Über dem Aufkauf der sächsischen Casinos hängt ein bedrohliches Damoklesschwert

Seit gestern kümmert sich die Glückspielaufsicht um die Finanzen und Geschäfte der Sybilgroup, die die Spielhallen im Bundesland Sachsen aufkaufen wollte, dies sollte eigentlich schon zu Jahresbeginn über die Bühne gehen. Die Prüfungsbehörde fordert nun in einem mehrseitigen Schreiben, die zypriotisch-israelische Unternehmensgruppe auf, die Unklarheiten bei den Transaktionen zu beseitigen.

Die Bargeldreserve, die für drei Spielhallen vom Gesetzgeber gesetzlich festgelegt ist, wurde vom Unternehmen von 600.000 auf eine halbe Million Euro herabgesetzt. Dazu kommt noch, dass die Firma ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Casinos noch nicht nachgekommen ist. Der Finanzminister ist fest entschlossen, dem Besitzer die Lizenz zu entziehen, wenn die Summe, die schon vor zwei Monaten hätte bezahlt werden müssen, bis Montag nicht auf dem Konto vorliegt.

Ein Ministeriumssprecher bekräftigte zudem, dass die Aufsichtsbehörde für Casino, vom Käufer verlangt, die offenen Fragen zu beantworten. Das Innenministerium sprach sich schon einmal für den Sybel Manager Sadeh als Geschäftsvorstand aus, ungeachtet aller Probleme. Dabei sei aber nur die persönliche Eignung für den Posten ausschlaggebend gewesen, die Abläufe in Casinos waren nur von geringem Interesse. Durch die jetzigen Schwierigkeiten wird die Seriosität des Unternehmens massiv in Frage gestellt.

Wenn das Geld bis Montag nicht da ist, muss geklärt werden, wie vertrauenswürdig der Käufer ist und er wird auf seine Verlässlichkeit hin überprüft werden. Wenn es ganz hart kommt, wird der Gruppe die Lizenz für Glücksspiel entzogen. Doch Sachsen wird nicht darunter leiden, denn Sybil hat zur Sicherheit 2 Millionen hinterlegt, womit die entstanden Kosten gedeckt werden.

Neuer Geschäftsführer in Sachsen

Vor kurzem kaufte die Sybilgroup die Spielbanken in Sachsen und gab gestern letztendlich die neue Geschäftsführung der Casinos bekannt. Mit sofortiger Wirkung haben jetzt Stefan Sadeh, Geschäftsfürher, und Alfred John James, Director, bei den drei Standorten Magdeburg, Halle und Werningerode das Sagen. Der 46jährige Stefan Sadeh ist geborener Franzose und wuchs in Israel auf, er ist ebenfalls der Geschäftsführer der Sybil Management GmBH, dass das geplante Mega Casino Projekt in Vockerode betreut. "Der Erwerb der Spielbanklizenz für die drei bestehenden Standorte war für uns deshalb ein wichtiger erster Schritt", so Sadeh.

John James ist dagegen mit seinen 53 Jahren ein alter Hase im Casino Geschäft. In den 1970ern fing er als Roulette Croupier in einem Casino an. Im Conrad Casino Istanbul arbeitet er sich erst zum Games Manager und anschließend zum Casino Direktor im Club Hotel Casino Loutraki in Griechenland hoch.

"Wir möchten die Spielbanken wieder sichtbarer machen. Dazu werden wir zunächst einen neuen modernen Namen finden.", so James. "Ein simples ‘Weiter-so’

kann und darf es nicht geben. Wir werden neue Spielformen einführen, Gewinnspiele, Verlosungen und andere Aktionen. Sie dürfen gespannt auf die nächsten Wochen sein!"

Zuversichtlich ist auch Geschäftsfürher Stefan Sadeh, die Speilbanken sollen wieder attraktiver werden und die rund 70 Arbeitsplätze sollen gesichert werden. "Gemeinsam mit den Beschäftigten in Magdeburg, Halle und Wernigerode haben wir eine erfolgreiche Zukunft der drei Casinos vor uns", so der siegessichere Stefan Sadeh.

Die Zukunft der Spielbanken

In die Verhandlungen für einen Verkauf der landeseigenen Spielbanken will sich Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) persönlich einschalten. "Ich stehe jedenfalls für ein Gespräch mit den Entscheidungsträgern der zypriotischen Sybilgroup zur Verfügung", meinte er gestern.

Das Land Sachsen-Anhalt favorisiere nach wie vor eine Veräusserung der drei landeseigenen Kasinos an die Sybilgroup, der einzige Kaufinteressent. "Der Investor hat noch eine faire Chance", so der Minister. Zugleich betonte er, die "landesseitigen Vertragsbedingungen" blieben Basis für einen Verkauf.

Zuletzet hatte die Sybilgroup gefordert, die Spielbankenabgabe an das Land von 50 auf 40 Prozent des Bruttospielertrages zu senken. Das lehnte Bullerjahn ab und verwies darauf, dass die 50 prozentige Abgabe Bestandteil des Ausschreibungsverfahrens gewesen sei. Um "ein rechtssicheres Verfahren gegenüber allen bisherigen Bewerbern zu gewährleisten"

muss diese Abgabenhöhe beibehaltet werden.

