Österreich: Kräftemessen zwischen Glücksspielbranche und Politik

Österreich: Kräftemessen zwischen Glücksspielbranche und Politik

Die Interessen beider Parteien scheinen nicht vereinbar und daher wirkt die Regulierung des Glücksspiels in Österreich wie ein Kräftemessen zwischen Glücksspielbranche und Politik. Trotz der Uneinigkeit ist die Glücksspielbranche ein wichtiger Wirtschaftssektor für Österreich.

Die Grundlagen des Glücksspiels in Österreich:

– Verbot des kleinen Glücksspiels in Wien, Salzburg, Tirol und Vorarlberg auf Landesebene

– sowohl der Staat, als auch die einzelnen Bundesländer sind eigentlich dazu berechtigt, eine Lizenz für das Glücksspiel auszustellen

– Casinos Austria als die Gesellschaft, welche die Rechte über die staatliche Lizenz für das Glücksspiel hat und mehr als 600 Automaten in Österreich betreibt

– trotz Lizenz betreiben die Casinos Austria keine Spielautomaten in Wien

– aktuell ist der Einstieg des Entwicklers von Spielautomaten, Novomatic, im Gespräch

Bedeutung des Einstiegs von Novomatic

Die Gefahr des Einstiegs von Novomatic bei den Casinos Austria ist die, dass die Lizenz des Anbieters auf diesem Weg missbraucht werden könnte. Diese Gefahr sehen vor allem auch die Politiker. Novomatic hätte unter diesen Umständen die Möglichkeit, dank der Lizenz der Casinos Austria, in entsprechenden Regionen Spielautomaten zu betreiben, obwohl vor Ort das Verbot des kleinen Glücksspiels vorherrscht. Aufgrund des geplanten Einstiegs von Novomatic ist bei den Politikern nun bereits die Rede davon, den Casinos Austria die staatliche Lizenz zu entziehen.

Glücksspielbilanz Österreich von 2015

Glücksspielbilanz Österreich von 2015

Für die Branche der Sportwetten und Online Glücksspiele bedeutet das angestiegene Glücksspielverhalten der Bevölkerung, dass die Branche höhere Umsätze im vergangenen Jahr generieren konnte und somit stark zulegte.

Die Fakten für die Einschätzung der positiven Jahresbilanz 2015:

– Nettoerlöse der Branche stiegen 2015 um gut drei Prozent auf 1,551 Milliarden Euro

– rückläufiges Automatenspielangebots

– kräftig zulegen konnten Casinos, Sportwetten und Online-Gaming

– Lotterien hielten sich relativ stabil

– Einnahmen der Lotterie-Glücksspiele: 663 Millionen, ein leichtes Minus von 0,90 Prozent zu 2014

– Umsatzplus von 5 Prozent bei "Lotto 6 aus 45" nach einer Preiserhöhung im Juli 2014

Automatenverbot in Wien führt zu Rückgängen

Im Jahr 2015 trat das Automatenverbot in Wien in Kraft. Dementsprechend ist es heute kaum verwunderlich, dass die Branche um 10% weniger erwirtschaftete, eine Summe in Höhe von 338 Millionen Euro. Während das legale Automatenspiel einen Rückgang verbuchen muss, nahm das illegale Automatenspiel zu und die Nettoerlöse mit illegalen Automaten stiegen laut Studie um 60 Prozent auf 116 Millionen Euro.

Sportwetten und Online Glücksspiel Boom

Nicht zuletzt wird es auch dem Automatenverbot in Wien zugeschrieben, dass die Branche der Sportwetten und die Online Glücksspiel Branche einen Boom im letzten Jahr erlebten. Spieler nahmen das Verbot im vergangenen Jahr zum Anlass, um sich entsprechende Alternativen zu suchen, welche sie im Bereich der Sportwetten und des Online Glücksspiels gefunden haben.

Glücksspiel: Steuern und Abgaben in Österreich

Glücksspiel: Steuern und Abgaben in Österreich

Die Steuern des Glücksspielmonopolisten belaufen sich auf circa 520 Milliarden Euro, die von Seiten des Unternehmens im Jahr 2015 an den Finanzminister abgeführt wurden. Einen Großteil dieser Steuern zahlt jedoch nicht das Unternehmen selbst, sondern diese Gelder sind Gelder der Steuerzahler, die diese abführen müssen oder eben von den Jackpots abgezogen werden.

