Glücksspiel als Mittel zur herrschaftsfreien Ordnungsstabilisierung

Glücksspiel als Mittel zur herrschaftsfreien Ordnungsstabilisierung

Eines der Mittel aus dem Bereich des Glücksspiels ist das Würfelspiel mit dem Namen "Huayra", welches von den Canelos-Indianern aus Ecuador stammt. Durch das Spiel sollen beide Funktionen erfüllt werden, so zeigen es Kulturwissenschaftler/-innen immer wieder auf.

Das Spiel "Huayra" ist rituell an Totenzeremonien gebunden und wird während der nächtlichen Totenwache praktiziert. Hierbei stehen die geladenen männlichen Gäste sich in zwei Reihen gegenüber, während die Leiche des Verstorbenen sich in der Mitte zwischen den zwei Reihen befindet. Abwechselnd wird der Würfel aus Lamaknochen von jeder Seite über die Leiche hinweg auf die andre Seite geworfen.

Gespielt wird bei diesem Spiel um das lebende Inventar des Verstorbenen, lediglich einige Tiere werden für die Aufzucht verschont. Die Regelungen des Spiels unterscheiden sich je nach Region ein wenig. Auf diese Art und Weise wird in den egalitären Gesellschaften das Besitztum von Verstorbenen aufgeteilt, um so zu verhindern, dass einzelne Familien zu viel ökonomischen Reichtum anhäufen können. Das Erbe wird demnach nach dem Zufallsprinzip geregelt. Auf diese Art und Weise, soll auch die Regelung über Gewalt ausgeschlossen werden.

Auch in anderen primitiven Gesellschaften werden Glücksspiele dazu genutzt, Gewalt zu verhindern und andere politische Zustände gewaltfrei und nach dem Zufall zu regeln. Zum Beispiel mit dem Wettspiel der afrikanischen Hadza wird die Trockenzeit mit dem Spielen in Form eines Zeitvertreibs genutzt und die Männer Spielen mehr als sich um die Jagd zu kümmern. Der Spieleinsatz bei diesen Stämmen sind die großen Jagdpfeile, die über eine Metallspitze verfügen. Diese werden für die Jagd von Großwild genutzt.

Es gibt nur eine reduzierte Anzahl dieser Pfeile, um die in der Trockenperiode stetig gespielt wird. Demnach gibt es jeweils Spieler, die gleich über mehrere Pfeile verfügen, aber auch welche, die bereits alle Pfeile verspielt haben. Durch das häufige Spielen, etwa 100 Spiele pro Tag, gibt es eine tägliche Umverteilung der Pfeilgewinne, wodurch individuelle Verpflichtungen und Abhängigkeitsbeziehungen innerhalb des Stamms dauerhaft verhindert werden können. Die Pfeile zum Jagen von Kleinwild werden nicht eingesetzt, um so für jedes Stammesmitglied die Lebenssicherung gewährleisten zu können.

In vielen Indianerstämmen ist das Glücksspiel keine Seltenheit. Auf diese Art und Weise wurden in vielen Stämmen die Güter innerhalb eines Stammes umverteilt. Letztendlich kamen die Spielgewinne jedoch immer wieder der Gemeinschaft eines Stammes zu Gute, wodurch die egalitäre Werteordnung langfristig gesichert werden konnte.