Glückspiel – ein dünner Grat zwischen Spaß und Sucht

Bislang konnte man nur vermuten, wie viele österreicher der Spielsucht zum Opfer fallen oder ein Problem mit dem Spielen haben, hierzu gehören Lottospielen, Rubbellose und Automaten.

Die "österreichische ARGE Suchtvorbeugung" bringt zum ersten Mal genaue Zahlen aufs Tapet. Sie führte eine detaillierte Studie durch, bei der nicht nur die breite Bevölkerung sondern auch Spieler, Spieler im Netz und Menschen, die bei Glücksspielbetreibern arbeiten, interviewt wurden.

Binnen des letzten Jahres haben 42 Prozent der Bürger die Glücksspiele genutzt und bei den Minderjährigen war dies schon rund ein Zehntel. Rund 66 Prozent der Spieler sind normale Lottospieler. Doch etwa 64.000 Menschen im Land haben ihre Schwierigkeiten mit dem Spiel am Automaten.

Der Studienleiter, der am Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung in Hamburg arbeitet, sagt aus, dass die Hälfte der Personen, welche im letzten Jahr einen Automaten in einer Spielhalle oder Gaststätte genutzt haben, Spielprobleme haben, oder schon der Spielsucht anheimgefallen sind.

Bei Spielautomaten, die sich im Casino befinden, war das Risiko erheblich kleiner. Das Glücksspielgesetz des Landes, das erst vor Kurzem Neuerungen durchlief, stand im Kreuzfeuer der Kritik. Man sieht große Verbesserungsnotwendigkeit, besonders in Bezug auf den technischen Schutz der Spieler.

Man fordert die Entschärfung der Automaten und die Anhebung der Spielzeit. Die maximalen Spieleinsätze sollen aber geringer werden. Danach sollte es weniger Debatten geben, da die Automaten zu Unterhaltungsgeräten umfunktioniert werden. Das bedeutendste Fazit ist auch der Bedarf an einem Jugendschutz, der im ganzen Land kohärent ist.

Auch wenn Sportwetten im Land nicht als Glücksspiel sondern als Geschicklichkeitsangelegenheit angesehen werden, waren sie ebenfalls Bestandteil der Studie. Der Leiter sagt, dass jeder siebte Befragte zu problematischem oder krankhaftem Spielverhalten neigt.

Die Sportwetten sind anders geworden und es ist nötig, dass sie im Gesetz als Glücksspiel aufgeführt sind. Auch die Spiele im Netz erleben Zulauf. Fünf Prozent der Nutzer haben ein problematisches Spielverhalten und elf Prozent haben ein Risikopotential.

Ein Universitätsprofessor von der "Spielsuchtambulanz de la Tour" in Villach befasst sich mit der Frage, wieso der eine an Spielsucht erkrankt und der andere verschont bleibt.

Er begründet dies damit, dass unkontrollierte Denkprozesse einsetzen, die Betroffenen hielten sich für von Fortuna geküsst und erliegen dem Irrglauben, dass der Automat beherrschbar sei.

Rund 50 Prozent haben seiner Einschätzung nach noch ein Suchtproblem, wie Alkohol oder Rauschgift. Maximal 15 Prozent versuchten bereits, sich das Leben zu nehmen und viele leiden unter depressiven Süchten. Schlussendlich herrschen hier massive Minderwertigkeitskomplexe vor.

Zudem leiden sie unter dem gesellschaftlichen Urteil, sie agieren nicht mehr als normale Arbeitnehmer, Partner und Mitglieder einer Familie, weil das Spiel im Mittelpunkt steht. üblicherweise haben sie einen hohen Schuldenberg oder sind bereits kriminell geworden, um an Geld für ihre Sucht zu kommen.

Deswegen sind Investitionen in Suchtvorbeugungsmaßnahmen so maßgebend, doch die mangelnde finanzielle Unterstützung der Einrichtungen zum Spielschutz spotten jeder Beschreibung.