Interview – Der Berufsalltag eines Croupiers

Interview – Der Berufsalltag eines Croupiers

Herr Dartsch, Sie sind als Croupier in der Spielbank Bad Reichenhall tätig, übernehmen somit die Spielleitung der verschiedenen Glücksspiele. Wie lange üben Sie diesen Beruf schon aus und ist es ein Traumberuf für Sie?

Im Februar nächstes Jahr sind es 20 Jahre und ja, ich gehe auch nach fast zwanzig Jahren noch immer gerne in die Arbeit! Wie kam es dazu? Ich habe damals eine Anzeige, in einem regionalen Anzeiger gelesen, dass das Casino in Bad Reichenhall einen Kurs zum Croupier anbietet, neue Croupiers ausbildet und einstellt.

Wie empfinden Sie Ihre Arbeit als Croupier?

Immer wieder abwechslungsreich, da es mehrere Glücksspiele sind, die wir anbieten.

Was macht Ihnen besonders Spaß?

Es ist nicht unbedingt ein besonderes Spiel, welches mir am meisten Spaß macht, es ist eher der Umgang mit den Gästen, gerade das es einfach nicht vorhersehbar ist, was an dem jeweiligen Tag passiert! Da kommen immer wieder einmal Dinge vor, die ich in 20 Jahren noch nie erlebt habe, das ist der Reiz.

Welche Aufgaben warten täglich auf Sie?

Croupier bei Roulette, Black Jack und Poker.

Hat es einen besonderen Reiz für Sie täglich im Casino "spielend" Ihr Geld zu verdienen?

Reiz insofern, dass ich die Arbeit gern mache mir es leicht fällt und mir wie gesagt Spaß macht.

War es schwierig für Sie die Spielregeln der verschiedenen Glücksspiele zu lernen?

Ich kann mir vorstellen, dass es dem ein oder anderen schwerer fällt, neue "Glücksspiele" zu erlernen, aber es interessiert mich und von daher sind neue Spiele oder neue Varianten von Spielen eigentlich überhaupt kein Problem oder schwierig für mich.

Gab es schon einmal Auseinandersetzungen mit einem Spieler wegen einem eventuell zu hohen Verlust? Wie gehen Sie in solchen Situationen mit Spielern um?

Ja, dass kann schon einmal passieren. Falls Einsätze falsch platziert worden sind oder Gäste meinen, sie hätten Einsätze auf Gewinnfeldern platziert, dass dann aber nicht so war. Es kommt schon auch vor das sich Gäste untereinander streiten, wer den Einsatz getätigt hat. Bei solchen Fällen ist es dann wichtig die Lage schnell und mit Fingerspitzengefühl zu klären ohne einen Gast zu verärgern! Denn irren, das ist klar, kann sich jeder einmal! In schwierigen Fällen kann dann auch in der Videoüberwachung nachgeschaut werden, wer welchen Einsatz getätigt hat! Denn der Gewinn soll ja schließlich auch an den richtigen Gewinner gehen!

Glücksspiel hat in Deutschland in vielerlei Hinsicht einen eher schlechten Ruf und Croupier ist kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Was sagen Freunde und Bekannte zu Ihrem Beruf als Croupier? Bekommen Sie Anerkennung?

Anerkennung ist vielleicht das falsche Wort, es ist sicherlich ein außergewöhnlicher Beruf der somit auch die Neugier von Freunden und bekannten weckt! Nach dem Motto "Was machst Du da täglich, dass ist ja spannend!"

Ein Croupier muss über ein außergewöhnliches Zahlengedächtnis verfügen und es warten täglich hohe Anforderungen auf Sie. Wie oder wann kommen Sie an Ihre Grenzen?

Also wenn es ein langer Tag war mit komplizierten Annoncen, sprich "Spielen" (meistens am Roulettetisch) wo die Einsätze variieren und sich dann mehrere Spieler mit ähnlichen Spielen an einem Tisch versammeln. Wenn dann alle Spieler ihre Einsätze erst dann tätigen, wenn die Kugel schon "rollt", sie mir sagen sie wollen "das, dies und jenes spielen". Dann auszurechnen ob das Geld reicht, welches er oder sie mir gegeben haben, es zu wechseln und mögliches "Restgeld" zurückzugeben bevor die Kugel fällt und das alles zu kontrollieren, dass ist die Kunst. Denn wenn ich eine Annonce oder Ansage eines spielenden Gastes wiederhole, dann ist das auch bindend und spielt mit. Wenn dies so ein Tag ist wird es schon anstrengend!

Mehr als 90 Prozent der angehenden Croupiers finden heute sofort eine Stelle. Ein erstaunlich sicherer Job in Zeiten der Wirtschaftskrise. Ist Croupier heute ein gefragter Beruf bei Jugendlichen?

Gefragter Beruf? Ich denke schon, allerdings muss man eben auch abwägen, mag man die Nachtarbeit, das Arbeiten an Wochenenden oder Feiertagen? Das ist nicht jedermanns Sache.