Er werde dem Kabinett am 15. Dezember eine Liquidation der Spielbankengesellschaft vorschlagen, sollten die Verhandlungen scheitern, so der Finanzminister. Für die rund 80 Spielbanken Mitarbeiter soll dann eine sozialverträgliche Lösung gefunden werden. Bis zu sieben Millionen Euro würde eine Liquidation der Kasinos dem Land laut Bullerjahn kosten.

Gestern Vormittag hatte sich auch eine Arbeitsgruppe, der fünf Staatssekretäre angehören, auf das von Bullerjahn skizzierte Vorgehen verständigt. Die Idee, die Spielbanken in die landeseigene Lotto-Toto-Gesellschaft einzugliedern, wurde jedoch verworfen.

Die Einträge gehen seit Jahren zurück, daher hatte das Land die Spielbankengesellschaft mit Kasinos in Magdeburg, Halle und Werningerrode zum Verkauf ausgeschrieben. Die Erträge sanken alleine 2008 um ein Drittel auf 4,5 Millionen Euro. Eine Finanzspritzen in Höhe von insgesamt drei Millionen Euro hatte die Betreibergesellschaft vom Land zuletzte erhalten um eine Pleite zu vermeiden.

Vier Interessenten hatten sich nach der europaweiten Ausschreibung gemeldet, übriggeblieben war nur die Sybilgroup. Nach eigenen Angaben wollen die Zyprioten auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände in Vockerode 300 Millionen Euro investieren und mehrere hundert Arbeitsplätze schaffen.

Die FDP-Fraktion plädierte gestern für eine Schließung der Spielbanken. "Wenn es keinen Käufer auf dem Markt gibt, bleibt am Ende nur dieser Schritt", sagte Lydia Hüskens. Linke-Politikerin Angelika Klein sagte, die Kasinos müssten entweder rasch privatisiert oder eben geschlossen werden.

Zyprioten sind die letzte Hoffnung

Der Status der zypriotischen Sybil­Group lautet bei den Verkaufsverhandlungen der Spielbankengesellschaft Sachsen Anhalt derzeit­von der ungeliebten Nummer drei, zur letzten Hoffnung. Eine Art Las Vegas des Ostens soll am ehemaligen Kraftwerk Vockerode errichtet werden, das plant die Investorengruppe, doch dazu benötigt sie die Spielbankenlizenz des Landes.

Die Gruppe gelangt auf diese Weise in den Bieterkreis für die Privatisierung der defizitären Kasinos in Magdeburg, Halle und Werningerode. Das Land versucht seit längerem, den Zuschussbetrieb ­ drei Millionen Euro in den vergangenen zwei Jahren ­ loszuwerden und hatte dazu zunächst mit vier und später drei Interessenten verhandelt. Die Spielbank Berlin war ganz klar die Nummer eins, hatte bereits den Zuschlag vom Lande, sprang jedoch im selben Monat ohne Angaben von Gründen ab.

Somit blieben nur noch die Spielbanken Mecklenburg­Vorpommern und die Zyproten im Rennen. Allerdings stand das Vorhaben der Sybil­Group in Vockerode wegen seiner Größe ­ 300 Millionen Euro sollen in Kasinos, Hotel, Gastronomie und Erlebnisshopping investiert werden ­ stark in der Kritik. In der Landesregierung und auch im Landtag war man sich nicht sicher, ob das Unterfangen seriös sei. Die Zyprioten legten auf Druck des Finanzministeriums ein erfolgreiches Angebot vor, dass den Erwerb der Spielbanken auch unabhängig vom Projekt Vockerode beschreibt. Daraufhin hatte sich die Steuergruppe Spielbanken der Landesregierung daruf verständigt, nur noch mit der Sybil­Group zu verhandeln. Somit sind die Spielbanken Mecklenburg­Vorpommern aus dem Rennen. Für die Übernahme der drei Kainos hatten sie noch einen Bonus des Landes verlangt. "Es gibt ein negatives Kaufpreis­Angebot", so Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD). Über die Höhe wurde nichts bekannt gegeben. Während die Sybil­Group dem Land in allen wesentlichen Forderungen Entgegenkommen signalisiert haben soll, haben die Mecklenburger offenbar bei nachfolgenden Sondierungsgesprächen keine substanzielle Änderungen an ihrem Angebot unterbreitet. Darunter verbindliche Investitionszusagen und die Bereitstellung von finanziellen Sicherheiten.

Bis Ende November sollen die Verhandlungen nun zum Abschluß gebracht werden. Auch ein Scheitern der Verhandlungen wird in der Steuergruppe allerdings nicht ausgeschloßen.Somit ist eine Liquidation der Gesellschaft noch nicht vom Tisch. Unter Führung des Landes ist auch die Restrukturierung der Gesellschaft noch eine theoretische Option.