Der Vorstandschef der Bayern Rummenigge unterstützt die Hoffung auf Goldregen für die Landeskasse mithilfe von Lotto im Netz und die Abschaffung des Werbverbots. Um das deutsche Glücksspiel durch Privatanbieter anzuheizen, lasst die Regierungskoalition in Schleswig-Holstein nichts anbrennen.

Sogar Boris Becker hat die Regierung auf ihrer Seite. CDU und FDP möchten, dass Privatanbieter wieder Glücksspiele anbieten dürfen und das Werbeverbot soll abgeschafft werden. Ob sie genügend Mitstreiter unter den Ländern haben werden und die erwarteten Umsätze in Milliardenhöhe wirklich kommen, steht noch offen. Auch der Amateursport wartete auf zusätzliches Geld aus den Glücksspielgewinnen. Das Kieler Bündnis hat drei Ziele. Erstens soll das Lotto wieder im Netz betrieben werden dürfen. Man mache das ja schon unrechtmäßig, aber die Steuern seien in London oder Malta zu zahlen, so der Wirtschaftpolitiker Arp.

Das Marktvolumen in der Bundesrepublik liege bei etwa acht bis elf Milliarden Euro. Auch bei Sportwetten gehe es um viel Geld. Auch hierfür möchte die CDU/FDP abermals Privatanbieter zulassen. Der staatliche Anbieter Oddset stelle für die Länder ein Zuschussgeschäft dar. Das Marktpotential für Sportwetten soll bei 7,5 Milliarden Euro liegen. Insgesamt kann das an massiver haushaltlicher Not leidende Bundesland mit sechs bis sieben Millionen Euro zusätzlich jährlich seinen Nutzen ziehen so Arp. Es existiere ein grauer Markt bei Sportwetten, den der Staat nicht zur Kenntnis nehme. Die Reformer des Glücksspiels wollen auch durchsetzen, dass die Anbieter wieder Werbung machen dürfen.

An der Isar findet diese Aktion positive Resonanz. Man heiße den Vorschlag aus dem Norden gut, denn er könne garantieren, dass die Sportwetten in der Bundesrepublik gerecht und durchsichtig abgewickelt würde, so der Vorstandschef von Bayern-München Rummenigge. Die Spieler erhielten ein reguliertes Angebot, die professionellen Vereine könnten Gewinne aus Werbung machen und der Breitensport bekomme so mehr Fördermittel. Die Gegner von Bayern München in der Champions- League haben Trikotwerbung für Anbieter von Wetten. In den Stadien seien die Banden damit bestückt. Die Zuschauer könnten dies im Fernsehen mitverfolgen, so Rummenigge. Deswegen könne ihm niemand weismachen, wieso dies untersagt sei.

Der letzte Punkt der Aktion beinhaltet Folgendes: Da Spielbanken darben, soll es gestattet werden, Poker und Roulette im Netz zu spielen. Dies geschehe bereits, aber nicht in Deutschland, so Arp. Auch dieser Markt werde kaum reguliert, man wolle ihn aber kontrollieren, Verstöße ahnden und eine Gebühr erheben. Insgesamt könnte der Landeshaushalt jedes Jahr über 50 Millionen Euro mehr verfügen. Die Chefs der Fraktionen von Boetticher und Kubicki nahmen sogar an der Bundespressekonferenz in Berlin teil, um ihre Aktion vorzustellen. Ihre Parteien hatten im Koalitionsvertrag festgelegt, dass sie den aktuellen Vertrag nicht weiterführen wollen. Dieser verliert Ende nächsten Jahres seine Gültigkeit, sollten nicht minimal 13 Bundesländer der Fortführung zustimmen.

Das Land würde wohl dem Lotto-Block weiterhin angehören, wenn es nicht ausreichend Unterstützung bekommt. Doch bei Sportwetten und Online Casinospielen wäre Schwarz-Gelb sehr wohl in der Lage, sein Vorhaben auch alleine durchzuziehen. Dies sei ein interessanter Weg aus einem Problem herauszukommen, dass man dem aktuellen Staatsvertrag zu verdanken haben und für den Sport mehr finanzielle Mittel einzufahren, so der Präsident des Landessportverbandes. Ein Mehr von zwei bis drei Millionen im Jahr seien zu erwarten. Momentan erhalte der Landessportverband etwa sechs Millionen Euro aus Lottogewinnen, dies stellt die Hälfte seines gesamten Etats. Der Verband der Spielbanken warnt, dass das Modell aus Kiel Spielsucht, Geldwäsche und Verschuldungsgefahren vorantreiben.

Die öffentlich-rechtlichen Casinos hätten die Aufgaben der Bundesländer, ein verantwortungsvolles Angebot an Casinos bereitzuhalten, so der Verbandschef. Eine Legalisierung von bislang unrechtmäßigen Online Casinospielen, wie man in Kiel vorschlage, würde diesem Auftrag zuwiderlaufen. Arp hält entgegen, dass es heute Tausende von in der Bundesrepublik unrechtmäßigen Seiten, über die die Deutschen spielen. Da seien Spielsucht, Geldwäsche und Verschuldungsrisiken zweitrangig.