Denken Sie das der Beruf als Croupier in Deutschland einen größeren Bekanntheitsgrad erlangen sollte?

Definitiv JA!!

Wie stehen Sie grundsätzlich dem Glücksspiel gegenüber?

Grundsätzlich positiv, bzw. klar ich lebe davon. Aber ich glaube, dass dem Glücksspiel in Casinos, wo es in geregelten und sicheren Bahnen unter staatlicher Aufsicht läuft (zumindest in Bayern) nichts Negatives entgegen zu setzen ist! Man kann sich schon einmal einen schönen Abend in einem Casino machen, ob man nun ins Theater oder Kino geht man kann doch genauso auch ins Casino gehen und wer weiß mit Glück gewinnt man auch was und hatte einen schönen Abend, spannend ist das allemal!!

Woran erkennen Sie pathologische Spieler? Und wie verhalten Sie sich gegenüber solchen Spielern?

Diese gilt es zu erkennen und wir werden auch dahin gehend geschult! Das kann ganz unterschiedlich sein. Hyper nervöses mitfiebern, dass übermäßige Fluchen und ärgern bei Verlust, das Spielen an mehreren Spieltischen zeitgleich!

Wenn ich nun ein solchen Spieler habe, oder ihn als solchen erkennen sollte, gibt es bei uns Formulare die ich ausfülle und dieses dann weiterleite an unseren Suchtbeauftragten im Haus, der sich dann der Sache annimmt.

Was denken Sie macht den Reiz bei einem Roulettespiel oder einen Black Jack Spiel aus?

Ich denke, es ist der Reiz Geld zu gewinnen, egal ob beim Black Jack oder Roulette, man kann eben, wenn man Glück und Mut hat mit wenig Geld in kurzer Zeit und ohne sich großartig anzustrengen, eben auch viel Geld gewinnen!

Wie hoch war der größte Gewinn eines Spielers in Ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn?

Gute Frage. Ich kann mich erinnern, dass es bei einem Roulettespiel so in etwa bei 100.000 Euro lag, wobei ich das nur so schätzen kann, denn was der Spieler später genau umwechselt und mit nach Hause nimmt, darüber habe ich keinen Einblick oder Informationen! Ich weiss aber das z.B. beim Automatenspiel die Gewinne gerade auch bei Jackpot Automaten wie dem "Bayern Jackpot" in die Hundert Tausende gehen können.

Wie groß sind die Chancen beim Roulette zu gewinnen? Gibt es eine Strategie? Und können Sie als Croupier das Spiel beeinflussen?

Nein die gibt es sicherlich nicht! Es ist und bleibt eben ein Glücksspiel!!! Wenn ein Croupier das irgendwie beeinflussen könnte, dann würde ich auf der anderen Seite des Roulette Tisches stehen! Sicherlich gibt es Spieler die nach verschiedenen Systemen spielen, sich permanent die Zahlen ausdrucken lassen oder mitschreiben, aber eine Garantie ist das mit Sicherheit nicht!

Zumindest hat man mit dem Roulette die besten Chancen zu gewinnen mit den so genannten "einfachen Chancen" wie "rot oder schwarz" z.B. bei fast 50 Prozent! Wo gibt es das sonst!?

Wie würden Sie das Spielverhalten von Männern und Frauen beschreiben, gibt es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern?

Nein, da habe ich noch keinen Unterschied gemerkt was Einsätze oder Spiele angeht, da unterscheiden sich Frauen nicht von Männern.

Croupier war sehr lange Zeit ein Männerberuf? Sind Sie der Meinung, dass Männer für diesen Beruf besser geeignet sind?

Also bei uns im Haus kann ich da keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen feststellen, man muss so denke ich einfach auch selber einen Hang zum "Spielen" haben, so wie bei mir, und damit meine ich garnicht einmal das Spiel um Geld, nein das können auch Karten oder Gesellschaftsspiele sein. Das Interesse muss einfach da sein!

Sind Sie mit dem Verdienst als Croupier zufrieden?

Natürlich nicht! (lacht) Nein also es mag vielleicht für eine Person aus einer nicht so gut verdienenden Branche auf den ersten Blick so aussehen als ob man überdurchschnittlich verdienen würde, aber man muss natürlich auch dazu sagen oder zu bedenken geben, dass es sich bei dem Job als Croupier um einen Beruf handelt, an dem man an den Wochenenden oder Feiertagen arbeiten muss, meist auch am Abend und in der Nacht. Man kann nie sicher sagen, wann man fertig ist mit der Arbeit. Es richtet sich nach dem Spiel Aufkommen! Die freien Tage fallen nicht immer auf die Gleichen, da ist ein ständiger Wechsel, somit auch die sozialen Kontakte oder evtl. Vereine sind mit diesem Beruf schwer vereinbar.

Was macht Ihrer Meinung nach einen professionellen Croupier aus?

