dem Schicksal des Mannes trägt.

Hier gilt es zu entscheiden, ob die Spielbank hätte handeln müssen, als der Spieler viele Tage danach seinen Gewinn im Spielcasino auf den Kopf klopfte. Neben dem Verteilen von Informationsbroschüren sollten die Mitarbeiter geschult sein, Spielsucht zu erkennen und die Spieler rechtzeitig aufmerksam zu machen und Präventionsmaßnahmen vorzustellen, so ist es in vielen Ländern. Ob dies für das Casino St. Gallen nun auch zutrifft soll vor Gericht entschieden werden. Die Klage kam von Jürgen Netzer selber und wird nun vor dem Landesgericht Feldkirch verhandelt.

Wie bei vielen pathologischen Spielern begann die Spielerkarriere ganz harmlos. Beim Kartenspielen konnte der junge Mann vor vielen Jahren erste Erfolge verbuchen und nahm diese zum Anlass immer weiter zu spielen. Der erste Casinobesuch resultierte in einem Gewinn und da begann seine Spielerkarriere schlussendlich wahrscheinlich. Was folgte war nicht immer von Erfolg gekrönt und dennoch können Spielsüchtige meist aus eigener Kraft mit dem Spielen nicht aufhören.

So verlief die Spielerkarriere auch bei Netzer. Wenn das Geld ausgeht, um dieses ins Spielen zu investieren, werden Schulden gemacht und Kredite aufgenommen. Nachdem der Millionengewinn dann ins Haus flatterte, hätte alles bergauf gehen können, doch bei krankhaften Spielern ist dies leider selten der Fall. Hohe Verluste, psychische Störungen und Depressionen führten Netzer ins Krankenhaus. Ein Mann der alles gewann, hat durch seine Spielsucht alles und viel mehr wieder verloren und sich so in den Ruin getrieben.