Geschichte von Steuerzahlungen beim Glücksspiel:

– in 2008 wurde die Spielbankenabgabe von 48 Prozent auf 30 Prozent gesenkt

– größer werdender Konkurrenzdruck durch Glücksspielkonzern Novomatic in dieser Zeit

– EU-Kommission ging gegen das Monopol der Casinos Austria vor

– 12 Inlandscasinos waren trotz des Monopols in den roten Zahlen

– Casag ließ alle ihre politischen Verbindungen spielen

– ein Deal wurde ausgehandelt

Kein Regulator für das Gaming Business

In Österreich gibt es bisher noch keinen Regulator für das Gaming Business. In vielen anderen Ländern gibt es bereits unabhängige Glücksspielbehörden. Entsprechende Behörden sind dafür zuständig, den Markt und die Einhaltung des Spielerschutzes zu überwachen. Gerade in Österreich wäre eine solche Behörde allerdings besonders wichtig, denn das Finanzministerium steckt in einer groben Interessenskollision.

Zum einen ist das Ministerium für das Glücksspiel zuständig, gleichzeitig jedoch gilt die Behörde als Miteigentümer eines der bedeutendsten Unternehmen in Österreich. Auch wenn der Entwurf des Finanzministeriums für die Aufsicht bereits fertig ist, so wird diese weiterhin von der SPÖ blockiert.

Kluft zwischen österreichischen und bayerischen Spielbanken

Kluft zwischen österreichischen und bayerischen Spielbanken

Weltweit übten die Casinos noch vor einigen Jahren einen großen Reiz auf die Besucher aus. Gehobene Etablissements, schicke Abendkleidung, klappernde Jetons und Adrenalin pur. Dieser Reiz scheint jedoch für die Besucher in den bayrischen Spielbanken verloren gegangen zu sein. Auf der anderen Seite können die österreichischen Spielbanken, zu denen die in Riezlern im Kleinwalsertal, in Lindau und in Bregenz gehören, weiterhin Erfolge verbuchen. Nach Angaben von Bernhard Moosbrugger, Direktor der Spielbanken Bregenz und Kleinwalsertal, würde alleine die Spielbank in Bregenz im Jahr mehr Umsätze verbuchen, als alle neun Spielbanken in Bayern zusammen.

Bayrische Spielbanken arbeiten defizitär

Liegt es am Rauchverbot? Ist die strenge Gesetzgebung in Deutschland Schuld an dem Umsatzrückgang der bayrischen Spielbanken? Die Spielbankenchefs sehen sich selbst mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert. Vom Rauchverbot angefangen, über vorgegebene Schließzeiten bis hin zu der immer stärker werdenden, illegalen Konkurrenz aus dem Internet. Während die Spielbanken in Deutschland unter der gesetzlichen Regelung leiden, haben die Gesetzgebungen in Österreich den Spielbanken vor Ort dem Erfolg bisher keinen Abbruch getan.

Fordert illegal verspieltes Geld zurück!

Fordert illegal verspieltes Geld zurück!

Hierbei spielt es keine Rolle, ob das illegale Angebot in Spielhallen, Restaurants, Gaststätten oder Hinterzimmern verloren wurde, Spielerschützer rufen dazu auf, das verlorene Geld aus dem illegalen Glücksspiel zurückzufordern.

Auf der Webseite www.spieler-info.at wird den Spielern empfohlen, was zu tun ist und was benötigt wird, um die Verluste wiederzubekommen.

Was brauchen die Spieler um illegal verzocktes Geld zurückzuerhalten?

– Beratung durch einen sachkundigen Rechtsanwalt

– glaubwürdige Dokumentation aller Spielverluste, z.B. Bankauszüge oder verzockte Kredite

– schriftliche Aufzeichnungen über Spielzeiten und Spielverhalten sowie Zeugen

Erfolgschancen bei diesen Klagen

Spielerschützer haben es sich somit offensichtlich zur Aufgabe gemacht, die illegalen Anbieter mit ähnlichen Mitteln zu bekämpfen. Sachkundige Anwälte sind überzeugt davon, dass auf diesem Weg Gelder zurückerhalten werden können. Da in Österreich die Konzessionen zum Spielerschutz erteilt wurden, sind illegal aufgestellte Spielgeräte hier nicht rechtens.

Wer nun also beweisen kann, dass er an einem illegalen Spielautomaten gezockt hat und wie viel Geld hierbei verloren wurde, der hat gute Chancen darauf, dieses Geld zurückzuerhalten. Vor allem im Falle eines spielsüchtigen Gamers würden die Chancen hierfür besonders hoch stehen, so die erfahrenen Rechtsanwälte. Neben der Aufforderung der Spielerschützer geht darüber hinaus die Finanzpolizei in Österreich effektiv gegen die illegal aufgestellten Automaten vor. Es wurden bereits zahlreiche Betriebe kontrolliert und unzählige Spielgeräte beschlagnahmt.