Für mich persönlich ist es immer sehr wichtig gewesen alle Gäste gleich zu behandeln. Sicherlich gibt es Spieler die höher spielen, oder eine individuelle "Betreuung" bekommen und auch verdient haben, aber generell ist es wichtig, dass man sich in den Spieler hinein versetzen kann, das man weiß, wie er denkt, wie er tickt, das man als Croupier eben weiß wie sich der Gast auf der anderen Seite des Spieltisches fühlt! Das macht aus meiner Sicht einen professionellen Croupier aus!

Etikette ist nur eines von vielen Dingen, die als Croupier und auch als Gast in einer Spielbank wichtig sind. Die Konkurrenz aus dem Internet macht den landbasierten Spielbanken heute schwer zu schaffen, da man im Online Casino eben locker von zu Hause spielen kann. Wie denken Sie sieht die Zukunft von Spielbanken und dem Beruf als Croupier aus? Bleiben Glücksspieler den traditionellen Formen treu?

Die Zeiten werden sicherlich nicht einfacher werden, der Trend mit dem Internet, den Online Casinos, ist groß da muss man sich als "Spielbank" absetzen/durchsetzen, egal ob mit Aktionen, wie "Tombolas", Live-Musik Veranstaltungen oder bestimmten Events. Das Rahmenprogramm muss, so denke ich, stimmen! Gespielt wird und wurde immer, nur ist es schwieriger geworden eben auch die Menschen zu einem Casino Besuch zu bewegen!

Da gilt es keine Trends und Möglichkeiten früh zu erkennen und nicht zu verpassen! Ob es das Berufsbild "Croupier" in seiner jetzigen Form noch in 50 Jahren gibt!? Fragen Sie mich bitte dann noch einmal.

Interview geführt von Franziska Steiner

(Bildquelle: Gerald Dartsch / Spielbank Bad Reichenhall)

Staatseinnahmen durch Automatenspiel

In Nordrhein-Westfalen wird neusten Statistiken zu Folge immer mehr Geld in die Spielautomaten in Automatenhallen investiert.

Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen bemerkenswerten Anstieg, was Grund zur Sorge bereitet, vor allem in Bezug auf Spielsucht und Jugendschutz. Im Kreis rund um die Stadt Bonn wurden im letzten Jahr allein 31 Millionen Euro in die Automaten gesteckt.

Der Grund für das vermehrte Glücksspiel bei den Spielautomaten wird in der zusätzlichen Aufstellung gesehen. Es kommen immer mehr neue Automaten und Automatenspielhallen hinzu, sie schießen wie Pilze aus dem Boden.

Rheinbach ist der Ort, wo in der Region am meisten gespielt wird, so ergab es eine Statistik. Vor Ort gibt es insgesamt 10 Spielhallenkonzessionen. In genau diesen wird mehr gespielt, weshalb auch immer mehr und neue Automaten hinzu kommen. Der Vorsitz der Stadt Rheinbach gibt an, nicht dagegen vorgehen zu können.

Allein vom Gesetz her, ist in dieser Hinsicht scheinbar wirklich nichts zu machen, denn rechtlich ist vor Ort alles in Ordnung. Es gibt 10 Konzessionen in der Stadt, die sich auf vier große Spielkomplexe aufteilen. Pro Spielhalle sind 12 Automaten gestattet. Auch in diesem Fall wurde mit Tricks gearbeitet, so dass die Räume sich direkt nebeneinander befinden, jedoch durch separate Eingänge zu betreten sind.

Die Betreiber dieser Hallen verdienen ihr Geld an der Sucht der Glücksspieler. Die Betreiber freuen sich demnach, über die Entwicklung der letzten Jahre, vor allen Dingen auch auf die Umsätze bezogen. Für die Zukunft wird jedoch vor Ort kein weiteres Wachstum erwartet.

Die Automatenspielhallen haben gerade auch in der letzten Zeit eine große Konkurrenz bekommen: die Online Casinos. Das Spielen im Internet wird bei jung und alt immer beliebter. Außerdem treffen die verschiedenen Steuern die Betreiber von Spielhallen hart, denn insgesamt müssen etwa 35-40 Prozent an steuerlichen Abgaben von den Einnahmen abgezogen werden.

Während das Land an den Spielsüchtigen verdient, haben diese oft sehr zu kämpfen. Ein Spielsüchtiger kann im Monat ganz einfach mal einen Verlust von 1000 Euro machen. Ein einzelnes Schicksal, hart getroffen, während es in den Kassen des Landes klingelt.

In Nordrhein-Westphalen gibt es an der Zahl vier Spielhallen, wo neben den Automaten auch noch Live Spiele wie Blackjack und Roulette angeboten werden. Die Umsätze sind in den letzten Jahren jedoch im Ganzen gesunken, von 100 Millionen Euro Verdienst vor fünf Jahren bis auf 64 Millionen Euro Umsatz im letzten Jahr. Auch daran sind die Konkurrenz durch das Internet und die Wirtschaftskrise deutlich erkennbar.