Anzahl der Suchtkranken stetig steigend

Anzahl der Suchtkranken stetig steigend

In Suchtberatungsstellen sind die Süchte jeden Tag aufs Neue Thema, so auch in Suchtberatungszentrum des Advent-Wohlfahrtswerkes. Kerstin Knorr arbeitet vor Ort als Suchttherapeutin, hat in ihrer Laufbahn bereits 1900 süchtige Menschen behandelt und gibt an, dass die Anzahl der Suchtkranken Menschen mehr und mehr ansteigt. Die 53-jährige Leiterin der Suchtberatungsstelle kann einen süchtigen Menschen schon von weitem erkennen, dies lernte sie während ihrer Arbeit in der Beratungsstelle.

Die Anzahl der hilfesuchenden Suchtkranken habe sich nach Angaben von Knorr im Laufe der Jahre fast verdoppelt. Am häufigsten komme die Alkoholsucht vor, an zweiter Stelle stehe die Drogensucht. Pathologische Spieler gibt es derzeit noch weniger, als die anderen suchtkranken Menschen, allerding sei die Spielsucht erst seit 14 Jahren als Sucht anerkannt, so die Leiterin der Einrichtung. Nicht nur, dass die Menschen immer mehr von solchen Suchtverhalten betroffen sein, auch habe die Beraterin das Gefühl, dass im Laufe der Jahre immer mehr Süchte neu dazu kommen.

Suchtkranke Menschen haben selten selbst die Motivation sich an Beratungsstellen zu wenden, so die Experten. Meist werden die Suchtkranken von Familie, ärzten oder Freunden auf die bestehende Sucht aufmerksam gemacht und bekommen die Empfehlung, sich professionelle Hilfe zu suchen. Unter den Alkoholkranken befinden sich nach Angaben er Therapeutin Knorr heute mehr und mehr Rentner.

Bei den Rentnern gehe es nicht um die Rückkehr in die Arbeitswelt, jedoch brauchen viele der Süchtigen Hilfe dabei, die eigene Freizeit zu gestalten, ohne nebenher zur Flasche zu greifen. Bei den Rentnern ist es meist der Alkohol, dem sich die älteren Menschen zuneigen und dessen Konsum sich schnell zur Sucht entwickeln kann. Gründe für die Alkoholsucht im Alter sind oft Partnerverlust, Kriegserlebnisse, Krankheiten und Einsamkeit, daher sei die Anzahl der alkoholkranken Rentner im Laufe der Jahr immer mehr angestiegen mit der Tendenz weiterhin zu steigen.

Casino Baden-Baden muss Spielschulden klagen

Ein ungewöhnlicher Fall vor Gericht: das Casino Baden-Baden wurde dazu verklagt die Schulden eines Spielsüchtigen zu bezahlen, da das Casino ohne weitere Prüfung die Casinosperre des betroffenen Suchtkranken frühzeitig aufgehoben hatte.

Entschieden wurde dieser Fall vor dem Bundesgerichtshof (BGH) Karlsruhe, wo der Fall verhandelt wurde. Das Casino muss nun die Schulden des betroffenen Spielers in Höhe von 247.000 Euro übernehmen.

Die Klägerin in diesem Fall war die Ehefrau des betroffenen Spielsüchtigen. Dieser hatte sich im Jahr 2004 bei dem Casino sperren lassen, um so der Spielsucht zu entgehen. Das Casino verhängte eine Sperre für den Zeitraum von sieben Jahren. Doch bereits nach zwei Jahren schrieb der Spielsüchtige eine E-Mail an den Betreiber und bat um Aufhebung der Sperre.

Lediglich der Zahlungsverkehr des Suchtkranken wurde überprüft und da dort keine Probleme festzustellen waren, wurde die Sperre kurzerhand aufgehoben, ohne weitere überprüfungen vorzunehmen. Die Konsequenz daraus sind nun Schulden in Höhe von knapp 250.000 Euro, die der Spieler am Roulette-Tisch machte. Die Ehefrau ging mit dem Fall vor das Landgericht Baden-Baden, um den Casinobetreiber auf Schadenersatz zu verklagen.

Sowohl das Landgericht Baden-Baden als auch das Oberlandesgericht Karlsruhe lehnten die Klage ab, da die zuständigen Richter entschieden, dass das Casino keine Verantwortung für die hohen Schulden des Mannes, die sich innerhalb von etwa 1,5 Jahren angesammelt hatten, tragen müsse. Am Ende wurde der Fall nun vor dem BGH verhandelt. Hier wurde letztlich entschieden, dass das Casino Verantwortung zu tragen hat, denn bei Aufhebung einer Sperre, muss der Fall erst einmal eingehend geprüft werden, bevor man die Aufhebung vornehmen kann.

Es hätte ein Gutachten eines Sachverständigen angefordert werden müssen, bevor man eine Entscheidung über die Aufhebung der Sperre trifft. Da jedoch kein Gutachten angefordert wurde und nur unzureichende Prüfung erfolgte sieht der BGH das Casino in der Mitverantwortung und der Betreiber wurde deshalb dazu verurteilt die Schulden des Spielsüchtigen zu begleichen.

Casino muss unterlassene Prüfung teuer bezahlen

Die Spielbank in Baden-Baden wird aller Wahrscheinlichkeit nach etwa 250.000 Euro aus Spielverbindlichkeiten eines Suchtkranken übernehmen müssen.

So urteilte der BGH im Rahmen eines Grundsatzurteils. Da die Spielbank den Kranken trotz Spielsperre weiterzocken ließ, leitete die Frau des Kranken Klage gegen das Casino ein. Ein solches hat die Verbindlichkeiten eines Suchtkranken zu begleichen, sollte es die Sperre früher und ohne Prüfung des Inhalts abschaffen.

Dieses Urteil wurde vom BGH im baden-württembergischen Karlsruhe öffentlich gemacht. Die Spielbank wird diesen Betrag nun begleichen müssen. Der Mann hatte sich freiwillig vor sieben Jahren einer Sperrung unterzogen, als er beim Roulette eine Menge Geld in den Sand gesetzt hatte. Diese wurde für sieben Jahre vollzogen, doch schon zwei Jahre später sendete der Herr eine Nachricht und wollte die Sperre abschaffen, Grund waren geordnete Finanzverhältnisse.

Eine Auskunft des Casinos brachte ans Licht, dass der Geldverkehr des Herrn keine Probleme aufwies und so wurde die Sperre rückgängig gemacht. Der Mann setzte sich nochmals an den Roulettetisch und machte binnen eineinhalb Jahren rund eine Viertelmillion Euro Schulden. Die Gattin des Kranken leitete gegen das Casino Klage auf Entschädigung ein, da die Sperre ohne vorherige Prüfung rückgängig gemacht wurde.

Das Landgericht im Ort des Casinos und das OLG in Karlsruhe wiesen die Klage ab, doch der Bundesgerichtshof nahm die Klage an und war der Ansicht, dass die Spielstätte ihre Pflicht zur überprüfung verletzt hatte. Ohne einen hieb- und stichfesten Beweis, dass ein Schutz des Spielers vor seiner Person nicht mehr erforderlich ist, muss die Sperre nach wie vor bestehen bleiben.

Der Betroffene muss ein Gutachten eines Sachverständigen einreichen. Schon vor sechs Jahren urteilte der dritte Zivilsenat des Bundesgerichtshofs, dass eine Spielstätte auf Bitten eines Suchtkranken nicht nur eine Sperre aussprechen darf, sie kann auch mit der Prüfung des Personalausweises eine Kontrolle durchführen.

Mithilfe der Sperre hat die Spielbank die Pflicht, den Spieler auch gegen den ausdrücklichen Wunsch vom Spiel fernzuhalten. Infolge des aktuellen Richterspruchs hat der Vertrag zur Sperrung wenig Sinn, wenn der Spieler darüber entscheiden kann, wann dieser wieder abgeschafft werden kann.

Bei der Argumentation des Urteils hebt das Gericht die Besonderheit dieses Vergnügens im Gegensatz zu anderen juristischen Geschäften hervor. Die Einschränkungen durch den Staat sind mit dem Risiko der Spielsucht und einem hohen Schuldenberg der Betroffenen zu begründen.

Aufgrund dieses Risikos kann nicht jeder eine eigene Entscheidung treffen, welche Abkommen er eingeht. Auch deswegen ist Maßgeblichkeit der eigenen Entscheidungsfreiheit in Bezug auf die Spielbanken und Spieler schon etwas anders geartet als in einem normalen rechtlichen Geschäft.

Damit die exakte Summe der Spielschuld ermittelt werden konnte, ging die Sache wieder an das OLG in Karlsruhe.

Automatenspiel hat geringeres Gefahrenpotential als angenommen

Wie das Lotto und die Lotterien auch, wird das Automatenspiel mit Gewinnabsicht als wenig riskante Spielart eingestuft.

Zwei Professoren, die am Forschungsinstitut für Glücksspiel und Wetten in Bonn tätig sind, haben diese Tatsache ermittelt und sie schlussfolgerten auch, dass Glücksspiel, welches in Spielbanken mit staatlicher Zulassung angeboten wird, im Gegensatz zum Automatenspiel wesentlich gefährlicher ist.

Bei den virtuellen Glücksspielen ist die Gefahr noch höher. Sie definieren schwieriges Spielen so, dass suchtkranke Spieler durch ihr Verhalten in den wirtschaftlichen Ruin schlittern und Hilfe vom Staat brauchen.

In dieser Hinsicht nahmen sie auch das Glücksspiel und Gewinnspiel im Land unter die Lupe. Ihr Untersuchungsansatz ist rein wirtschaftlicher Natur. Die Spielgewinne in Bruttoform, sprich die Beträge welche nach Gewinnzahlung bei den Anbietern blieben, sind die Summen, die den Spielern durch die Lappen gehen.

Diese betragen etwa 10 Milliarden Euro und dieser Betrag beweist, wie viel die Bundesbürger in das Glücksspiel investieren. Dies wird in Lotto, Toto, Poker, Spielbanken, Automatenspiel und weitere Kategorien unterteilt.

Die obengenannte Summe machte eine Analyse nach gesellschaftspolitischen Gesichtspunkten unmöglich. Nach Ansicht der Professoren ist es wichtig, die Anzahl der Suchtkranken damit in Relation zu bringen, nur so ist es möglich, die Lasten für die allgemeine Bevölkerung auszumachen.

Bei der Auswertung hat man überraschende Resultate ermittelt. Bis dato war man in der Forschung in Sachen Spielsucht der Meinung, dass das Automatenspiel das größte Manko ist.

Die Professoren haben es geschafft, diese These zu widerlegen. Man arbeitete einen sogenannten Pathologie-Potenzial-Koeffizienten aus, der zum ersten Mal hieb- und stichfeste Kennzahlen erbringt, mit deren Hilfe man die Belastung der Allgemeinheit infolge des Glücksspiels ermittelt kann.

Die Forschungen der Professoren machen deutlich, dass das Automatenspiel nicht so gefährlich ist, wie die Spielbanken mit staatlicher Zulassung und das Online Glückspiel.